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Stadt Wels, eww, Teufelberger und Holter arbeiten für eine nachhaltige Zukunft

Mag. Ingrid Oberndorfer, 19.04.2024 16:22

WELS. Anlässlich des „World Earth Days“ am 22. April luden die Unternehmen Holter, Teufelberger und eww sowie die Stadt Wels zu einer gemeinsamen Pressekonferenz zum Thema „Wie gestalten wir morgen? Gemeinsame Wege in eine lebenswerte Zukunft“ und berichteten über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten. 

Florian Niedersüß (Vorstand eww), Markus Steinbrecher (Geschäftsführer Holter), Florian Teufelberger (CEO Teufelberger) und Bürgermeister Andreas Rabl suchen gemeinsame Wege in eine nachhaltige Zukunft. (Foto: HOLTER)
photo_library Florian Niedersüß (Vorstand eww), Markus Steinbrecher (Geschäftsführer Holter), Florian Teufelberger (CEO Teufelberger) und Bürgermeister Andreas Rabl suchen gemeinsame Wege in eine nachhaltige Zukunft. (Foto: HOLTER)

Den Auftakt zur Veranstaltung übernahm eine echte Expertin auf diesem Gebiet. Ursula Oberhollenzer ist Generalsekretärin des internationalen CSR-Dialogforums (Corporate Social Responsibility sprich die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens) und sprach über den „Innovationstreiber Nachhaltigkeit“. Ihrer Ansicht nach können Kooperationen und Interessensgruppen wahre Innovationstreiber sein und in den drei Welser Unternehmen und der Stadt sieht sie dafür perfekte „Best-Practice Beispiele“.

Entsiegelung, Photovoltaik und Radverkehr in Wels

Die Stadt Wels setzt seit Jahren auf energieeffiziente Gebäude, erneuerbare Energiequellen, die Schaffung von Grünraum und den Ausbau einer klimafreundlichen Infrastruktur. Und Bürgermeister Andreas Rabl ist überzeugt, dass die Wirtschaft zu fördern und gleichzeitig etwas für die Nachhaltigkeit zu tun, kein Widerspruch sein muss. Von der großen Investition in die Photovoltaik - die Stadt Wels verfügt aktuell über keine Dächer mehr, die noch bestückt werden könnten - würde man auf alle Fälle profitieren. Wels hat die Photovoltaik-Offensive früh begonnen und könnte mit den 860.000 produzierten Kilowattstunden rund 217 Privathaushalte mit Strom versorgen. Das ist Klimaschutz und Ressourcenschonung in einem.

Ein großes Anliegen ist es der Stadt, Grünanlagen zu schaffen. Dafür wurden zuletzt 7.000 Quadratmeter im Stadtteil Laahen gekauft, „um für die Bevölkerung Inseln zu schaffen, wo es kühler ist, wo Bäume Schatten spenden“, gibt Rabl zu bedenken, dass es für viele Menschen nicht mehr möglich ist, sich ein Einfamilienhaus mit eigenem Garten zu leisten. Umso wichtiger sei es, dass die Stadt entsprechende Grünflächen zur Verfügung stelle.

„Park für alle“

In diesem Zusammenhang steht auch das, laut Rabl, größte Entsiegelungsprojekt Österreichs. Im Zuge der Neugestaltung des Welser Volksgartens werden 30.000 Quadratmeter Fläche entsiegelt. Der rund zehn Hektar große „Park für alle“ wird die Lebensqualität in Wels um ein Vielfaches steigern, denn es entsteht ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität und zahlreichen Spiel- und Sportmöglichkeiten bei gleichzeitiger Integration von Natur und Ökologie.

Radfahren lernen

Ein Sorgenkind ist für Rabl die Mobilität. „Wenn wir die Mobilität nicht in den Griff bekommen, scheitern wir auch bei der Nachhaltigkeit“, ist der Bürgermeister überzeugt und betont: „Radfahren wird zentral sein. Nur so schaffen wir die Mobilitätswende“. Dafür sollen weiterhin konsequent Radwege gebaut und vorhandene Lücken geschlossen werden, aber auch verstärkt Kinder unterstützt werden, Radfahren zu lernen. „25 Prozent der Kinder in Oberösterreich schaffen die Radfahrprüfung nicht. Da müssen wir etwas tun, weil wie sollen wir sie sonst in die Mobilitätswende einbeziehen“, gibt Rabl zu bedenken und verweist auf die gratis Radfahrkurse und den Kinderverkehrsgarten, der im Mai fertiggestellt werden soll.

eww kann viel bewegen

eww ag-Vorstand Florian Niedersüß weiß, dass sein Unternehmen als regionaler Energieversorger einen großen Hebel besitzt, etwas zu bewegen. Der Titel der eww Strategie lautet „Grünes Wachstum“ und kommt nicht von ungefähr. Das Unternehmen ist seit Jahren in nachhaltigen Geschäftsbereichen erfolgreich und will diese Sparten in den nächsten Jahren konsequent forcieren.

„Wir wollen als eww Gruppe durch unser Angebot an nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen wachsen. Dies sind unter anderem nachhaltige Wärme aus Fernwärme und Wärmepumpen, Strom aus Wasserkraft und Photovoltaik, Energiespeicher, E-Mobilität und energieeffiziente Kundenanlagen. Daher werden wir primär in diese Bereiche investieren“, so Niedersüß. „Der größte Brocken ist die Raumwärme“, weiß der eww-Vorstand. Deshalb wurde die Welser Fernwärme in den letzten Jahren massiv ausgebaut und auf nachhaltige Wärmequellen umgestellt. Während 2007 die Welser Fernwärme noch zu 100 Prozent aus dem mit Gas betriebenen Fernheizkraftwerk produziert wurde, kommt sie seit Mai 2022 im Normalbetrieb ausschließlich aus nachhaltigen Quellen. Genutzt werden die Abwärme der Welser Abfallverwertung (WAV) sowie Sonnenenergie und Biomasse. 

Für Großkunden und PV-Teiler

Auch Photovoltaik spielt bei der eww eine große Rolle. Neben Privatkunden versorgt die eww auch viele Großkunden und hat 2021 bei der Firma PodBau in Eberstalzell auf fast 7.000 Quadratmetern Fläche ein Sonnenkraftwerk mit 4.000 Modulen errichtet. Am anderen Ende der Skala gibt die eww Gruppe aber auch Bewohnern eines Mehrparteienhauses die Möglichkeit, Sonnenstrom zu nutzen. Das Wels Strom-Angebot „PV teilen“ ermöglicht das gemeinsame Nutzen von grünem Strom über eine PV-Anlage am Dach des Gebäudes. 

Natürlich gehören auch innovative E-Mobilitätsangebote zum Portfolio der eww Gruppe. Dank Wels Strom ist Wels immer noch jene Stadt, die österreichweit eines der dichtesten Stromtankstellennetze aufweist. Dazu kommt ein attraktives E-Carsharing-Angebot an sieben Standorten.

„Mit mehr Kraft umsetzen“

Dass Wels im Vergleich sehr gut da steht, ist laut Niedersüß auch den guten Voraussetzungen geschuldet: Die erneuerbare Wärme durch die Abfallverwertung und die Wassernähe. Aber es warten noch große Aufgaben und Niedersüß fordert, „die Dinge die wir umsetzen können, mit Kraft umzusetzen. Alles dauert zu lange. Wir brauchen für jedes Projekt zu lange“, gibt der eww-Vorstand zu bedenken. Er wünscht sich die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen, hofft auf mehr Förderung für die Forschung und setzt Hoffnungen in eine motivierte Jugend, die es für die MINT-Fächer zu begeistern gilt.

Teufelberger denkt im Kreis

Florian Teufelberger, Vorstand von Teufelberger, nutzte die Pressekonferenz um das neu entstandene Geschäftsfeld „better.collect“ vorzustellen, ein Sammelsystem für Kunststoffumreifungsbänder.

Als Hersteller von hochqualitativen Stahlseilen aber auch Kunststoffprodukten ist sich das Welser Familienunternehmen seiner Verantwortung und seines Ressourcenverbrauches bewusst. Bereits vor 25 Jahren setzte das in siebter Generation geführte Familienunternehmen einen Schritt in eine nachhaltige Zukunft und verarbeitete aus PET-Getränkeflaschen gewonnene PET-Flakes für die Herstellung von Umreifungsbänder.

better.collect

Kunststoffumreifungsbänder sind wichtig, um Güter für den Transport zu verschließen, zu bündeln, zu sichern, zu komprimieren und zusammenzuhalten - allerdings fallen jährliche auch mehr als eine Million Tonnen Abfall an Kunststoffumreifungsbändern an. Deshalb geht Teufelberger jetzt noch einen Schritt weiter und will eine echte Kreislaufwirtschaft. Mit „better.collect“ werden die gebrauchten Umreifungsbänder gesammelt, aufbereitet und als Recyclingmaterial wieder zu einem neuen Umreifungsband verarbeitet.

„Wir wollen ein Netzwerk über ganz Europa aufbauen und sehen mit unseren Recycling-Partnern eine echte Chance, einen geschlossenen Kreislauf zustande zu bringen, so dass aus jedem Band wieder ein Band wird“, ist Teufelberger zuversichtlich. „Wir schaffen so einen Entsorgungsbereich, denn es ohne die Firma Teufelberger nicht geben würde!“

Gleichzeit gibt Teufelberger zu bedenken, „dass Nachhaltigkeit ja nicht nur ökologisch ist, sondern auch ökonomisch“. Die Frage sei, wie man den Anforderungen gerecht werden könne, vor allem international. Nicht nur in Europa, sondern weltweit. Ökologische Nachhaltigkeit werde in Europa gefordert, aber global sei dies - zum Beispiel in Bereichen wo man in Konkurrenz zu Ländern wie Indien stehe - eine große Herausforderung. „Die Welt ist hier nicht in gleichem Tempo unterwegs“, stellt Teufelberger fest.

Holter immer vorne dabei

Gastgeber Markus Steinbrecher, Geschäftsführer von Holter ist sich seiner Verantwortung ebenfalls bewusst. „Als Sanitär- und Heizungsgroßhändler ist unsere Branche sehr betroffen“, so Steinbrecher. Man setze deshalb auf nachhaltige Heizsysteme und wassersparende Armaturen. Bereits 1997 wurde Holter mit dem ersten Online-Bestellsystem der Branche zum Innovationstreiber. Das bot die Chance, Geschäftsabläufe zu optimieren, Ressourcen effektiver einzusetzen sowie die Produktivität als auch die Nachhaltigkeitsziele voranzutreiben.

Auch bei wieder verwendbaren Transportbehälter war Holter Vorreiter in der Branche. Seit 1990 setzt der Sanitärgroßhändler im Warenverkehr mit seinen Kunden auf wieder verwendbare Transportbehälter für den Transport von Kleinteilen. Als einziger Großhändler der Branche führt Holter damit auch im 21. Jahrhundert ein Tauschsystem fort, das zudem eine kommissionsweise und verpackungsarme Belieferung der Installateure ermöglicht. Durch diesen nachhaltigen Ansatz konnte man im Geschäftsjahr 2022/2023 eine Einsparung von 153 Tonnen Kartonagen erzielen.

„Mit gutem Beispiel vorangehen“

Holter ist aber nicht nur in seinem Angebot nachhaltig sondern auch was seine Standorte betrifft. Die fortlaufende energietechnische Optimierung der Holter Standorte ist ein weiteres wesentliches Anliegen des Unternehmens. Durch die in der Firmenzentrale und auf der Mein Holter Bad Ausstellung in Wels installierten Photovoltaik-Paneele konnten seit der jeweiligen Inbetriebnahme im Herbst 2023 beziehungsweise Jänner 2024 eine Gesamt-CO2-Einsparung von 87 Tonnen und ein Gesamtertrag von 179,77 MWh erreicht werden. Die kombinierte installierte Leistung beträgt 739,4 kWp und entspricht 1948 montierten Modulen auf 7.000 Quadratmetern Dachfläche.

Abschließend stellt Steinbrecher fest: „Unsere Branche ist ein wesentlicher Player für die Energiewende. Aber wir brauchen gesetzliche Rahmenbedingungen und politische Aussagen, damit die Menschen nicht verunsichert sind. Und wir brauchen Fachkräfte und müssen diese für unsere Branche begeistern und mit gutem Beispiel vorangehen.“

 


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