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VÖCKLABRUCK. Eigentlich hätte es rund um den Welt Down Syndrom Tag am heutigen 21. März eine Jubiläumsfeier in Form einer Vernissage geben sollen, anschließend eine Ausstellung mit dem Titel 10 Jahre Lebensfreude in der Vöcklabrucker Galerie im Lebzelterhaus. Beides entfiel natürlich aufgrund der Corona Krise, doch der Verein 46+1, Down Syndrom freut sich trotzdem über sein zehnjähriges Bestehen.

Kinder mit Down Syndrom haben generell mehr Fähigkeiten als ihnen zugetraut werden. Sie brauchen länger, um Dinge zu lernen und sie sind in ihrer Entwicklung stark verzögert. Das bedeutet, sie brauchen zusätzliche Betreuung, aber sie profitieren in hohem Ausmaß von der Inklusion in Kindergärten und Schulen. Foto: www.a-ss.at

Mehr Bewusstsein

Gegründet wurde der Verein von Eltern von Kindern mit Down Syndrom im April 2010. „Es war damals nicht nur unser Anliegen Familien von Kindern mit Down Syndrom zu vernetzen, sondern das Thema auch an die Öffentlichkeit zu tragen“, so Obfrau Birgit Brunsteiner. Inzwischen sind es 12 Familien, die sich regelmäßig treffen, sich austauschen und sich gegenseitig mit ihren Erfahrungswerten unterstützen. „Das Bild, das Menschen von Kindern mit Down Syndrom in unserem Bezirk haben, hat sich gewandelt“, ist Brunsteiner überzeugt. „Sie begegnen ihnen mit mehr Offenheit“. In den vergangenen 10 Jahren gab es etliche Plakataktionen, Veranstaltungen und öffentliche Auftritte. Mit einem Down Syndrom Regal in der Vöcklabrucker Stadtbibliothek hat der Verein eine öffentliche Informationsquelle zum Thema geschaffen. Ein eigenes Kochbuch, ein große Kochshow mit Promikoch Mike Süsser, heuer hätte es eben eine eigene Ausstellung werden sollen – die Mitglieder des Vereins sind aktiv und überlegen sich immer wieder Wege, das Thema Down Syndrom in die Öffentlichkeit zu tragen.

Viel neues Angebot

„Aber auch im Hintergrund passiert viel, vor allem im Bereich der Weiterbildung“, sagt Brunsteiner. Jährlich veranstaltet der Verein Workshops mit Bernadette Wieser vom Down Snydrom Kompetenzzentrum in Leoben. Wieser gilt als die österreichische Expertin in Sachen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit Down Syndrom. „Uns ist es besonders wichtig, dass nicht nur Eltern sondern auch andere Bezugspersonen und vor allem die PädagogInnen unserer Kinder die Möglichkeit bekommen, sich zu verschiedenen Themen zu informieren“, so Obfrau Stellvertreterin Martina Offenberger. Das Angebot kommt an, die Workshops, sind jedes Mal innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. Kindergärten und Schulen, an denen Kinder des Vereins unterrichtet werden, hat 46+1, Down Syndrom mit Lernmaterialien wie Informationspaketen oder einer Down Syndrom Mathe Box ausgestattet. Die Kosten dafür können durch zahlreiche Spenden aufgebracht werden. „Wir haben das große Glück von Beginn an von anderen Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen aus dem Bezirk Vöcklabruck unterstützt zu werden. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt die Vereinskassierin Manuela Zitzler aus Oberndorf bei Schwanenstadt. Aber auch mit Aktionen wird die Arbeit des Vereins unterstütz. Die Vöcklabrucker Künstlerin Lisa Grabner hat ein Kunstprojekt mit den Kindern organisiert, eine Firmlingsgruppe aus Schwanenstadt einen inklusiven Tag am Bauernhof veranstaltet.

Viele Aktivitäten

Die Familien treffen sich einmal monatlich im Familienbundzentrum Vöcklabruck zur Spielgruppe, die Eltern treffen sich ebenfalls einmal im Monat ohne Kinder. Die Vereinsfamilien machen immer wieder gemeinsame Ausflüge, vom Legoland in Günzburg bis zum Familypark in St. Margarethen, vom Zoo Schmiding bis zum Agrarium Steinerkirchen. Bereits mehrmals hat 46+1, Down Syndrom am Vöcklabrucker Kinderadvent mit einem eigenen Bastelstand teilgenommen. „Das machen wir besonders gerne, weil wir dort viele andere Familien treffen und viele andere Kinder mit unseren inKontakt kommen“, so Vorstandsmitglied Sylvia Kroiss. Einige der Kinder mit Down Syndrom sind seit Jahren Mitglieder der Tschempernkids und auch bei Aufführungen mit auf der Bühne, Tennislehrer Manfred Zientek trainiert vier der Kinder regelmäßig im Delta Sportpark in der eigenen 46+1, Down Syndrom Tennis Gruppe. Highlight für die größeren Kinder ist das jährliche integrative Segeln des Vereins mini12 in Gmunden.

Es braucht mehr Inklusion

Besonderes Anliegen des Vereins ist die Inklusion von Kindern mit Down Syndrom. „Es braucht mehr inklusive Kindergarten- und Schulplätze“, so Birgit Brunsteiner. Die Obfrau kritisiert vor allem die fehlenden Stunden für Stützkräfte in der Elementarstufe. „Jedes Jahr müssen Eltern zittern, ob ihre Kinder einen inklusiven Kindergarten- oder Schulplatz und die nötige Betreuung bekommen, das muss endlich aufhören“, so Brunsteiner. Kinder mit Down Syndrom haben generell mehr Fähigkeiten als ihnen zugetraut werden. Sie brauchen länger, um Dinge zu lernen und sie sind in ihrer Entwicklung stark verzögert. Das bedeutet, sie brauchen zusätzliche Betreuung, aber sie profitieren in hohem Ausmaß von der Inklusion in Kindergärten und Schulen. Außerdem spare eine bedarfsgerechte Betreuung in dieser Entwicklungspahse viele Kosten in späteren Jahren, so Brunsteiner. Auch auf dem Arbeitsmarkt müsse noch viel geschehen, sagt sie. Die ersten Kinder des Vereins werden in den nächsten Jahren die Pflichtschule abschließen. Was dann ist, wissen viele Eltern noch nicht, aber auch hier werden wir uns für unsere Familien einsetzten, ist sich der Vorstand des Vereins einig.

Wir schaffen das

Auch wenn die Jubiläumsfeier dem Corona Virus zum Opfer gefallen ist, der Verein ist auch 2020 aktiv. Im Jänner gab es bereits einen Workshop gemeinsam mit der Gemeinde Gampern. Für den Herbst sind ein Ausflug und ein dreitägiges Workshopangebot geplant. Und auch die Jubiläumsfeier wird nachgeholt werden.


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