Ungeimpfte machen über 75 Prozent der Patienten auf Intensivstationen aus

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Martina Ebner Martina Ebner, Tips Redaktion, 20.10.2021 16:50 Uhr

BEZIRK VÖCKLABRUCK. Noch immer gibt es Fragen rund um die Covid-Auffrischungsimpfungen. Tips bat Tilman Königswieser, Leiter des Expertengremiums im OÖ. Krisenstab und Ärztlicher Direktor des Salzkammergut Klinikums, um Klarstellung.

Tips: Sie gehören dem oö. Covid-Krisenstab ab, daher vorab die Frage: Wie schaut derzeit die Lage in den Krankenhäusern und deren Intensivstationen aus?

Tilman Königswieser: Heute (20. Oktober, Anm. d. Red.) befinden sich 187 Covid-Erkrankte in stationärer Betreuung, 31 davon an der Intensivstation. Zusätzlich haben die oberösterreichische Krankenanstalten derzeit viele andere Erkrankungen zu behandeln. Die Leistungen des Krankenhauspersonals sind somit besonders wertzuschätzen. Die Covid-19 Fallzahlen werden leider weiter steigen. Damit wird der Druck auf die Krankenhäuser noch höher werden. Nur durch die Steigerung der Impfquote in unserem Bundesland wird es hier zu einer Entlastung kommen.

Impfrechner kommt

Tips: Welcher Prozentsatz der Patienten auf den Intensivstationen ist ungeimpft?

Königswieser: Die 40 Prozent Ungeimpften machen über 75 Prozent der Patienten an den Intensivstationen aus. Zudem sind die geimpften Intensivpatienten zum überwiegenden Anteil Personen mit eingeschränkt funktionstüchtigem Immunsystem. Gerade für diese Gruppe von Patienten, bei denen die Impfung aufgrund der Vorerkrankungen nicht so wie gewünscht wirken kann, ist wichtig, dass wir uns als Gesellschaft impfen lassen. Damit schützen wir eben erkrankte Mitmenschen.

Tips: Oberösterreich hat vor einigen Wochen mit den Auffrischungsimpfungen in öffentlichen Impfstraßen begonnen. Was muss man wissen?

Königswieser: Derzeit gilt vorwiegend die Selbstanmeldung. Risikogruppen wurden bereits informiert. Zudem wird bald ein Impfrechner, der den richtigen individuellen Zeitpunkt berechnet, den Oberösterreichern zur Verfügung gestellt. Auch eine direkte Information zur Auffrischung ist angedacht.

Tips: Ist es empfehlenswert, sich beim Hausarzt impfen zu lassen oder dort, wo man die ersten Impfungen erhalten hat?

Königswieser: Wichtig ist die Auffrischungsimpfung! Sowohl Hausärzte, als auch Impfstraßen und weitere Einrichtungen impfen in Oberösterreich auf höchstem und sicherem Niveau. Mein Tipp: Lassen Sie sich impfen, wo es für Sie am leichtesten geht!

Impfungen sind hochwirksam und hochsicher

Tips: Sollte man vorher überprüfen, wie viele Antikörper man hat bzw. hat dieser Wert etwas mit der Auffrischungsimpfung zu tun? Und was sagen diese überhaupt aus? Wie viele Antikörper wären ideal, wie viel zu wenig?

Königswieser: Die Bestimmung des Antikörpertiters entspricht nicht den Empfehlungen des höchsten österreichischen Impfgremiums und auch nicht unseren Empfehlungen. Nachgewiesene Antikörper sagen aus, dass man in Kontakt war, nichts zwingend über eine fehlende oder vorhandene Immunität. Der richtige Weg ist die Auffrischungsimpfung zu dem individuell  vorgeschlagenen und idealen Zeitpunkt.

Tips: Sollte man beim gleichen Impfstoff bleiben, den man zuvor erhalten hat oder kann man auch einen anderen impfen lassen?

Königswieser: Das hängt sehr von dem zuvor verimpften Impfstoff ab. Generell kann gesagt werden, dass nach Verwendung eines Vektorenimpfstoffes (Jansen, Astra) mit einem mRNA Impfstoff (beispielsweise Pfizer) aufgefrischt wird, nach Impfung mit einem mRNA Impfstoff erneut mit einem mRNA Impfstoff. Derzeit wird insbesondere zur Auffrischung der Pfizer Impfstoff verwendet. Individuelle angepasste Vorgehensweise können aber im Einzelfall vom Impfarzt angeraten werden.

Tips: Noch immer ist die Unsicherheit gegenüber Impfungen groß. Welche Bilanz in puncto Erfolge oder auch Nebenwirkungen können Sie nach den vielen durchgeführten Impfungen mittlerweile ziehen?

Königswieser: Die Impfung ist aus Sicht des Impfgremiums und auch unseren Erfahrungen hochwirksam und hochsicher. Nebenwirkungen sind aber aufzuklären und genau zu beobachten, damit eben Impfungen weiter zu den sichersten medizinischen Interventionen gehören. Viele Fake-News – wie die Mär der Unfruchtbarkeit – verunsichern uns als Bürger und halten sich hartnäckig. Wir versuchen in vielen Aufklärungsgesprächen dem entgegenzuwirken.

Tips: Gibt es auch eine Beziehung zwischen Long-Covid und Impfungen?

Königswieser: Zu beobachten ist, dass Impfungen natürlich durch Reduktion von schweren Erkrankungen auch zu einer Reduktion von Long Covid Symptomen führen. Somit schützt die Impfung wohl auch vor Long Covid Symptomen, wir erwarten auch hier weiteren Wissensgewinn durch die zahlreichen Beobachtungsstudien.

Viele schwere Long Covid Verläufe

Tips: Was sind die häufigsten Long Covid Symptome?

Königswieser: Kopfschmerzen, Schwäche und Müdigkeit. Wir beobachten bis zu 15 Prozent von schweren Long Covid Verläufen des Stufe III (entspricht Arbeitsunfähigkeit) und IV. Stufe (entspricht Bettlägerigkeit).

Tips: Oberösterreich und auch der Bezirk Vöcklabruck hinken bei der Durchimpfungsrate immer noch hinterher. Was können Sie den Impf-Verweigerern entgegnen?

Königswieser: Unsere Daten, unsere Erfahrungen. Und den Schmerz beispielsweise der ungeimpften Schwererkrankten und ihrer Angehörigen. Das schmerzt uns als Betreuende wieder – zu wissen, dass der Verlauf durch die Impfung höchstwahrscheinlich zu  verhindern gewesen wäre und wir jetzt alle medizinischen und pflegerischen Maßnahmen zu ergreifen haben, ein Leben zu retten, mit allen Maßnahmen der Intensivmedizin. Und diese reichen leider oft nicht aus.

 

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