"Es ist schön, wenn Tafeln aufgestellt sind. Aber ich bin fast blind“
WELS.Barrierefreiheit bedeutet für viele nur, rollstuhlgerecht zu sein. Damit ist es in vielen Bereichen in Sachen Inklusion auch schon getan. Carina Wölfl ist seit ihrer Geburt stark sehbehindert, und der Zustand verschlechterte sich immer weiter. Jetzt erzählt sie ihre Erlebnisse aus dem Alltag in der Messestadt.

Gemeinsam mit Lebensgefährtin Annabelle Schlossgangl und Kathrin Kaufmann, die sich seit vielen Jahren für Inklusion einsetzt, war sie zu Besuch in der Tips-Redaktion: „Ohne fremde Hilfe geht in einigen Bereichen der Stadt gar nichts“, erzählt die 24-Jährige. Das taktile Leitsystem für Blinde ist immer unterbrochen. An Ampeln fehlt es ebenso. „In den Geschäften ist es unterschiedlich. Zum Beispiel beim DM in der Bäckergasse helfen die Mitarbeiter extrem. Da gehe ich gerne rein. In anderen ist es schwieriger. Da gehe ich ohne Begleitperson nicht rein“, erzählt Wölfl.
Thema Busfahren
Es ist für sie klar, dass nicht jeder Mitarbeiter sofort reagieren kann, aber einfach ist es nicht, in vielen Geschäften einzukaufen. Auch das Busfahren ist keine leichte Angelegenheit: „Manche Busfahrer helfen, andere haben keine Zeit. Auch mit dem Automaten für den Ticketkauf ist es nicht einfach. Ich stoße immer wieder an Grenzen, aber es helfen auch immer viele, wenn ich alleine unterwegs bin.“
Von der Info abgeschnitten
Eine weitere Grenze ist die Informationsgewinnung. „Es ist schön, wenn Tafeln aufgestellt sind. Aber ich bin fast blind. Wie kann ich lesen, wo ich im Notfall hingehen muss oder wo es weitere Informationen gibt? Das geht einfach bei mir nicht. Das schafft kein Blinder. Bei vielen Bildschirmen gibt es keine Vorlesefunktion. Also bin ich wieder von jemandem abhängig, obwohl ich mein Leben weitestgehend selbstbestimmt führen will.“ Auch die sprachliche Barriere ist ein Thema. Die Schrift auf Tafeln, Infopoints oder Beipackzetteln sei viel zu klein.
Komplizierte Sprache und kleine Schrift
„Auch sind sie oft kompliziert geschrieben. Es braucht eine einfache, klare Sprache, die wirklich jeder versteht. Auch hier werden Menschen mit Behinderungen ausgegrenzt“, ist Wölfl überzeugt.
„Ohne sie ginge gar nichts“
Ihre Lebensgefährtin Annabelle Schlossgangl hilft, wo sie kann. „Ohne sie ginge gar nichts“, ist die 24-Jährige überzeugt. Das beste Beispiel ist für Wölfl das taktile Leitsystem rund um die Wasserspiele mitten im Fußgängerbereich am Stadtplatz. „Da kann ich mit dem Blindenstock meine Runden rund um den Brunnen drehen, aber nicht mehr. Kein Weg führt weiter. Wenigstens durch die Fuzo fühle ich mich sicher. Da kann ich die Rinne in der Mitte nützen. Aber ansonsten ist es schwierig.“
Forderung
Doch nicht nur der Alltag ist schwierig zu bewältigen. Einen Job zu finden ist fast unmöglich. „Und dann sind wir wieder beim Thema Armut und Menschen mit Beeinträchtigungen“, ergänzt Kaufmann. Therapien, Blindenhunde und Computer kosten Geld, ohne Job wird es unmöglich: „Es müssen die Barrieren im Kopf abgebaut werden. Man sieht vielen Menschen die Behinderung nicht an. Wels braucht dringend einen Inklusionsbeauftragten“, fordert die Aktivistin.


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