Lokalaugenschein: Unterwegs mit dem Welser Abendbus
WELS. Es ist viel los auf der Busdrehscheibe am Kaiser Josef Platz an einem Freitagabend um 20 Uhr. Die einen wollen zum Tanzkurs, andere hängen nur rum. Mittendrin stehen die Busse und warten auf Kundschaft. Dazu kommen ein Verkehrs-Stadtrat, ein Linie-Wels-Geschäftsführer und ein Tips-Redakteur.

20 Uhr auf der Busdrehscheibe. Die Ordnungswache dreht im Auto ihre Runden. Autofahrer suchen Parkplätze. Dazwischen stehen die Gelenksbusse. Warum fahren jetzt die langen Fahrzeuge: „Das ist der letzte Turnus des alten Fahrplanes. Der Abendbus wird nur mit den kurzen Bussen gefahren“, klärt Wolfgang Stöttinger, Geschäftsführer Linie Wels, auf. Seit September 2017 existiert das Angebot. Für die Eww und die Linie Wels war die Annahme im doppelten Sinn eine Überraschung: „Im ersten Jahr rechneten wir mit 30.000 Fahrgästen. Es waren doppelt so viele. Damit haben wir nicht unbedingt gerechnet“, zeigt sich Stöttinger zufrieden. Die vier Abendlinien werden gut angenommen. Wobei es auch hier zu Unterschieden kommt. Von Montag bis Mittwoch ist die Frequenz niedrig, dann steigert sich alles. Ebenso ist es bei den Linien in Richtung Starmovie und Neustadt: „Zum Star Movie aber auch in die Neustadt wird mehr gefahren. Die Linie Industriegebiet und Pernau ist eher wenig befahren“, meint Stöttinger.
„Im ersten Jahr rechneten wir mit 30.000 Fahr-gästen. Es waren doppelt so viele“ Wolfgang Stöttinger
Das deckt sich auch mit den Beobachtungen von Verkehrsreferent Klaus Hoflehner: „Die Rückmeldungen sind äußerst positiv. Auch von meinen eigenen Kindern. Die nutzen eben die Linie zum Kino vermehrt. Das Angebot wird gut angenommen. Es ist den Bedürfnissen der Welser angepasst“, ist der SP-Politiker überzeugt.
Voller Bus
Einsteigen in die Linie Lichtenegg. Der Bus ist voll. Die Menschen fahren von der Arbeit nachhause. Zwei junge Damen gehören zu den wenigen, die keinen Knopf im Ohr haben: „Wir müssen nachhause von der Arbeit. Das Angebot ist toll. So muss uns keiner abholen oder wir mit dem Auto fahren“. Ebenso sprechen andere. Man spart sich einen Fußmarsch, ein Taxi oder die Fahrt mit dem Auto oder Rad. Routiniert wird mit den Tickets hantiert. Alle Altersklassen sind im ersten Abendbus vertreten. Eine Damengruppe steigt ein. Wenig überraschend ist beim Star Movie Endstation. Der Bus wird immer leerer. Da bleibt Zeit zum Reden über die Zukunft. Es wird investiert in die Busflotte. 14 neue werden angeschafft in den nächsten Jahren. In die Haltestellen wird ebenfalls Geld gesteckt. Das Ein- und Aussteigen soll leichter werden. Bei der Busdrehscheibe kommen digitale Echtzeittafeln. Man ist am Tüfteln, dass auch alles passt. Was bleiben wird, ist der 15 Minuten Takt am Tag: „Das ist das beste Service für die Welser Bevölkerung. Die Kosten sind die gleichen wie bei einem 20 Minuten Takt“. Angekommen wieder am KJ.
Es ist laut. Jugendliche müssen sich anschreien. Kein Wunder, wenn die Kopfhörer im Ohr stecken, da ist eine Kommunikation mit dem Gegenüber nur laut möglich. Probleme oder Übergriffe gibt es keine: „Am Anfang ist auch immer wieder Security mitgefahren und hat geschaut“. Ein Busfahrer drückt es pragmatisch aus: „Wenn einer etwas anstellen will, macht er auch am Vormittag. Es ist ihm egal“. Unterschiede zwischen den Tag- oder Abendfahrten sieht er keine.
Müll
Auffallend ist eben die Lautstärke, aber auch der Mist. Die Kübel auf der Busdrehscheibe sind wohl für einige nur ein Vorschlag. Das stört auch andere vor allem Jugendliche, die die Busse benützen. Der KJ ist schon dreckig, meinen einige. Sie sind auf jeden Fall froh, so von A nach B in der Stadt zu kommen. Da lässt sich dann mit der Freundin noch ein bisschen ungestört Zeit verbringen. Um 22.30 Uhr ist dann Schluss und es geht ab in das Zentrum. Der Abendbus hat seine Runden gedreht.


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