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"Ich verlange die „Blue Collar“-Mentalität. Harte Arbeit im und für das Spiel"

Gerald Nowak, 06.08.2017 12:12

WELS. Die Stadt hat auch in der kommenden Saison einen Basketball-Bundesligisten. Der WBC ist allerdings Geschichte. Der BC Raiffeisen Flyers Wels tritt mit einem neuen jungen österreichischen Trainer an. Tips Redakteur Gerald Nowak hat Neo Headcoach und Sportdirektor Sebastian Waser (31) zum Gespräch gebeten.

Sebastian heißt der neue Sportdirektor und Headcoach der BC Raiffeisen Flyers Wels, die in der kommenden Saison in der Basketball-Bundesliga Körbe verteilen werden.

Tips: Die Saison startet Ende September/Anfang Oktober. Das Team wird Ende August in Wels zusammen sein. Da muss doch dem neuen Trainer eigentlich momentan ziemlich fad sein?

Waser: Mir ist überhaupt nicht fad. Wir sind gerade dabei die Mannschaft fertig zusammenzustellen. Drei Schlüsselpositionen fehlen noch. Bei zweien davon sind wir sehr weit. Ich führe viele Gespräche mit Agenten, Trainer und Spieler. Bis Mitte August wird das Team fertig sein. Ab 22. August wird individuell trainiert. Ab 28. August sind alle da auch Nationalteamspieler Davor Lamesic. Dann starten wir mit medizinischen Tests und bereiten uns auf die kommende Saison vor.

Tips: Gerade die Weiterverpflichtung des Kapitäns ist bei den Fans gut angekommen?

Waser: Davor ist eine der Schlüsselfiguren in Wels. Er ist auch so etwas wie das Gesicht nach außen. Die Gespräche mit ihm waren von Beginn an sehr gut und er will sich auch abseits des Basketballs im Verein mehr einbringen. Das passt sehr gut zusammen. Wir wollen die Mannschaft, die Spieler angreifbarer machen. Wir werden sie nicht zuhause verstecken, sondern vermehrt nach außen gehen. Die Spieler sollen sich zu 100 Prozent mit der Stadt und dem Klub identifizieren. Da werden wir in Zukunft mehr tun. Aber das können wir erst dann machen, wenn alle da sind. Ab September wird es sicher einige Aktionen geben.

„Die Legionäre aus dem Vorjahr sind definitiv weg, ebenso Payton und O´Neal. Ich muss sagen, die passen auch nicht in meine Vision von Basketball“.

Tips: Lamesic bleibt, ebenso Zulic, Csebits, Schmidt. Mit Elijah Wilson gibt es den ersten Legionär. Wie geht es weiter?

Waser: Dazu bleibt im Kader mit Petar Nemcek ein junger Welser. Timo Axmann wechselt zu den Flyers. Mit Carlos Novas Mateo kommt ein erfahrener Österreicher zu uns. Er hat in der ABL bereits für Gmunden, Traiskirchen und Oberwart gespielt. Er soll seine Athletik einbringen. Leider spielt Benjamin Mair nicht für uns. Es gab Gespräche mit ihm, doch er will sich im kommenden Jahr auf sein Studium in Wien konzentrieren. Das ist schade, aber ich respektiere seine Entscheidung. Die Legionäre aus dem Vorjahr sind definitiv weg, ebenso Payton und O´Neal. Ich muss sagen, die passen auch nicht in meine Vision von Basketball. 

Tips: Die da wäre?

Waser: Ich verlange eine sehr moderne Version des Basketballs: Das heißt offensiv und defensiv Druck ausüben. Ich will, dass hart verteidigt wird und mit Tempo und Aggressivität gespielt wird. Die Zuseher müssen das Gefühl haben, dass die Mannschaft in jeder Phase alles gibt. Es gibt bei mir kein Hängen lassen. Fünf Leute verteidigen gemeinsam und setzen den Ball und damit den Gegner unter Druck. Und das von der ersten bis zur letzten Sekunde. Offensiv wird es kein „Run and Gun“-Spiel sein, aber ich bevorzuge auch hier den schnellen Wurf. Es geht darum den richtigen Wurf zu kreieren. Wenn das in den ersten acht Sekunden der Angriffsuhr ist, dann ist das so. Wir werden daran arbeiten, jedoch werden sicher am Anfang Fehler passieren. Ich glaube, dass es für die Zuseher ein attraktives Spiel sein wird. Ich verlange die „Blue Collar“-Mentalität. Harte Arbeit im und für das Spiel.

„Es muss einfach wieder „in“ sein zu einem Spiel der Flyers zu gehen. Das Team werden wir so trainieren, dass sie es mit Leistung und Einsatz zurückzahlen“.

 Tips: Und die Zuseher sind in den letzten Jahren nicht gerade mehr geworden?

Waser: Wels hat so viel Potential. Das wollen wir heben. Deswegen werden wir auch vermehrt Aktionen mit den Spielern starten. Ich bitte aber um ein bisschen Geduld, bis alle in Wels angekommen sind. Aber wir wissen wo wir hin wollen. Es muss einfach wieder „in“ sein zu einem Spiel der Flyers zu gehen. Das Team werden wir so trainieren, dass sie es mit Leistung und Einsatz zurückzahlen. Es geht nur um die harte Arbeit, die dann auch anerkannt wird.

„Wir wollen das Sprungbrett für Karrieren der hungrigen, arbeitswilligen und besten Talente Österreichs sein. Dasselbe gilt auch für die Legionäre“

Tips: Im Nachwuchsbereich waren sie in Vorchdorf sehr erfolgreich. Wels ist ihre erste Station als Profi-Trainer plus Sportdirektor Posten. Warum sind sie gerade nach Wels gegangen?

Waser: Die Vorrausetzungen mit der Trainingshalle, mit den Fans und den Sponsoren ist hervorragend. Die muss man noch mehr nützen und ausbauen. Das ist in den letzten Jahren einfach nicht genug passiert. Ich will, dass es für jeden jungen Spieler in Österreich das Ziel wird, in Wels zu spielen. Wir wollen das Sprungbrett für Karrieren der hungrigen, arbeitswilligen und besten Talente Österreichs sein. Dasselbe gilt auch für die Legionäre. Wilson ist genauso ein Beispiel. Er kommt frisch aus dem College und hat hier die Chance sich zu beweisen. Wir wollen Spieler mit Willen und Biss sich weiterzuentwickeln. Wels hat hier eine gute Infrastruktur, die man nutzen muss.

„Die Kernfrage speziell für einen Bundesligisten wie uns muss lauten, Wie viele Spieler haben wir entwickelt? Welcher Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ist „ready“ für das nächste Level“

Tips: In Vorchdorf waren sie mit Nachwuchsmannschaften österreichischer Meister. Wird der Nachwuchs nun forciert?

Waser: Die Nachwuchstitel waren schön, doch entscheidend ist der Erwachsenen Bereich. Die Kernfrage speziell für einen Bundesligisten wie uns muss lauten, Wie viele Spieler haben wir entwickelt? Welcher Spieler aus dem eigenen Nachwuchs ist „ready“ für das nächste Level? Wir wollen Spieler entwickeln, die sich auch dann im Profi-Bereich durchsetzen. Erfolge im Nachwuchs sind toll und wichtig für den Verein. Der Schritt zum Profi ist dann der wichtige und große. Da wollen wir helfen. Für Österreicher aber auch für Talente aus dem Ausland.

„Der Testspielfahrplan steht und wir werden uns auch sonst einige Aktionen rund um unser Bundesligateam einfallen lassen“

Tips: Der Verein ist neu. Mit Michael Dittrich gibt es einen neuen Obmann. Das Team wird neu strukturiert. Die Fans sind ein bisschen ungeduldig?

Waser: Sicher kann ich das nachvollziehen. Aber ich kann beruhigen, dass im Hintergrund sehr viele Personen fleißig arbeiten. In der heurigen „Offseason“ ist es zusätzlich mit den Neuerungen in der Liga etwas schwieriger zu planen als bisher. Das sieht man auch bei den Konkurrenten aus der Liga bei denen sich bis dato deutlich weniger tut als wie bei uns in Wels. Ich bitte da um ein bisschen Geduld. Wir ziehen schon die Fäden. Das Wichtigste ist das Team zusammenzustellen und da sind wir auf einem guten Weg. An anderen Strukturen wird ebenfalls gearbeitet. Noch einmal: Im September wird man schon erste Sachen erkennen. Der Testspielfahrplan steht und wir werden uns auch sonst einige Aktionen rund um unser Bundesligateam einfallen lassen. Die Fans werden hier sicher nicht zu kurz kommen. Die neue Struktur ist für mich als Headcoach und Sportdirektor sehr gut. Michael macht mit seinem Team einen tollen Job. Das Vertrauen in ihn und die handelnden Personen ist meinerseits sehr groß.

Zur Person:

Sebastian Waser ist 31 Jahre alt, geboren am 21. Dezember 1985. Seit 20 Jahren ist er im Basketball tätig. Zuerst als Spieler bei den Gmunden Swans (U16 bis Bundesliga), dann als erfolgreicher Trainer in Vorchdorf. Er ist auch im oberösterreichischen Verband tätig und trainiert das U14-Nationalteam. Daneben absolvierte Waser ein Medienwissenschaftsstudium.


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