Herausgeber aus Leidenschaft
WAIDHOFEN/THAYA. Harald Hitz ist seit 1991 Herausgeber der Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes. 21 Bücher sind bisher unter seiner Leitung erschienen. Die Themen sind vielfältig.von ERICH SCHACHERL

Als Harald Hitz die Funktion des Herausgebers der Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes (WHB) im Jahr 1991 übernahm, hatte er schon mehrere Bücher und Artikel veröffentlicht. Warum er den Posten übernahm, erklärt er so: „Ich bin ein Mensch, der zu vielem Ja sagt, weil ich an vielen Dingen interessiert bin.“Begonnen hat die Schriftenreihe 20 Jahre früher, als die damals Verantwortlichen des WHB beschlossen, Texte, die für die Veröffentlichung in der Vereinzeitschrift „Das Waldviertel“ zu umfangreich waren, in selbstständigen Publikationen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der erste Band der Schriftenreihe war übrigens das Buch „Geschichte der Marktgemeinde Großpertholz“ von Josef Koppensteiner.Thematische Schwerpunkte„Die erste Frage die ich mir gestellt habe war, welche Themen sind für das Waldviertel von Bedeutung“, erinnert er sich. Daraus entwickelten sich einige Schwerpunkte wie die Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte und des Antisemitismus im Waldviertel, die Naturwissenschaft der Region oder Personen von hier. Auch interessante Einzelthemen kamen dazu, beispielsweise der Band „Der Schatz im Keller. Zur Weinwirtschaft der Waldviertler Klöster“.Räuberhauptmann Johann Georg GraselGleich mit dem ersten von ihm publizierten Band 34 der Schriftenreihe, dem Buch „Johann Georg Grasel – Räuber ohne Grenzen“ war Hitz erfolgreich. „Bis heute ist das Buch der Bestseller der Schriftenreihe, wir haben drei Auflagen produziert und 7000 Stück verkauft. Das war ein gutes Gefühl und hat mich sehr gefreut“, erzählt er. Ein interessantes Detail am Rande: Harald Hitz hat in seinem Beitrag im Buch historisch deutlich dargestellt, dass Grasel ein brutaler Krimineller war, der auch vor Mord nicht zurückschreckte und Reiche wie Arme bestohl. Trotzdem wird er bis zum heutigen Tag im Waldviertel und darüber hinaus fälschlicherweise immer noch gerne als „Robin Hood des Waldviertels“ gesehen.Wirtschaft im WaldviertelSein persönlicher Favorit unter den Werken ist die 2006 erschienene „Wirtschaftsgeschichte des Waldviertels“. „Da ich selbst in Wirtschaftsgeschichte dissertiert habe, habe ich dazu einen besonderen Bezug“, klärt er auf. Das Buch ist ein Musterbeispiel für Geschichte auf dem letzten Stand der Wissenschaft, die Autoren vom Institut für Wirtschaftsgeschichte haben gute Arbeit geleistet. Harald Hitz: „Das Waldviertel kann sich rühmen, als eine von wenigen Regionen eine derart moderne Publikation zu besitzen.“Einige der publizierten Bücher fanden in der Öffentlichkeit großes Interesse und verhalfen dem WHB zu mehr Bekanntheit. Da ist vor allem das im Mai 1996 veröffentlichte Buch „Die Erinnerung tut zu weh. Jüdisches Leben und Antisemitismus im Waldviertel“ von Friedrich Polleroß zu nennen. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung dieses Werkes ist zu erwähnen, wie international politisch brisante Themen direkte Auswirkungen auf einen Verein wie den Waldviertler Heimatbund haben können. Im Zuge der Affäre Waldheim in den 1980er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Name „Heimatbund“ in manchen Kreisen der Öffentlichkeit fälschlicherweise dem politisch rechten Lager zugeordnet. Als bewusste Reaktion darauf veröffentlichten Harald Hitz und seine Vereinskollegen die Herausgabe oben genannten Buches.Eine passende NachfolgerinFür Hitz ist die Zeit des Rückzugs von seiner Funktion als Herausgeber gekommen. Er will in Zukunft mehr Zeit für seine Frau, Familie und Enkelkinder haben. Eine Nachfolgerin hat er mit der Historikerin Doris Gretzel aus Zwettl bereits gefunden, seit 2013 arbeiten die beiden zusammen. Die Arbeitsbereiche sind vielfältig, weiß Hitz zu erzählen: „Manuskripte lesen, richtig einschätzen, gegebenenfalls auch ablehnen gehört dazu. Die Gesamtkalkulation ist wichtig. Gespräche mit Druckereien sind ebenso dabei, wie Promotion und Werbung. Interessante Themen zu überlegen, mögliche Autoren kontaktieren und so weiter. Ja sogar das Entwerfen des Umschlags habe ich schon gemacht.“ Das alles wird ehrenamtlich erledigt, denn das verfügbare Budget für die Schriftenreihe ist für ein Honorar zu klein. Auch für Autoren gibt es übrigens kein Geld. Viel Idealismus steckt also auch noch in dem ganzen Projekt.
Nächste PublikationenDerzeit arbeiten Harald Hitz und Doris Gretzel an der Herausgabe des Bandes „Musik im Waldviertel. Beiträge zur Musikpflege in Eggenburg“ von Peter Erhart, der dieses Frühjahr erscheinen soll. Für den Herbst ist die Edition des Buches „Geschichte des Weinbaus in Langenlois“ geplant. 2016 soll Band vier der „Waldviertler Biographien“ erscheinen. Weitere Informationen zur Schriftenreihe finden sich unter www.daswaldviertel.at.


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