Emma Felbermayr: Junge Welserin will die F1 Academy gewinnen
WELS. Wenn der Opa ein ausgewiesener Auto-Narr war und mehrfach die 24 Stunden von Le Mans gefahren ist, wenn der Papa hobbymäßig Rennen fährt und gerade erst mit dem Bruder in Le Mans am Start war, dann ist es fast naheliegend, dass auch die kleine Schwester Benzin im Blut hat. Und wie! Emma Felbermayr ist die erste Österreicherin in der Formel 1 Academy und mischt in dieser Saison ganz vorne mit.

Der Name Felbermayr wird im Raum Wels in erster Linie mit dem Familienunternehmen, das auf Spezial- und Schwertransporte spezialisiert ist, in Verbindung gebracht. Fast ebenso bekannt ist aber auch, dass viele Familienmitglieder eine Schwäche für – schnelle – Autos haben.
„Mit Opa und Papa war ich immer auf der Rennstrecke“, erzählt Emma Felbermayr aus ihrer Kindheit. „Und als mein Bruder mit dem Kartfahren begonnen hat, da wollte ich das auch ausprobieren. Mit sieben Jahren bin ich das erste Mal Kart gefahren und die ersten Rennen dann mit acht“, erinnert sich die 19-Jährige.
„Mit den Besten messen“
Ein Unterschied zwischen ihr und Bruder Horst Felix wurde da nicht gemacht. „Meine Eltern haben mich immer unterstützt, aber nie gedrängt. Ich konnte immer selbst entscheiden, ob ich weitermachen möchte oder nicht“, so Felbermayr. Dumme Kommentare von anderen, weil sie ein Mädchen ist, hat es auch nie gegeben.
Spätestens mit 13 stand für Emma fest, dass Rennfahren ihr Beruf werden sollte: „Da wollte ich mich immer mit den Besten messen“.
Ein großer Schritt war für die schnelle Welserin der Wechsel von nationalen Kartrennen auf die internationale Bühne. „Dort habe ich Erfolge gefeiert, von denen ich als Kind vielleicht nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Dadurch habe ich mir schließlich auch den Platz in der F1 Academy gesichert“, ist Felbermayr stolz.
Frauen in die Formel 1
Die F1 Academy ist die Frauenserie im Formelsport mit dem Hauptziel, Frauen in die Formel 1 zu bringen. 18 Fahrerinnen, die großteils von Formel 1 Teams betreut werden, fahren in Formel 4-Autos heuer sechs Rennen, die im Rahmen ausgewählter Formel 1-Wochenenden stattfinden.
Felbermayr ist das zweite Jahr mit dabei und hat 2025 für Kick Sauber bereits einen Sieg in Montreal eingefahren. Seit heuer vertritt sie in der F1 Academy das Audi-Formel-1-Team und ist somit im selben Rennstall wie die Formel 1-Fahrer Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto. Ihr Fahrzeug trägt wie das ihres großen Idols Sebastian Vettel die Nummer 5 und wird von Rodin Motorsport betreut – Top-Speed 240 km/h. Ob da die Angst mitfährt? – „Nein, auf keinen Fall. Wenn man Angst hätte, wäre es wahrscheinlich der falsche Sport“, ist Emma Felbermayr, die vor einem Jahr am Gymnasium Dachsberg maturiert hat, überzeugt.
Laufen, Krafttraining, Simulator
Damit alles sicher ist und möglichst keine Fehler passieren, heißt es viel trainieren. „Wenn ich eine komplette Woche zuhause bin, gehe ich sechs Mal ins Fitnessstudio, also fast jeden Tag. Dazu kommen Laufen, Krafttraining und Radfahren. Außerdem verbringe ich viel Zeit am Simulator. Dafür muss ich oft zu meinem Team nach England fliegen. Manchmal gibt es vor einem Rennen Testtage, manchmal fahre ich eine Strecke aber auch erst im freien Training zum ersten Mal“, erzählt Felbermayr von ihrer Routine. Zwei Mal im Monat ist sie für je drei Tage auf der Strecke und fährt nebenbei auch noch die italienische Formel 4-Meisterschaft.
Nächstes Rennen in Silverstone
Der nächste Start ist am Wochenende. Von Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Juli macht der Formel 1 Zirkus in England Station und dieses Mal ist auch die Formel 1 Academy wieder am Start. „Beim ersten Rennen im Rahmen eines Formel 1 Wochenendes war ich voll nervös. Wir sind zwischen Sprint und Qualifying vor viel Publikum gefahren. Das ist man nicht gewohnt. Aber jetzt bin ich viel mehr vorbereitet“, erzählt die oberösterreichische F1-Hoffnung. Nach einem Rennen stellte sich sogar Lewis Hamilton als Gratulant ein. „Das sind schon ganz besondere Momente. Nach meinem Sieg in Shanghai stand auch Bortoleto mit am Podium. Aber grundsätzlich haben wir mit den großen Fahrern nicht ständig zu tun.“
Plätze 1, 2 und 3
Außerdem konzentriert sich Felbermayr sowieso lieber auf die eigene Konkurrenz. Zum Saisonauftakt in Shanghai fuhr die Audi-Pilotin auf die Plätze Drei und Eins. Im Mai wurde sie in Montreal Zweite. Ihr klares Ziel für diese Saison: „Die F1 Academy zu gewinnen. Die Chance besteht auf jeden Fall. Ich habe eines von zwei Rennen gewonnen und liege momentan auf P2 in der Meisterschaft“, ist Emma Felbermayr zuversichtlich. Was danach noch alles kommen kann? „Das hängt viel von diesem Jahr ab. Deshalb konzentriere ich mich jetzt voll auf die Saison und denke noch nicht zu weit voraus“, legt die junge Welserin den Fokus ganz auf die Gegenwart.
Die Resultate geben ihr recht und zumindest ein paar Gründe für den Erfolg kennt sie: „Ich glaube, ich bin sehr ambitioniert und motiviert. Ich war nie die Fahrerin, die sich in ein neues Auto setzt und sofort schnell ist. Aber weil ich unbedingt schnell sein will, investiere ich sehr viel Arbeit.“
„Gern daheim“
Und auch wenn viel zu tun ist und ihre Auftritte oft im Ausland erfolgen, ist Felbermayr gern daheim. „Ich bin immer wieder in Wels. Normalerweise komme ich zwischen meinen Reisen nach Hause. Weil ich so viel unterwegs bin, freue ich mich dann manchmal einfach darauf, nichts zu tun. Das passiert allerdings eher selten, weil ich nebenbei auch noch Wirtschaft studiere“, erzählt die ehrgeizige Rennfahrerin. Falls doch noch Zeit bleibt, spielt sie zum Ausgleich gerne Golf oder Padel.


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