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Leserartikel Online Redaktion, 17.11.2016 08:08

WAIDHOFEN/THAYA. Kräuterexpertin Eunike Grahofer hat ein neues Buch veröffentlicht. Unter dem Titel „Die Hechals“ schreibt sie über Brauchtum, altes Handwerk und Rezepte aus dem Mostviertel.  Alles dreht sich um die Familie Frühwald, die seit vielen Generationen am Höhenberghof bei Reinsberg (Bezirk Scheibbs) lebt und ihn bewirtschaftet.
von ERICH SCHACHERL

„Ein echtes Sammelwerk an Geschichten, Anekdoten und Rezepten. Ein Wegweiser durch ein Jahr voller Bräuche und eine Zeitreise durch das menschliche Handwerk“, nennt Martin Lammerhuber sehr treffend das neue Buch der Waidhofner Kräuterexpertin Eunike Grahofer mit dem Titel „Die Hechals – Brauchtum, altes Handwerk und Rezepte aus dem Mostviertel“ in seinem Vorwort.  Die Autorin hat viele Stunden bei der Familie Frühwald am Höhenberg verbracht und Geschichten aus vergangenen Tagen gehört (siehe Interview). Daraus ist schließlich das Buch geworden.

Viel Inhalt

Der gesamte Inhalt macht knapp 260 Seiten aus, gegliedert in neun Kapitel. Das Buch beginnt mit Brauchtum, gefolgt von Geschichten aus dem Leben, dann kommt Handwerk. In der Buchmitte sind 31 Seiten Bildtafeln zu finden. Danach erzählt der Hof Höhenberg auf knapp 60 Seiten seine Geschichte. Most und Mostbarone füllen das fünfte Kapitel, Natur- und Wetterphänomene folgen. Die letzten 50 Buchseiten sind gefüllt mit Hausmittel mit Rezepturen und abschließend Kochrezepte.

Geschichte und Geschichten

Wer sich für alte Mostviertler Bräuche interessiert, für den kann das vorliegende Werk eine echte Fundgrube sein. Es geht los mit Ostern und heiligen Eiern gegen Unwetter, Hühner „einhagern“, geweihte Äpfel, der Maibaum, Pfingstblasen, Sonnwend-Strauben oder die Sampermilch, um nur einige der Bräuche zu nennen.

In den Geschichten aus dem Leben erinnert sich Johann Frühwald an unterschiedlichste Erlebnisse aus seiner Lebenszeit. Er erzählt von einer durchsetzungskräftigen Waschelmacherin, von der mystischen Tannenschachgrub, vom Laufer, einer versteckten Kuh oder Eisblöcken für den Gasthofkeller.

Im Kapitel Handwerk erfährt der Leser vom Waschelmachen, Reibermachen, Besenbinden, Korbflechten und Bürstenmachen.

Die alten und neuen Fotografien im Bildteil in der Buchmitte geben vielen der Geschichten ein Aussehen.

Wenn der Hof Höhenberg seine Geschichte erzählt, taucht der Leser in besondere Ereignisse eines Zeitraums vom mehreren Jahrhunderten ein, die Johann Frühwald erlebt hat beziehungsweise, die ihm erzählt wurden.

Im Kapitel „Von Most und Mostbaronen“ steht das alkoholische Getränk im Mittelpunkt. Bemerkenswert: Bereits im Jahr 1613 bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Höhenberghofes wurde Most gemacht und getrunken!

Schließlich finden sich noch drei Geschichten im Kapitel „Natur- und Wetterphänomene“: Vom Beobachten der Natur, das gefürchtete „Biesmandl“ und der Kugelblitz.

Einfache Küche und Hausmittel

29 alte und einfache Kochrezepte hat Eunike Grahofer für das Buch ausgewählt. Vieles ist bekannt wie Erdäpfelsterz, Brotsuppe oder Milchsuppe, manches weniger bis unbekannt, etwa der Eichelkaffe, Krenblätter für Schafkäse, Läuterkoch oder Mostpudding. Ähnliches gilt für das Kapitel Hausmittel mit Rezepturen. Die Arnikasalbe als Allheilmittel, fiebersenkende Essigpatscherl oder desinfizierendes, ziehendes  Lärchenpech, davon hat heutzutage wohl schon jeder gehört. Aber wer weiß von einem Absud aus sechs verschiedenen Rinden, die bei Muskel- und Gelenksproblemen gut hilft? Oder von „Mostschatoo“ zur Stärkung der Frau nach der Geburt?

Eunike Grahofer hat mit vorliegendem Buch ein weiteres Mal einen für die Volkskultur wertvollen Beitrag geleistet, indem sie altes Wissen, Brauchtum und Überlieferungen einer speziellen Region des Mostviertels vor dem möglichen Vergessen bewahrt hat. Das Buch „Die Hechals – Brauchtum, altes Handwerk und Rezepte aus dem Mostviertel“ ist im Freya Verlag erschienen.


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