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Weltfrauentag: Sattledterin gibt als erste Frau in der Jungbauernschaft OÖ den Ton an

Mag. Ingrid Oberndorfer, 03.03.2026 19:00

SATTLEDT/GUNSKIRCHEN. Die oberösterreichische Jungbauernschaft steht seit März 2025 erstmals unter weiblicher Führung. Marlene Neuwirth ist die Obfrau der Jugendorganisation des OÖ Bauernbundes und setzt sich für die Anliegen nicht nur der jungen Leute in der Landwirtschaft ein. Ganz nebenbei arbeitet die gebürtige Gunskirchnerin bei Landtechnik Pöttinger und hilft am Hof ihres Freundes mit.

  1 / 6   Marlene Neuwirth ist die erste Obfrau der Oberösterreichischen Jungbauernschaft. Die 26-jährige Sattledterin bringt neben diesem Ehrenamt aber auch noch Job, Landwirtschaft und Hobbys unter einen Hut (Foto: Neuwirth)

Das Rüstzeug dafür hat Neuwirth am elterlichen Hof bekommen. „Wir haben einen Ackerbaubetrieb mit Direktvermarktung und schon als Kinder mitgeholfen“, erzählt die 26-Jährige. Die Begeisterung für die Landwirtschaft sei schon immer da gewesen. Weil allerdings ihr Bruder den Hof übernimmt, studierte Neuwirth Marketing und ist heute in diesem Bereich tätig.

„Bin Schweine-Hebamme“

Den Landwirtschaftlichen Facharbeiter wollte Neuwirth aber trotzdem machen – was ihr jetzt besonders zugutekommt, weil sie sich in einen Landwirt verliebt hat. Österreichs bester Pflüger, Sebastian Deixler-Wimmer, ist der Glückliche und auf seinem Schweinezuchtbetrieb in Sattledt packt Neuwirth jetzt kräftig mit an. „Das ist sehr cool, weil als Kind wollte ich immer Hebamme werden. Jetzt bin ich halt Schweine-Hebamme“, lacht Neuwirth.

Tierhaltung ist Neuland

Der Pflanzenbau hat sie schon daheim interessiert und auch jetzt beim Baumgartmair (so der Hofname) unterstützt sie ihn am Feld und im Wald. Die Tierhaltung hingegen ist neu für sie. „Bei der Stall- und Tierarbeit muss ich noch viel lernen. Aber den Viechern ist es wurscht, ob ich ein Bub oder ein Dirndl bin.“

Viele Betriebsführerinnen in Oberösterreich

Tatsächlich sind 40 Prozent der Betriebe in Oberösterreich unter weiblicher Führung. „Und man merkt auch, dass viele junge Dirndl anklopfen für die nächste Generation, die sehr landtechnisch interessiert sind“, freut sich Neuwirth.

Dass es manche junge Bäuerin nicht leicht hat und dass den Betriebsführerinnen einfach nicht so viel zugetraut wird, sei es von der Familie, in Zusammenarbeit mit Firmen oder natürlich auch in der Nachbarschaft, ist der Jungbauernobfrau bewusst. „Das Wichtigste ist: Man muss es sich selber zutrauen! Einen Hof zu übernehmen ist eine riesige Chance! Und wenn von außen Zweifel kommen: Wir können uns durchaus auch technisch beschäftigen und anpacken! Wir finden schon unsere Lösung, wenn uns die Kraft ausgeht“, ist die „Im-Herzen-Gunskirchnerin“ überzeugt.

„Vertrauen in sich selbst“

Dass Vertrauen in sich selbst wichtig ist, besonders für Frauen, weiß Neuwirth aus eigener Erfahrung. „Die erste Teilnahme am Forstbewerb hat mich schon Mut gekostet, weil sich zu Beginn nicht so viele Mädls getraut haben. Aber ich bin schnell ins Üben gekommen und tatsächlich ist beim Bewerb ja Genauigkeit wichtiger als Kraft und das liegt uns Dirndln ja schon recht. Ich habe mir davon für die Praxis sehr viel mitgenommen, das hat mir sehr geholfen. Jetzt werden es auch immer mehr Starterinnen und letztes Jahr bin ich sogar Bezirkssiegerin geworden“, freut sich Neuwirth.

Die Jungbauernschaft klopfte an

Dass die 26-jährige Bauerntochter Forstbewerb, Job, Landwirtschaft, Gemeinderat und auch ihre Hobbys Garde, Landjugend, Marketenderin und Horn lernen unter einen Hut bringt, zeigt, dass sie eine Macherin ist. „In den vier Jahren, in denen ich Landjugendleiterin war, waren wir zweimal die aktivste LJ-Gruppe in Oberösterreich. Wir haben richtig coole Veranstaltungen gemacht“, erinnert sich Neuwirth und liefert damit auch die Erklärung, warum nach ihrem Ausscheiden aus der Landjugendleitung gleich die Anfrage der Jungbauernschaft kam.

„Ich war agrarpolitisch immer sehr interessiert. Die Herausforderungen, die daherkommen, beschäftigen einen. Neben dem Studium war ich parlamentarische Mitarbeiterin von Klaus Lindinger und bin dann relativ schnell zur Jungbauernschaft gekommen.“ Eine Organisation, die doch noch männerlastig ist.

Immer mehr Frauen

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Männer schneller als Jungbauern identifizieren als Frauen, weil Frauen oft nicht wissen, ob sie in der Landwirtschaft bleiben. Aber das wird auf jeden Fall mehr werden, da bin ich mir sicher! Nachdem ich die erste Landesobfrau bin, merkt man das schon. Es gibt auch bereits viele Bezirksfunktionärinnen und Bezirksobfrauen“, freut sich die Jungbäuerin.

Breite Zustimmung

Leichtfertig hat Neuwirth die Funktion nicht übernommen. „Ich habe mir das sehr gut überlegt, ob ich das machen möchte und ob ich mir das zutraue. Das ist auch der Punkt bei uns Frauen, dass wir überlegen, ob es sich zeitlich ausgeht, ob wir gut genug dafür sind“, erklärt Neuwirth, die einstimmig gewählt wurde.

„Du musst das machen! Das passt zu dir!“

„Der Zuspruch war wirklich sehr stark, auch von meinen fünf männlichen Stellvertretern. Die haben gesagt: Das musst du machen! Das passt zu dir“, ist die erste Obfrau dankbar für die Unterstützung. „Aktuell habe ich keine Kritik, bei der ich das Gefühl habe, das liegt daran, dass ich eine Frau bin. Die Leute werden offener und die Männer sind auch froh darüber, dass es Abwechslung gibt. In der Unterhaltung und im Austausch ist das sehr spannend. Und die Jungen beschäftigen sich auch mit frauenrechtlichen Themen wie Mutterschutz am Betrieb. Das betrifft sie ja genauso“, betont die Neo-Sattledterin.

Austausch und Diskussion vorantreiben

In ihrer neuen Funktion geht Neuwirth voll auf, besucht gern Betriebe und schätzt die Kontakte: „Ich genieße die Zeit bei der Jungbauernschaft sehr. Ich wachse selbst mit der Rolle als Jungbäuerin am Betrieb und in die Rolle der Obfrau hinein. Ich möchte junge Landwirte zusammenbringen und den Austausch und die Diskussion vorantreiben, weil nur so kommen wir weiter.“


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