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WAIZENKIRCHEN. Immer und immer wieder hallten die Worte in den Gedanken von Herbert Lehner wider. Diagnose: Krebs. Wie einen Schlag ins Gesicht traf diese Erkenntnis den 43-Jährigen im vergangenen Jahr. Er rechnete mit dem Schlimmsten. Wie der Waizenkirchner trotz allem wieder Mut fasste, sich seinen Traum verwirklichte und vor allem seinen Humor nicht verlor, erzählt er im Gespräch mit Tips.

Der Waizenkirchner sieben Monate nach seiner letzten Chemotherapie.
  1 / 2   Der Waizenkirchner sieben Monate nach seiner letzten Chemotherapie.

Ein geschwollener Hals. Eine Verkühlung, nichts Schlimmes, dachte sich Herbert Lehner bis die Schmerzen unerträglich wurden. Antibiotika sollten helfen. Vorerst. Bis einige Monate später stechende Kopfschmerzen einen weiteren Arztbesuch unumgänglich machten. Nach mehreren Untersuchungen im Krankenhaus die erschütternde ­Diagnose: Plattenepithelkarzinom, ein golfballgroßer Tumor hinter der Nase. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. „Ich hörte kaum noch etwas, sah alles doppelt“, schildert der Waizenkirchner. Am 7. Jänner vorigen Jahres startete die Therapie und damit begann für den 43-Jährigen ein Behandlungsmarathon, dessen Nachwirkungen sein Leben bis heute prägen.

Die Therapie

Mit der Krebstherapie begann für Herbert Lehner gefühlsmäßig eine Achterbahnfahrt durch die Hölle von „Megakampf“, Panikattacken und dem kompletten Verlust seines Geschmackssinnes, beschreibt der Waizenkirchner die Erlebnisse seines fünfwöchigen Krankenhausaufenthaltes. „Ich wusste nicht, dass ich Klaustrophobie habe“, erzählt Lehner und spielt dabei auf seine erste, unsanfte Begegnung mit der Strahlenmaske an. „Das ist so ein Kunststoffgewebe, stinkt penetrant und schaut hässlich aus. Das wird einem über das Gesicht gelegt, dann muss man ruhig liegen bis es ausgehärtet ist. Ich bekam aber innerhalb zwei Sekunden Schweißausbrüche und Panikattacken. Irgendwie haben wir es dann hinbekommen, dass sie die Maske angepasst haben. Das ist ein Thema, das verdränge ich“, meint der Waizenkirchner. Dann folgten innerhalb fünf Wochen 35 Nuklearbestrahlungen zu je elf Minuten. „Nach der ersten Woche, den ersten fünf bis sechs Bestrahlungen, habe ich noch gelacht. Ich habe mir gedacht, wenn das nicht schlimmer ist, das biegen wir rum. Aber bei der nächsten Bestrahlung, fing es an: ich bekam Hautreizungen und Schluckbeschwerden. Der Geschmackssinn war weg“.Bier und Kaffee seien das Einzige was der 43-Jährige heute noch schmecke, alles andere sei bitter. „Jetzt trinke ich eben schon öfter mal ein Bier“, meint Lehner schmunzelnd.

Seinen Geschmackssinn muss er erst wieder trainieren. „Ich stelle mir Lebensmittel hin und rieche daran, damit sich das Gehirn an den Geschmack erinnert. Ich muss eine Verknüpfungsarbeit im Kopf machen“. Die Chemotherapie sei für ihn nicht so schlimm gewesen – dafür die Bestrahlungen. Dabei spüre man zwar nichts, aber die anschließenden Schmerzen seien fast unerträglich. „Jeder Atemzug und jedes Schlucken tat weh. Man realisiert ja gar nicht wie oft man am Tag schluckt“, meint Lehner. „Ich hatte auch Zeiten dabei, da tat ich mir schwer mit Reden, weil alles trocken und geschwollen war. Und an der Haut hatte ich schwerste Verbrennungen“, erzählt der Waizenkirchner, dem schließlich eine Magensonde half lebensnotwendige Nahrung zu sich zu nehmen. „Ich habe am Tag nur ein oder zwei Stamperl an Flüssigkeit geschafft“.

Auch Essen ging für den 43-Jährigen nicht mehr. Er verlor ein Drittel seines Gewichts und so wog er am Ende seiner Therapie von anfänglich 95 Kilogramm nur noch 62,5. „Ich hatte eine Zeit, da wollte ich einfach nicht mehr. Weil ich gemerkt habe, es wird nicht besser, es wird schlechter. Man geht von Versprechungen der Ärzte aus, dass es in zwei bis drei Wochen besser werden soll aber dann vergehen Wochen, vergehen Monate und es wird nichts anders“.

Wieder Mut fassen

Den Lebensmut und auch seinen Sarkasmus, wie Herbert Lehner meint, habe er aber trotz seiner Krankheit nie verloren und das sei wohl auch einer der Gründe warum er heute wieder mit neuer Kraft durchs Leben geht. Natürlich könne man nie sagen ob er den Krebs endgültig besiegt hat aber es sei aktuell keine aktive Krebszelle da. Für Herbert Lehner war es einfach zu früh um aufzugeben, deshalb hat er sich entschlossen zu kämpfen. Seit April 2015 ist der Waizenkirchner selbstständig, tourt mit seinem Smoker durch Österreich und Deutschland und verwöhnt die Menschen mit gegrillten und geräucherten Köstlichkeiten. Schon früher liebte er es, als Grillmeister seine Freunde zu bewirten, nun hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

„Das ist mein Baby. Dafür tue ich das jetzt. Nicht mal für irgendwen anderen. Nicht mal für mich selber. Meine Idee hat gefruchtet und die kann ich so nicht im Stich lassen. Das war für mich der Antrieb und ist es nach wie vor“, sagt Lehner, der in der schwersten Zeit seines Lebens auf den Rückhalt seiner Frau Sabine, seiner Familie, von Mitarbeitern und Freunden zählen konnte. „Es war wirklich jeder für mich da“.


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