Als die Todesstrafe noch galt: Welser auf historischer Spurensuche
WELS. „Ich bin ein absoluter Gegner der Todesstrafe. Was damals recht war, ist es heute nicht. Und das ist gut so“, schickt Wolfram Sterrer voraus. Seit vielen Jahren sucht er Spuren von Galgenhügeln oder Richtstätten und arbeitet auch die Geschichte der Welser Hochgerichte auf.

Natürlich ist es ein morbides Thema, aber es gehört zur Geschichte dazu. Das Interesse startete mit kindlicher Neugier. Aufgewachsen in der Gartenstadt, noch bevor sich die Stadt Richtung Wimpassing ausbreitete, gab es in den Hügeln rund um den Märzenkeller viel zu entdecken: „Mit einem Freund fand ich menschliche Knochen und wir begannen Fragen zu stellen und auch immer weiter nachzuschauen“, erinnert sich Sterrer. Das Interesse hielt an. Ältere Anwohner sprachen immer wieder von der „Schädelstraße“ und meinten damit die heutige Römerstraße. „Ich fand dann Berichte, dass die Köpfe der Getöteten quasi als Mahnmal entlang der Straße präsentiert wurden.“
Suche nach dem Hochgericht der Stadt Wels
Über viele Jahre war Sterrer auf der Suche nach Spuren von Galgenhügeln oder Richtstätten. „Namen wie Richtberg deuten auf Hinrichtungsstätten hin. Immer wieder fand ich bei Wanderungen rund um Ortschaften auf Erhebungen oder in Wäldern von Menschen gebaute Steingebilde, die auf eine Richtstätte hinweisen. Pranger stehen immer noch auf Marktplätzen. Dazu kommen neben Hügeln errichtete Kapellen, bei denen die Verurteilten das letzte Gebet sprechen konnten“, erzählt der Hobbyhistoriker. Das große Ziel war aber, das Hochgericht der Stadt zu finden.
Entscheidender Hinweis aus dem Stift Lambach
Das Hochgericht der Stadt Wels wird im Privilegienbuch der Stadt (Pancharte) aus dem Jahr 1582 überliefert. Darin wird ein Privileg Herzog Albrechts V. vom 14. Mai 1422 wiedergegeben, das den Welser Bürgern das Recht einräumt, innerhalb ihres Burgfriedens einen Galgen zu errichten. Stand dieser anfangs noch am Stadtplatz, wurde er Jahrzehnte später in den Westen Richtung Lambach verlegt.
„Einen entscheidenden Hinweis lieferte ein Kartenblatt aus dem Jahr 1723 aus der sogenannten 'Lambacher Hausmappe', einer umfangreichen Sammlung von Grundrissen und Besitzverzeichnissen des Stiftes Lambach. Auf diesem Plan ist das 'Hochgericht der Statt Wels' in Form eines dreischläfrigen Galgens dargestellt. Die Übertragung dieser Darstellung auf den heutigen Kataster zeigt eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit dem Fundort beim Märzenkeller, womit der Standort des Hochgerichts als gesichert gelten kann“, meint Sterrer. Bereits in den 1930er-Jahren gab es dort Funde von acht Skeletten aus der Römerzeit. Viel später fand man Skelette, bei denen der Schädel zwischen den Beinen lag – mit deutlichen Hiebspuren an den Halswirbeln. Die Hingerichteten wurden in der Regel in unmittelbarer Nähe der Richtstätte verscharrt.
Eine Bestattung in geweihter Erde blieb ihnen meist verwehrt.: „Es wurde aber nicht jeder gehängt. Beispielsweise wurden Frauen enthauptet, da man ja am Galgen unter den Rock blicken kann“, erzählt der umtriebige Forscher. Neben Enthaupten und Rädern kamen noch Ertränken, lebendig Vergraben und einige andere Varianten dazu.
Weiteres Hochgericht
Ein weiteres Hochgericht befand sich an der Landstraße in Richtung Marchtrenk, im Gebiet der heutigen Pernau, und ist in der Josephinischen Landesaufnahme kartographisch erfasst. „Unter Joseph II. wurde die Todesstrafe abgeschafft, um sie nach seinem Tod wieder einzuführen“, so Sterrer.
Der Hobbyhistoriker wühlte sich durch Archive und fand auch Berichte über Hinrichtungen aus den unterschiedlichsten Zeiten vom frühen Mittelalter bis hin zum 7. Februar 1867: „Ein wegen Desertion und Meuchelmordes zum Tode verurteilter Husar wurde in Wels mit dem Strang gerichtet. Eine überaus zahlreiche Zuschauermenge hatte sich auf dem Richtplatze eingefunden“, erzählt der 54-Jährige.
1868 verfügte Kaiser Franz Joseph das Ende öffentlicher Hinrichtungen. Hintergrund waren unter anderem Ausschreitungen bei Exekutionen, insbesondere am Wiener Galgenhügel. 1919 wurde die Todesstrafe in der Republik Österreich abgeschafft, blieb im Ausnahmezustand aber möglich.
Begnadigung in letzter Minute
Am 10. November 1933 aktivierte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß das Standrecht. „Interessant war es am 15. Dezember 1933. Der Mörder Johann Breitwieser aus Pennewang wurde zum Tod durch den Strang verurteilt. Im Gerichtshof war der Galgen bereits aufgebaut. Erst wenige Minuten vor der Vollstreckung wurde der Verurteilte durch Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigt“, so Sterrer.
Während der Nazizeit gab es in Wels keine Vollstreckungen. Aber danach. Am 11. August 1948 wurde der Gendarmenmörder Laurenz Jascenko durch den Strang hingerichtet. Diese Exekution stellt die letzte Hinrichtung in Wels dar.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden