Mit dem "Präsi" die Golatsche geteilt
WALDBURG. Die Polizei, das Motorradfahren und die Musik sind drei Fixpunkte im Leben von Gerhard Haag. Der Waldburger ist nach exakt 42 Jahren als Oberst der Polizei in den Ruhestand gegangen. Tips-Redakteurin Claudia Greindl bat den Jungpensionisten zum Gespräch.

Eine Laufbahn bei der Exkutive war dem gebürtigen Hirschbacher, Jahrgang 1954, keineswegs in die Wiege gelegt. „Ich bin im heutigen Bauernmöbelmuseum in einer Mietwohnung aufgewachsen“, blickt Gerhard Haag zurück. 1966 übersiedelte seine Familie ins neu gebaute Haus nach Waldburg. Nach der Matura stellte sich die Frage nach der Berufswahl. Nach kurzen „Zwischenstopps“ auf der Pädak und bei der Post brachte Gerhard Haag ein Kollege auf den Gedanken, die Berufsoffizierslaufbahn einzuschlagen. „Nachdem ich leider für die Fliegerei zu schlecht gesehen habe, hat es mich zur Gendarmerie verschlagen“, schmunzelt der Waldburger beim Gespräch in der lauschigen, mit Weintrauben überwucherten Laube.
Die Liebe in Neumarkt gefunden
Vorerst verrichtete er auf den Gendarmerieposten Neumarkt und Gutau Dienst. „In Neumarkt habe ich meine spätere Frau Antje kennengelernt.“ 1983 wurde Hochzeit gefeiert, das Paar hat einen Sohn. Mit Haags Karriere bei der Exekutive ging es dann steil bergauf: Nach der Offiziersausbildung in Mödling trat er als Oberleutnant 1983 seinen Dienst als stellvertretender Kommandant beim Landesgendarmeriekommando an. Ab 1986 stand er der Verkehrsabteilung neun Jahre lang als stellvertretender Kommandant vor. Von 1994 bis 2001 fand er als Bezirksgendarmeriekommandant von Freistadt eine neue Herausforderung, um im Juli 2001 als Kommandant zur Vekehrsabteilung zurückzukehren. Diese leitete er bis zur Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei im Jahr 2005 und war seither zweiter stellvertretender Kommandant.
Bei Staatsbesuchen im Einsatz
„Der Verkehr hat mich immer schon sehr interessiert, vor allem die Möglichkeit, auf die Verkehrssicherheit einzuwirken“, beschreibt der Oberst in Ruhe seine Motivation. Doch nicht nur Verkehrsüberwachung, sondern auch Verkehrseinsätze bei Anlässen wie Radrennen oder Staatsbesuchen standen auf Haags Tagesordnung. „Für viele Mitglieder der Bundesregierung, mehrere Bundespräsidenten und zahlreiche ausländische Staatsgäste haben wir Lotsungen durchgeführt.“ Kurt Waldheim, Thomas Klestil oder Heinz Fischer vertrauten auf Haags Fähigkeiten, die Präsidenten damals noch ohne „Navi“ zur rechten Zeit an den rechten Ort zu bringen.
Fischer durch Rettungsgasse gelotst
Eine dieser Lotsungen hat dereinst für einen medialen Aufruhr gesorgt: „Wir mussten Bundespräsident Fischer mitten durch den größten Stau in Linz zu einem Termin bringen – die Rettungsgasse zu benützen war die einzige Möglichkeit, Fischer pünktlich und ohne im Stau zu stecken abzuliefern“, was schließlich auch gelang, jedoch von einigen Medien als Missbrauch der Rettungsgasse skandalisiert wurde. Für Haag blieb die Episode folgenlos. An den Kontakt mit Heinz Fischer denkt er gerne zurück: „Er hat in einem Rasthaus mit mir seine Topfengolatsche geteilt“, erinnert sich der Waldburger.
Mit Lech Walesa beim Deim
Auch ausländische Staatsgäste wie Erich Honecker und Lech Walesa geleitete Gerhard Haag sicher zu den Landesgrenzen. „Lech Walesa kehrte in Freistadt sogar noch beim Deim ein, bevor wir ihn in Wullowitz den tschechischen Kollegen übergeben haben.“ Kurios in Erinnerung geblieben ist ihm die Lotsung eines chinesischen Politikers mit eigenem Chauffeur. „Der fragte, warum in Österreich Hund oder Katze nicht auf der Speisekarte stehen.“
Musik hat Pause
Wenn der Beruf ihm Zeit ließ, waren Klarinette und Saxofon Haags musikalische Begleiter. Seit 1968 gehört er der Trachtenmusikkapelle Waldburg an, 20 Jahre lang spielte er auch im Freistädter Tanzorchester, einer Big Band. Gesundheitsbedingt hat er der Musik derzeit jedoch eine Pause verordnet. Haags Leidenschaft für das Motorradfahren ist allerdings so lebendig wie je zuvor: Dienstlich hat er diese zu Schulungszwecken ausgelebt, als jahrzentelanger Leiter der Kraftfahrsektion im Landespolizeisportverein organisiert er immer wieder Motorrad-ausfahrten und nimmt, oft mit seiner Frau, an internationalen Polizeisternfahrten teil. „Die von meinem Mann organisierten Ausfahrten in Österreich oder in ein Nachbarland sind deshalb so beliebt, weil sie auf Routen führen, die keiner kennt, und weil Gerhard sie akribisch plant, immer gute Hotels aussucht. Und natürlich ist die Sicherheit wie immer ein großes Thema“, sagt Antje Haag.


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