Mobbing durch Corona – was tun?

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Wolfgang Macherhammer Wolfgang Macherhammer, Tips Redaktion, 19.09.2020 12:23 Uhr

VÖCKLABRUCK. Martina, 38 Jahre alt, arbeitet als Bürofachkraft. Seit dem Lockdown im März und der folgenden Kurzarbeit ist in ihrer Abteilung nichts mehr so wie davor. Viele Fragen sind offen: „Wie wird es weitergehen? Wird sich der Betrieb nach der Corona-Pandemie wieder vollends erholen? Müssen Leute sogar gekündigt werden?“  

Diese Themen wurden im Homeoffice und in der Zeit der Kurzarbeit sowohl über Internet als auch direkt besprochen. In dieser Zeit der Unsicherheit bemerkte Martina, dass sie von so manchem Gespräch ausgeschlossen wurde. Sie hörte erst im Nachhinein davon. Sie erfuhr, dass die anderen Kollegen untereinander einen regen Austausch pflegten und meist – wenn sie dazukam – verstummten. In ihr wurde der Eindruck, ausgegrenzt zu werden, immer stärker. Und es kamen Begebenheiten dazu, die ihr Gefühl verstärkten. Es wurden ihr Fehler unterstellt bei Arbeitsabläufen, an denen sie gar nicht beteiligt war; wichtige Informationen erhielt sie nicht mehr wie früher. Das fehlende Tragen der Maske am Gang wurde nur bei ihr geahndet, alle anderen lächelten sich ohne Maske an.

So und ähnlich klingt es, wenn Arbeitnehmer beim Mobbingtelefon der Betriebsseelsorge OÖ in diesen Wochen Hilfe suchen. Arbeitnehmer sind verunsichert in diesen Zeiten. Zum Beispiel, wenn nicht klar ist, ob Kündigungen durch Arbeitseinbrüche anstehen, agieren Arbeitskollegen mit Mitteln, die Ausgrenzung provozieren oder Mobbinghandlungen darstellen, um ihren eigenen Arbeitsplatz zu retten, und schwärzen dafür den Kollegen an.

Was tun?

Wer rasch Hilfe sucht, hilft sich selber doppelt. Umso eher man auf Mobbinghandlungen reagiert, umso besser kann die bedrohliche Situation „noch“ zu bewältigen sein. Mobbing über einen längeren Zeitraum wird immer komplexer und beängstigender für die von Mobbinghandlungen betroffene Person. Auch die Energie und der Selbstwert können, je länger es dauert, stark leiden.

Die Mobbingberate der Betriebsseelsorge OÖ sind erste Anlaufstelle. Bei ihnen finden Betroffene ein offenes Ohr und kompetente Gesprächspartner: Wer ist involviert? Welche Rolle hat der/die Vorgesetzte und auch der/die beobachtende Kollege/Kollegin? Was können erste oder nächste Schritte sein? Wo findet die betroffene Person weitere Unterstützung? Welche Ressourcen hat die betroffene Person selber, die sie vielleicht nicht mehr erkennen kann?

Ein Gespräch im anonymen, vertraulichen Rahmen am Mobbingtelefon kann nicht alle Probleme auf einmal klären, aber gemeinsam kann man konkrete Schritte und Wege finden, wie die von Mobbing betroffene Person wieder ins Handeln kommt, sodass der Konflikt sich zu einem fairen und respektvollen weiteren Zusammenarbeiten im Betrieb wandelt.

Beim Mobbingtelefon melden sich auch Menschen, die sich beraten lassen, weil sie Situationen von Ausgrenzung und Schikanen gegenüber KollegInnen beobachten und so indirekt Beteiligte im Mobbinggeschehen sind.

Die Corona Pandemie ist für viele Betriebe eine große Herausforderung. Konflikte sind oft nicht vermeidbar. Sehr wohl vermeidbar ist ein menschenverachtender Umgang von KollegInnen untereinander oder von Seiten der Vorgesetzten. Hier gilt es schnellstmöglich die Notbremse zu ziehen und zu handeln.

Das Mobbingtelefon der Betriebsseelsorge OÖ ist jeden Montag (außer an Feiertagen) von 17 bis 20 Uhr unter der Nummer 0732/76 10-3610 erreichbar. Die Onlineberatung können Betroffene rund um die Uhr unter www.mobbingtelefon.at kontaktieren.

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