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WARTBERG/TAGANROG. Herbert Zachls jüngste Russlandreise bestand neben einer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn auch aus einem Besuch in jener Stadt, in der die letzte Ruhestätte seines Vaters liegt. Bei seinen Reisen in das vielschichtige Land hat der gebürtige Wartberger mittlerweile viele Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen.

Herbert Zachl (l.) ist in Südrussland kein Unbekannter mehr – bei einem seiner letzten Besuche stellte sich in einem Museum ein lokales Fernsehteam ein. Foto: Zachl

Taganrog ist der Name einer in unseren Breiten wenig bekannten, rund 260.000 Einwohner zählenden Stadt am Asowschen Meer – nicht weit entfernt von der Halbinsel Krim. Für den Wartberger Herbert Zachl wurde Taganrog zu so etwas wie einem „Schicksalsort“, verstarb doch dort sein Vater im Jahr 1945 in einem Gefangenenlager des Stalin-Regimes.

Von Rumänien nach Südrussland

Bis Zachl zum Wissen über das tatsächliche Schicksal seines Vaters kam, brauchte es viele Jahre der Ungewissheit. „Mein Vater war 1943 – also am Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs – für den Kriegsdienst zwangsverpflichtet und nach Rumänien geschickt worden. Dort wurde er als Teil der deutschen Besatzung im Jahr 1944 gefangengenommen und an das stalinistische Russland übergeben“, erzählt Zachl. Endpunkt der Gefangenschaft: das südrussische Taganrog.

Lange Ungewissheit

„Wir haben erst im Jahr 1993 den definitiven Bescheid vom Ludwig-Boltzmann-Institut in Graz über das Schicksal des Vaters erhalten und erfahren, dass er in Taganrog in Gefangenschaft gestorben ist“, so Zachl, der nach einigem Hin und Her schließlich nach Russland reisen durfte. Dort begann er mit seinen Nachforschungen nach dem genauen Todesort und der letzten Ruhestätte des Vaters.

Bald fand er mithilfe einiger Persönlichkeiten aus Taganrog den Ort des Massengrabs mit den Überresten seines Vaters. In den folgenden Jahren fuhr Zachl immer wieder in die Stadt und bewerkstelligte unter anderem, dass ein Holzkreuz und später auch ein Marmorgrab für seinen Vater am örtlichen Friedhof errichtet wurden. Die Einweihung für dieses Grab wurde zu einer großen Feierlichkeit – auch der Singkreis Windischgarsten begleitete Zachl dafür und stimmte seine Weisen in Taganrog an.

Neue Bekanntschaften

In Russland ist die Geschichte der stalinschen Lager bis heute unter einem Mantel des Schweigens begraben – Herbert Zachl hat das nicht daran gehindert, für seinen Vater eine würdige Ruhestätte zu finden und sein Schicksal genau zu erforschen.

In der Region ist er deshalb kein Unbekannter mehr, mehrere Medienberichte trugen zur Bekanntheit der berührenden Geschichte bei. Bei Zachls letztem Besuch in einem Museum in Taganrog stellte sich rasch ein lokales Fernseh-Team ein. Bei einem Vortrag in einer Schule lernte Zachl außerdem einmal eine Familie aus der Region kennen, für deren Kinder er gerne Pate werden würde.


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