Wirt mit Ecken und Kanten sowie mit einer großen Tafel
WELS. Um das Wirt-Gen zu entschlüsseln, genügt eine Haarprobe von Thomas Hübl, dem Patron der „Haiderstuben“ in der Fabrikstraße. Der 56-Jährige liebt seinen Job und steht für klare Ansagen, auch auf seiner Schiefertafel vor dem Lokal.

Es ist 15 Uhr. Termin beim Hübl. Ein lautes „Guten Morgen“ schallt durch den Gastraum, wie der Schreibknecht eintritt. Danach folgt ein lauter Lacher und ein Grinsen. Herr Hübl begrüßt so seine Gäste: „Zu 96,5 Prozent habe ich Stammgäste. Die sind das gewöhnt.“ Dazu gehört eben auch die Schiefertafel mit Sprüchen wie „Essen Sie bei uns, sonst verhungern wir beide“ und auch mehr. Seit gut 40 Jahren ist er im Geschäft: „Es hat mir immer Spaß gemacht und es macht mir auch heute noch Spaß.“ Das Raucherthema, Registrierkasse, Verordnungen aller Art: „Es muss aber eine klare Regelung sein und nicht immer so Wischi-Waschi. Ich glaube, jeder Wirt sollte selbst seine Entscheidung treffen. Genauso wie der Gast seine Entscheidung trifft, wo er hineingeht.“
Speziell gefüllte Vögel
Der Meister der speziell gefüllten Vögel – die Enten sind legendär – bietet Hausmannskost und gutes Gösser Bier und Weine aller Art: „Wir haben immer wieder unsere Specials wie Muscheln“, sagt der 56-Jährige. Begonnen hat er eben als Koch- und Kellner-Lehrling: „Es hat keinen Wirt in der Familie gegeben. Mir hat das immer Spaß gemacht.“ Es folgten Saisonen am Wolfgangsee oder in Tirol, bevor er wieder in Wels anheuerte. Sei es im Kreuzbeisl oder beim Haugeneder Hübl – er war mit seinen Ideen und seinem Charme mit dabei. Was hat sich nun in den gut 40 Jahren geändert: „Die Leute gehen später fort und gehen später heim. Es ist schwer zu planen. Es wird sicher auch mehr Antialkoholisches getrunken. Für einen Wirt, der auch noch Pacht zahlen muss, wird es immer schwieriger.“ Auch die Personalsuche wird nicht leichter: „Ich habe jetzt ein Jahr lang gesucht. Am Ende bin ich mit meinen zwei neuen Damen sehr glücklich“, lacht Hübl. Dann tönt es wieder „Guten Morgen!“ – der nächste Stammgast kommt.


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