Interessantes erstes Halbjahr steht am Welser Arbeitsmarkt bevor
WELS. AMS-Regionalleiter Othmar Kraml sieht den Arbeitsmarkt als stabil: „Wir gehen in eine interessante erste Jahreshälfte. Spannend wird, wie die Baubranche im Frühjahr nach exzellenten Vorjahresergebnissen durchstarten wird. Am Stellenmarkt erkennen wir bisher keinen nennenswerten Einbruch.“

Seit Ostern sieht Kraml einen interessanten Trend: „Wir haben mehr offene Arbeitsstellen als Arbeitssuchende.“ Er sieht die Wirtschaft immer noch auf einem guten Weg und gut durch die Krise gekommen. „Vor einem Jahr hat es noch Nachfragen von Betrieben nach Kurzarbeit gegeben. Trotz des Ukraine-Krieges und der Teuerungen in Sachen Energie ist es bei den Nachfragen geblieben.“ Die Wirtschaft habe Fahrt aufgenommen.
Konjunkturmotor Bauwirtschaft
Für den AMS Regionalleiter bleibt aber eines wichtig: „Wie startet 2023 die Baubranche durch? Diese ist einfach ein Konjunkturmotor. Es geht ja nicht nur um das Bauen und Planen, sondern viele weitere Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sind direkt daran beteiligt. Das wird in den kommenden Monaten spannend.“
Zahlen
„Saisonbedingt sind die Arbeitslosenzahlen in Wels im Dezember im Vergleich zum Vormonat deutlich gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr aber weiter klar niedriger. Der Rückgang beträgt da minus 6,4 Prozent. Damit liegt Wels etwas besser als der OÖ-Schnitt mit minus 5,2 Prozent“, so Kraml. Mit 4.329 Arbeitsuchenden liegt man zum Jahreswechsel saisonbedingt deutlich über den November-Werten (3.219), aber klar unter den Dezember-Werten aus 2021 beziehungsweise 2019, der „Vor-COVID-Zeit“ (5.089).
Demografische Entwicklung
Während in der ersten Jahreshälfte Kraml den Fokus auf die Bauwirtschaft legt, um zu sehen, wie sich die Lage entwickelt, sieht er mittelfristig in der demografischen Entwicklung: Wer folgt den Baby-Boomern nach, die jetzt schön langsam in Pension gehen? „Mit den Jungen, die jetzt in den Arbeitsmarkt kommen, werden wir die Lücke nicht voll schließen können. Es wird hier wohl Arbeitsmarkt-Migration brauchen. Ebenso müssen die Unternehmen nachdenken, Teilzeit-Mitarbeitern wieder mehr Stunden zu geben“.
Generell muss das Thema Lehre wieder forciert werden. „Auch hier wird die Entwicklung interessant. Denn in den vergangenen Corona-Jahren gab es de facto keine Schulabbrecher, die sich dann einen Lehrplatz suchten. Das wird sich ändern, wenn Sitzenbleiben wieder ein Thema wird. Da wird sich der eine oder andere denken, warum soll ich mir die Schule weiter antun?“, meint der AMS Regionalleiter. Firmen werden sich in den kommenden Jahren noch mehr bemühen müssen, um für den eigenen Nachwuchs zu sorgen. Der Faktor Qualifikation wird immer wichtiger: „Vor allem die Jugendlichen müssen sich bewusst sein, mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung sinkt die Chance, arbeitslos zu werden auf ein Viertel. Die Betonung liegt auf dem Wort 'auf'. Qualifikation ist immer mehr das Um und Auf“, so Kraml. Die Menschen müssen sich auch einstellen, dass lebenslanges Lernen dazugehört. Das erhöht aber auch die Chancen, innerhalb des Unternehmens aufzusteigen. Generell müssen sich die Betriebe auch überlegen, wie sie als Arbeitgeber wahrgenommen werden. Der Faktor Gehalt ist immer ein Thema, aber es gibt auch noch andere Komponenten, die bei der Arbeitsplatzwahl entscheidend sind.<


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