Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BEZIRK VÖCKLABRUCK/GMUNDEN. Erdwärme ist unabhängig von Wetter und Jahreszeit, nachhaltig und erneuerbar. Geothermie könnte einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten. Ein Kooperationsprojekt im Cleantech-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria erforscht mit zwei oberösterreichischen Unternehmen, der RAG Austria und dem Austrian Institute of Technology nun das Potenzial im oberösterreichischen Salzkammergut. Das Projekt läuft bis Februar 2023.

Eine Bohranlage der RAG bei Nacht (Foto: RAG/steve.haider.com)
  1 / 3   Eine Bohranlage der RAG bei Nacht (Foto: RAG/steve.haider.com)

Die im Boden gespeicherte Erdwärme kann umweltfreundlich zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung genutzt werden. Mit einer Machbarkeitsstudie wollen die beiden oberösterreichischen Unternehmen RED Drilling GmbH (Gampern) und Sirius-ES Handels GmbH (Wels) gemeinsam mit der RAG Austria AG und dem AIT Austrian Institute of Technology herausfinden, ob Geothermie in den Bezirken Gmunden und Vöcklabruck wirtschaftlich genutzt werden kann. Der Cleantech-Cluster der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria übernimmt das Projektmanagement.

Versorgung durch Geothermie 

Eine vom Land Oberösterreich in Auftrag gegebene Studie des Energieinstituts der Johannes Kepler Universität Linz aus dem Jahr 2018 hat bereits bestätigt, dass ausreichend hohe Temperaturen im Boden des Salzkammerguts vorliegen und somit gut nutzbares geothermisches Potenzial in Oberösterreich vorhanden ist. Das Projekt GEOSA – Geothermie Salzkammergut will nun erforschen, ob die Bezirke Gmunden und Vöcklabruck mit Energie aus Geothermie versorgt werden können. Noch ist wenig bekannt, wie die geologische Beschaffenheit des Untergrunds für diesen Zweck aussieht und wie viel Energie gewonnen werden kann.

Daten aus Probebohrungen

Hier kommt die RAG Austria AG ins Spiel. Sie verfügt über eine umfangreiche geologische Datensammlung über das Salzkammergut aus geophysikalischen Untersuchungen des Untergrunds und Informationen aus Produktionsbohrungen. Im Projekt GEOSA – Geothermie Salzkammergut wollen die Forschungspartner das Kalk- und Dolomitgestein im Salzkammergut genauer unter die Lupe nehmen. Unter Beteiligung der RAG konnte in Garching an der Alz (Deutschland) im Jahr 2021 erfolgreich eine Geothermie-Anlage den Betrieb aufnehmen. Diese versorgt rund 14.000 Haushalte nachhaltig mit Strom.

Geologische Analyse

Ausschlaggebend für eine wirtschaftliche Nutzung der vorhandenen Erdwärme sind neben der Temperatur auch die genauen Tiefenlagen, die Mächtigkeit und vor allem die sogenannte Klüftigkeit des Gesteins. Letztere beeinflusst die produzierbaren Wassermengen und somit das geothermische Potenzial. Ist der Untergrund stark zerklüftet, können beim Zirkulieren mit Wasser höhere Durchflussraten erzielt werden. Bei ausreichend hohen Temperaturen kann die Erdwärme auch zur Stromgewinnung verwendet werden. Wärme- und Stromgewinnung aus Geothermie wäre außerdem nicht nur nachhaltig und erneuerbar, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung Versorgungssicherheit, da ohne Einfluss von Witterung und Jahreszeit gleichmäßig versorgt werden kann.

Erneuerbare Energiequelle

Derzeitige Schätzungen des Energiepotenzials liegen im Terawatt-Bereich. Das würde neben einer Einspeisung ins regionale Wärmenetz und Energieverbundsystem auch eine Kombination aus Wärme- und Stromerzeugung und sogar das Betreiben eines Wärmekraftwerks ermöglichen. Gerhard Wiesmayr, Teamleiter Geologie & Geophysik der RAG Austria AG, ist für das Arbeitspaket „Geothermisches Potenzial und Risikomitigation“ verantwortlich. „Wir wollen unsere Untertage-Expertise aus der Erdöl- und Erdgasförderung sowie der Speicherung von Energie auch zunehmend für die erneuerbare Geothermie transformieren“, sagt der Experte. „Außerdem erhoffen wir uns weitere Informationen zum geothermischen Potenzial als Wärmespeicher.“

Wirtschaftsstandort stärken

Die RED Drilling & Services GmbH aus Gampern bringt ihr jahrelanges Know-how als Spezialist für Bohrungen und bei der Umsetzung von Geothermie-Projekten ein. Geschäftsführer und Bohringenieur Heimo Heinzle über seine Projektziele: „Wir streben die Transformation der Bohrindustrie zur nachhaltigen Geothermie an. Eine Geothermie-Anlage im Salzkammergut würde durch regionale Wertschöpfung mit Wachstumspotenzial den Wirtschaftsstandort außerdem nachhaltig sichern. Das gewonnene Know-how könnten wir auch international verwerten.“

Nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Die Sirius-ES Handels GmbH aus Wels besitzt Expertise über Bohrspülungen und in der Koordination von Geothermieprojekten. Geschäftsführer und Mitgründer Alexander Buchner hat als Projektziel auch die klimaschonende Kreislaufwirtschaft im Blick: „Wir wollen das Bohrklein, also das zertrümmerte Gestein, das an die Oberfläche gespült wird, recyclingfähig machen. Dabei wollen wir die Lagerstätte nicht schädigen und umweltverträgliche Materialien schon bei der Bohrspülung verwenden. Das Bohrklein könnte dann als Rezyklat bei der Zementherstellung, in der Ziegelindustrie oder als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft wiederverwendet werden.“

Klimaziele erreichen

Für den Cleantech-Cluster ist Geothermie als erneuerbare Energiequelle ein Mittel, um die in den EU-Klimazielen vereinbarte CO₂-Reduktion bis zum Jahr 2050 zu erreichen. „Ein weiterer Aspekt ist die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung in Branchen, die sich aufgrund der Klimapolitik neu ausrichten müssen“, sagt Cluster-Manager Dorian Wessely. Das Forschungsprojekt GEOSA erfüllt auch die Ziele der oberösterreichischen Wirtschafts- und Forschungsstrategie #upperVISION2030, u.a. im Hinblick auf Dekarbonisierung der Industrie, Positionierung Oberösterreichs als Region für „Responsible Technologies & Managements“ sowie Etablierung einer lückenlosen Kreislaufwirtschaft. Daher wird GEOSA auch vom Wirtschaftsressort des Landes Oberösterreich gefördert.

 Abnehmer finden

„Regionen mit nutzbaren und ausgebauten Geothermie-Vorkommen sind attraktiv für Betriebsansiedlungen und steigern den wirtschaftlichen Wert des Standortes erheblich“, ergänzt Wessely. Nachdem die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen, ist der nächste Schritt, Unternehmen, Gemeinden und öffentliche Einrichtungen als Abnehmer von elektrischer und/oder thermischer Energie zu gewinnen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Domico Vöcklamarkt gestaltete bereits 40 ÖAMTC-Standorte

Domico Vöcklamarkt gestaltete bereits 40 ÖAMTC-Standorte

VÖCKLAMARKT. Wenn man seit über 20 Jahren als Lieferant das Vertrauen eines Kunden erhält, dann zeigt das die Verlässlichkeit und Qualität ...

Tips - total regionalWolfgang Macherhammer
Vom Krisenmodus zur Neuaufstellung in Vöcklabruck

Vom Krisenmodus zur Neuaufstellung in Vöcklabruck

VÖCKLABRUCK. Nach 18 intensiven Monaten zieht Daniel Leitner, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften, Bilanz. Im Mittelpunkt standen ...

Tips - total regionalEmma Salveter
Fußball und Wirtschaft spielten in Rüstorf einen Doppelpaß

Fußball und Wirtschaft spielten in Rüstorf einen Doppelpaß

RÜSTORF. Zur Saisoneröffnung der 2. Klasse Süd trafen sich beim Spiel ATSV Rüstorf gegen Grünau/Pettenbach 1b die regionale Wirtschaft und ...

Tips - total regionalWolfgang Macherhammer
Wellen aus Glas - Seele Schörfling baute in Brisbane Australien

Wellen aus Glas - Seele Schörfling baute in Brisbane Australien

SCHÖRFLING/A. Mit dem Glasshouse Theatre im Queensland Performing Arts Centre (QPAC) in Brisbane realisierte der Fassadenspezialist seele aus ...

Tips - total regionalWolfgang Macherhammer
Hotel Lexenhof am Attersee – Wo Geschichte, Natur und Gastfreundschaft aufeinandertreffen

Hotel Lexenhof am Attersee – Wo Geschichte, Natur und Gastfreundschaft aufeinandertreffen

NUSSDORF AM ATTERSEE. Der Attersee zählt zu den schönsten Seen Österreichs und begeistert jedes Jahr Erholungssuchende, Aktivurlauber und ...

Tips - total regionalAnzeige
Bezirk Vöcklabruck soll Vorreiter der Energiewende werden

Bezirk Vöcklabruck soll Vorreiter der Energiewende werden

BEZIRK VÖCKLABRUCK. Bei einem Besuch mehrerer Energieprojekte im Bezirk informierten sich SPÖ-Landesrat Martin Winkler und Vöcklabrucks Bürgermeister ...

Tips - total regionalEmma Salveter
Weitere Beiträge