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VÖCKLABRUCK. Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl ist ein gebürtiger Vöcklabrucker. Tips sprach mit ihm über seinen Werdegang, die Aufgaben der Asfinag und die Zukunft der Mobilität.

Hartwig Hufnagl, der Vorstand des Asfinag, ist ein gebürtiger Vöcklabrucker. (Foto: Oliver Wolf)
Hartwig Hufnagl, der Vorstand des Asfinag, ist ein gebürtiger Vöcklabrucker. (Foto: Oliver Wolf)

Tips: Es wissen sicher nicht viele Vöcklabrucker, dass der Chef der Asfinag aus ihrer Stadt stammt. Schildern Sie bitte ganz kurz Ihren Werdegang und ob Sie Ihrer Heimatstadt noch verbunden sind.

Hartwig Hufnagl: Mein Elternhaus liegt direkt am Ufer der Vöckla wo ich meine ganze Kindheit verbracht habe. Nach meiner Matura am BG Vöcklabruck im Jahr 1994 habe ich in Salzburg das Studium der Rechtwissenschaften absolviert.  Danach ging es mit einem Trainee Programm der Industriellenvereinigung nach Brüssel,  wo ich im Europäischen Parlament mit Infrastrukturthemen betraut war.  Seitdem ließ mich das Thema Infrastruktur und Mobilität nicht mehr los. Nach mehreren Stationen im Verkehrsministerium und in der Asfinag wurde ich Anfang 2019 zum Vorstand für Bau- und Betrieb bestellt. Ich bin Vöcklabruck natürlich nach wie vor eng verbunden. Meine Eltern leben hier und vor allem im Sommer verbringe ich hier immer wieder gerne einen Teil meiner Freizeit am geliebten Attersee.    

Tips: Wir haben über das große Brückenneubauprojekt über die Aurach bei Regau berichtet. Die Instandhaltung der Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich ist eine der wesentlichen Aufgaben der Asfinag. Was steht sonst noch in ihrem Lastenheft?

Hartwig Hufnagl: Wir bauen zwar defacto eine neue Aurachbrücke, aber aus unserer Sicht fällt das Projekt unter Netzerhaltung. Wir investieren aktuell pro Jahr insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro in die Autobahnen und Schnellstraßen und der finanzielle Schwerpunkt unseres Bauprogramms liegt künftig immer stärker auf derartigen Erneuerungsmaßnahmen. Gleichzeitig entwickelt sich die Asfinag vom reinen Infrastrukturanbieter mit den Kernaufgaben Bau, Betrieb und Bemautung zu einem vielseitigen Mobilitätspartner. Uns geht es darum, zukunftsfähige Infrastruktur, Nachhaltigkeit und möglichst CO2-neutrale Mobilität auf einen Nenner zu bringen. Wir übernehmen unsere Verantwortung im Hinblick auf Klimaziele - Verkehr und Mobilitätswende sind dabei entscheidende Hebel.

Tips:Die Asfinag trägt der zunehmenden E-Mobilität Rechnung und baut das Ladenetz entlang der Autobahnen massiv aus. Welche Pläne hat man sonst noch in der Schublade? Wo setzt die Asfinag weitere Schwerpunkte?

Hartwig Hufnagl: E-Ladeinfrastruktur an Autobahnen ist bereits flächendeckend vorhanden. Dennoch beschleunigen wir hier weiter. Bis 2030 soll es zumindest alle 25 Kilometer eine Ladestation an Autobahnen geben. Zur Stromversorgung von Tunnels oder Autobahnmeistereien bauen wir die eigene grüne Energieerzeugung am Netz mittels Photovoltaik aber auch Wasser und Wind massiv aus. Unser ambitioniertes Ziel im Bereich Nachhaltigkeit ist es, bereits im Jahr 2030 stromautark zu sein.  Wir vernetzen uns mit dem öffentlichen Verkehr, schaffen konkret Umstiegspunkte vom Auto auf Öffis und erleichtern mit immer mehr Pendlerparkplätzen die Bildung von Fahrgemeinschaften. Und natürlich ist und bleibt die Verkehrssicherheit ein ganz wichtiger Schwerpunkt der Asfinag.

Tips:Wie hat sich das Verkehrsaufkommen in den letzten Jahren entwickelt? Lassen sich Entwicklungen ablesen?

Hartwig Hufnagl: Nach jahrelang konstanten Zuwächsen beim Pkw und Lkw kam Corona mit den Lockdowns. Die damit verbundenen Rückgänge machen die Jahre 2020 bis 2022 für Analysen wenig repräsentativ. Fakt ist dennoch, dass 2022 einen deutlichen Zuwachs beim Pkw-Verkehr brachte. Die Fahrleistung stieg mit einem Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich, ist aber noch immer ein wenig unter dem Vorkrisenniveau. Der Schwerverkehr ist auch während Corona viel rascher wieder in Fahrt gekommen, hier verzeichneten wir 2022 im Jahresvergleich einen Zuwachs von 0,5 Prozent. Die Fahrleistung des Schwerverkehrs ist dabei immer auch ein Indikator für die Wirtschaftsleistung.  

Tips:Die Mobilität der Zukunft – Stichwort autonomes Fahren - ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Wie sehen Sie die Sache? Wird man in 30 Jahren noch selbst am Steuer eines Wagens sitzen? Wie sieht die Zukunft der Asfinag aus?

Hartwig Hufnagl: Die höchste Stufe des automatisierten Fahrens, wo das Auto die volle Kontrolle übernimmt und in keiner Situation auf die Hilfe der Lenkerin oder des Lenkers angewiesen ist, wird in Österreich wohl in 30 Jahren, aber nicht in absehbarer Zeit Realität sein. Bei diesem Thema verstehen wir uns als Autobahnbetreiber als Partner der Autoindustrie und stellen die erforderliche digitale Infrastruktur für laufende Tests zur Verfügung. In 30 Jahren wird es vor dem Hintergrund der Klimakrise auch längst gelungen sein, im Verkehrssektor ohne fossile Brennstoffe das Auslangen zu finden. Der öffentliche Verkehr wird den größten Teil der Mobilität bewältigen, sämtliche Verkehrsträger werden engstens miteinander vernetzt sein. Für die Zukunft erwarte ich auch die Beibehaltung des international geschätzten Asfinag Modells. Als Mobilitätpartner sind wir rein nutzerfinanziert, benötigen somit keine Zuschüsse der öffentlichen Hand und investieren die Einnahmen wieder in ein verkehrssicheres und leistungsfähiges hochrangiges Netz. Von diesem Modell profitieren unsere Kunden und der Wirtschaftsstandort Österreich.

 

 

 


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