Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

WELS. Die Abonnementkonzerte befinden sich in der 20. Saison. Grund genug, sich mit Intendant Helmut Schmidinger zu unterhalten. Er spricht über das Jahresthema Utopie, den Traum von ausverkauften Konzerten und den Wunsch, junge Künstler, aber auch Besucher zu unterstützen. Es geht aber auch um die Publikumsentwicklung, Gratisbesuch und das Programm.

Helmut Schmidinger (Foto: Sontacchi)
Helmut Schmidinger (Foto: Sontacchi)

Tips:Herr Intendant, zuerst einmal Gratulation zur 20. Saison der Abonnementkonzerte. Auf welches Programm dürfen sich die Besucher freuen?

Schmidinger: Auf ein utopisches (lacht). Die Welser Abonnementkonzerte bieten ein „komponiertes“ Programm, das von der zeitgenössischen Kammermusik bis zur klassischen Kammermusik reicht, von Orchesterkonzerten bis zu unserer jüngsten Reihe „JEUX“ mit Musik zwischen allen stilistischen Stühlen. Bei den Orchesterkonzerten, wo heuer das Tonkünstler Orchester Niederösterreich sein Wels-Debüt feiert, haben wir in dieser Saison als Novität ein eigenes Abonnement „Für Genießer“ aufgelegt und eines „Für Neugierige“, um dem Profil der Welser Abonnementkonzerte treu zu bleiben, neben den Hits des klassisch-romantischen Repertoires auch weniger oft gehörten Werken unserer Zeit ihren Platz zu bieten. Die vielen Gespräche in den Konzertpausen – das ist sozusagen die inoffizielle Sprechstunde des Intendanten – bestätigen dieses Profil, weil immer mehr Besucher diese besondere, dramaturgisch schlüssige Kombination von alt und neu zu schätzen wissen.

Tips:Der Übertitel Utopia ist etwas ungewöhnlich. Oder ist Musik immer utopisch?

Schmidinger: Musik hat ein unglaubliches utopisches Potential, das eine große Kraft hat und in die Zukunft blickt. Ich persönlich finde es gerade bei Jubiläen ganz wichtig, den Blick nach vorne zu richten. Der im Programmheft wohl sichtbarste Blick in die Zukunft ist unsere neu gestartete Kooperation mit dem „Internationalen Busoni Klavierwettbewerb“. Zum Zeitpunkt der Drucklegung war weder der oder die Preisträgerin noch das Konzertprogramm bekannt. Mittlerweile ist dieses Geheimnis gelüftet und wir freuen uns sehr auf das einzige Österreichkonzert des neu gekürten Preisträgers Arsenii Mun, der mit einem hoch virtuosen Programm nach Wels kommen wird. Wichtig ist mir noch zu erwähnen, dass auch die sogenannten klassischen Werke dieser Saison voll Utopien stecken: Haydn lässt seine „Sinfonie mit dem Paukenwirbel“ mit einer Solokadenz der Pauke eröffnen – damals unerhört. Der Klarinettist der Uraufführung von Mozarts Klarinettenquintett hat sich sein Instrument umbauen lassen, um Mozarts Werk aus der Taufe heben zu können. Interpretiert wird dieses Stück übrigens vom Welser Klarinettisten Gregor Hinterreiter, der mittlerweile Mitglied der Wiener Philharmoniker ist.

Tips:Preludio al Concerto bietet jungen regionalen Künstlern ein Podium. Was gibt es in dieser Saison?

Schmidinger:Das Format „Preludio al Concerto“ ist seit Beginn eine Erfolgsgeschichte. Junge Künstler, die in einem engen Verhältnis zur Landesmusikschule Wels stehen, präsentieren ihr Können. Es freut mich als Intendant ganz besonders, wenn bereits die jungen Künstler in der Wahl ihres Programmes auf das folgende Konzert Bezug nehmen. Diese Fähigkeit, dramaturgisch schlüssige Programme zu „komponieren“, wird auch später im Profibetrieb immer mehr erwartet. Beim ersten Konzert dieser Saison hatten wir – passend zur zeitgenössischen Reihe – sogar eine Uraufführung im Preludio, weil Niklas Keinberger dem Jubilar Ernst Ludwig Leitner eine eigene Hommage komponiert hat.

Tips:In der Vorsaison war der Eintritt zu den Konzerten grundsätzlich gratis. Einen gesicherten Sitzplatz konnte man vorab buchen. Hat sich an den Besucherzahlen etwas geändert?

Schmidinger:Die Besucherzahlen haben sich – was ich nach dem Abo-verkauf und den ersten Konzerten sagen kann – im Vergleich zu den Jahren davor deutlich verbessert. Und zwar sowohl was den Aboverkauf als auch was den Kartenverkauf an der Abendkassa betrifft. Und dieses Plus bei den Besuchern trägt auch zu einer spürbaren Verbesserung der Stimmung im Konzertsaal bei. Daher träume ich von der Utopie ausverkaufter Konzerte.

Tips:Wird das Publikum jetzt jünger oder bleibt es eher älter?

Schmidinger:Wenn die Prognosen stimmen würden, dass das Publikum immer älter wird, dann müsste es wohl schon ausgestorben sein. Meine Erfahrung zeigt mir, dass es offensichtlich Lebensphasen gibt, in denen es leichter ist, Konzerte zu besuchen und solche, in denen das weniger leicht möglich ist. Die Gründe dafür sind unterschiedlich und reichen von den Finanzen bis zur Kinder- und Babysitterlogistik. Daher verwundert und besorgt es mich nicht, wenn die Altersstruktur konstant „älter“ bleibt. Alleine beim preislich sensationellen Jugendabo-Angebot der Stadt wünschte ich mir mehr Nachfrage. Da ist noch Luft nach oben. Ein Tipp an alle, die gerne Gutes tun: Werden Sie Konzertpatin oder Konzertpate und laden Sie einen jungen Menschen auf einen Konzertbesuch ein.

Tips:Sprechen wir über die aktuelle Kultur-Situation in Wels. Als langjähriger Kenner der Szene Ihr Urteil?

Schmidinger: Ich finde, Kunst ist immer auch Dialog … und davon kann es (fast) nie genug geben.

Alle Informationen zum Programm und den Abomöglichkeiten unter www.welserabonnementkonzerte.at

Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden