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WAIDHOFEN/THAYA. Vor mehr als zehn Jahren wurde das Projekt „Waidhofen.Sozial.Aktiv“ins Leben gerufen. Tips traf den Initiator Rudolf Polt zu einem Gespräch über die Erfolgsgeschichte einer Gruppe sozial engagierter Personen.
von ERICH SCHACHERL

Rudolf Polt hat die Initiative Waidhofen.Sozial.Aktiv gegründet. Foto: Schacher
  1 / 2   Rudolf Polt hat die Initiative Waidhofen.Sozial.Aktiv gegründet. Foto: Schacher

„Warum ich diese Initiative gegründet habe, war eigentlich ein Zufall“, erinnert sich Rudolf Polt, Gründer von „Waidhofen.Sozial.Aktiv“ und beruflich als Stadtamtsdirektor von Waidhofen tätig. Es begann mit der Renovierung des Rathauses in den Jahren 2002 und 2003. Damit einher ging auch eine Umstrukturierung der Verwaltung. Und das Amtshaus sollte zu mehr werden, als einem reinen Verwaltungssitz. „Für mich als Stadtamtsdirektor war auch wichtig, das denkmalgeschützte Haus im Zentrum der Stadt noch einem anderen Zweck zu geben, nämlich es zu öffnen. Es sollte ein Haus der Begegnung werden“, lässt Polt wissen. Die Idee reifte heran, wurde konkreter und war schließlich klar: mit Ausstellungen angesehener Künstler, gesponsert von Vertretern der heimischen Wirtschaft, sollte das Rathaus zu einem Ort der Kunst und Kultur verwandelt werden.

„Vom Projekt Waidhofen.Sozial.Aktiv war damals noch keine Rede“, erzählt Rudolf Polt weiter. Das geschah erst durch den tragischen Fall zweier junger Männer, die sich nach einem Autounfall querschnittsgelähmt in einer völlig neuen Lebenssituation befanden. Sie wandten sich an die Stadtgemeinde um finanzielle Hilfe. Als Polt davon erfuhr, liefen die Vorbereitungen zur zweiten Ausstellung im Rathaus, die mit dem international renommierten österreichischen Künstler Arik Brauer geplant war. „Das war die eigentliche Initialzündung für Waidhofen.Sozial.Aktiv. Ich habe mir gedacht, es wäre nett, wenn man die Idee mit den Künstlern nutzen würde, um auch einen sozialen Aspekt reinzubringen.“ Gedacht und getan. Da die Stadtgemeinde den zwei Betroffenen mangels sozialem Budget nicht helfen konnte, wurde die Ausstellung gleich im sozialen Sinne genutzt. Ein voller Erfolg.

Auf Arik Brauer im April 2004 folgten Ernst Fuchs im November 2006 und Gustav Peichl im November 2008. „Man kann natürlich nicht jedes Jahr so einen großen Künstler haben“, klärt Polt auf, „deshalb haben wir beschlossen, Ausstellungen alle zwei Jahre zu veranstalten.“

Außerdem bieten sich noch zahlreiche andere Möglichkeiten an. 2013 beispielsweise wurde mit dem Kabarettisten Klaus Eckel eine erfolgreiche Benefiz-Kabarettvorstellung im Stadtsaal organisiert. Im Jänner 2015 wurde ein ähnlicher Erfolg mit Thomas Stipsits wiederholt. Erinnert sei auch an die Nacht der Menschlichkeit am 13. Oktober 2012, eine gemeinsame Benefizveranstaltung mit der Big Band Waidhofen.

Nicht zu vergessen ist das seit Mai 2003 organisierte Maibaumaufstellen, die erfolgreiche Verbindung eines traditionellen Festes mit dem sozialen Gedanken. „Ich hab“ mir gedacht, es wäre eine schöne Sache, wenn wir diese Tradition in Waidhofen am Hauptplatz umsetzten könnten“, erinnert sich Polt. Neben dem Team von Waidhofen.Sozial.Aktiv helfen bei diesem Fest zahlreiche Mitarbeiter von der Feuerwehr, dem Roten Kreuz, dem Kameradschaftsbund und dem Waidhofner Bürgercorps mit.

Berechtigt stolz ist Rudolf Polt wenn er vom Team des Projekts spricht. Alle 24 Mitarbeiter der Verwaltung der Stadtgemeinde sind freiwillig dabei, aktiv, kreativ und engagiert. Eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam nachdenken, überlegen, Ideen einbringen und aktiv umsetzen. „Das ist das Schöne. Jeder bringt sich ein, jeder hat gute Ideen, alles wird demokratisch entschieden“, freut sich Polt und fährt fort: „Das hat dazu beigetragen, dass ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden ist. Die Arbeit funktioniert in diesem Kollektiv ganz, ganz toll. Darauf bin ich wirklich stolz.“ Davon profitieren vermutlich nicht nur jene, die konkret finanzielle Hilfe erhalten, sondern auch die Menschen, die im Alltag die Arbeit der Gemeindeverwalter brauchen. Wer die Spenden erhält, wird wie alles andere auch im Kollektiv überlegt und entschieden, ganz dem Motto „Gemeinsam für Waidhofen, gemeinsam für unsere Mitmenschen und gemeinsam für all jene, die Hilfe benötigen“. Geholfen wurde Privatpersonen ebenso wie karitativen Einrichtungen, die bisherige Spendensumme beträgt zirka 47.000 Euro. Für 2015 ist das Maibaumaufstellen fix, außerdem wieder ein Benefiz-Kabarett im Herbst.


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