Im Gespräch mit Wilhelm Patri
VORDERWEISSENBACH/FREISTADT. Wilhelm Patri ist mit Jahresende als Regionalmanager in Pension gegangen. Vor 25 Jahren hat sich der in Vorderweißenbach lebende Patri dazu entschieden, den Lehrerjob an den Nagel zu hängen, um sich der Regionalentwicklung zu widmen.

Tips: Warum kam es zur Entscheidung, den Lehrerjob zu verlassen und diese Herausforderung anzunehmen?
Wilhelm Patri: Es hat sich 1993 die Möglichkeit ergeben, an der Vorbereitung zum Beitritt zur EU mitzuarbeiten. Aus diesem Grund habe ich meinen bisherigen Job an der Hauptschule in Perg aufgegeben. Ich bin eingeladen worden, die Geschäftsführung und den Aufbau der Euregio, das heißt den Gemeindeverein im Mühlviertel mit den 120 Gemeinden gemeinsam mit Bayern und Südböhmen aufzubauen und zu entwickeln. Es hat sich für mich als eine sehr herausfordernde interessante und neue Perspektive dargestellt und ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut.
Tips: Was waren die Meilensteine, die spannendsten Projekte?
Patri: Die Meilensteine waren der Beitritt Österreichs zur EU, dann 2004 der Beitritt Tschechiens, die Auflösung der Schengen-Grenze, die Inanspruchnahme der europäischen Förderprogramme, wo wirklich im Mühlviertel und in der Grenzregion viele Projektinitiativen möglich waren. Es waren vielschichtige Herausforderungen. Für mich der subjektive, der beeindruckendste Moment war, als wir 2004 im Guglwald das Oberösterreich-Fest ausrichten durften für den Beitritt Tschechiens zur Europäischen Union.
Tips: Die Grenze zu Tschechien war ja irgendwann eine geschlossene Grenze. Wie war die Entwicklung der Region dann wirtschaftlich? Ich gehe davon aus, dass diese ein wesentlicher Bestandteil ihrer Tätigkeit war?
Patri: Es ist richtig! Wir haben hier in dieser Dreiländerregion in Bayern ein anderes politisches System, andere wirtschaftliche Strukturen. Wir haben zwar die gleiche Sprache, aber unterschiedliche Strukturen. Mit Tschechien ist es nochmal einige Grade schwieriger. Neben den sprachlichen und typografischen Barrieren haben wir auch Verwaltungsbarrieren. Es hat also die Verwaltung erst aufgebaut werden müssen und diese Unterschiede waren eigentlich eine wesentliche Challenge – sozusagen im Aufbau von Projekten, im Aufbau von Zusammenarbeitsmomenten. Wenn auf der persönlichen Ebene das Vertrauen da ist, da kann man die inhaltlichen Projektinitiativen weiter verfolgen. Dann die touristischen Highlights wie Weiterentwicklung, Kramolin, auf der tschechischen Seite den Lipno-Stausee mit seinem Angebot, Hochficht mit dem Angebot, Schöneben mit dem Langlaufangebot. Es hat sich da sehr vieles sozusagen ergeben im Zusammenwirken mit der bayrischen und tschechischen Seite in den letzten 25 Jahren.
Tips: Nach 25 Jahren mit dieser Tätigkeit in Pension zu gehen – wahrscheinlich mit Wehmut – was bleibt übrig? Wo soll die Reise weiter hingehen? Welche Ziele gibt es noch im Leben?
Patri: Ziele gibt es viele im Leben – zum Glück! Ich habe ein großes Netzwerk aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit. Ich habe viele Einladungen beziehungsweise auch viele Angebote, diesbezüglich Initiativen zu unterstützen. Wie gesagt, die vergangenen 25 Jahre waren von einer sehr interessanten Tätigkeit geprägt. Neben den persönlichen Interessen: vom Reisen über den Sport, werde ich sicherlich den einen oder anderen Projekten zur Verfügung stehen, die wir in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Ich werde auch die Euregio weiterhin zumindest die nächsten Jahre im Netzwerk der europäischen Grenzregionen auf europäischer Ebene, wo mehr als 70 Euregios zusammengeschlossen sind, vertreten dürfen. Das ist auch eine Aufgabe, die ich gerne wahrnehme. Außerdem werde ich mein Wissen zur Verfügung stellen, ausgehend von der Ausbildung, die ich in Dresden auf der Hochschule zum Regionalmanager gemacht habe.


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