Bürgermeister von Weißkirchen im Interview: „Diese Nähe zu den Menschen ist mir besonders wichtig“
WEISSKIRCHEN. Die Gemeinde hat mit Patrick Krutzler einen neuen Bürgermeister. Der SP-Politiker zieht nicht nur eine persönliche Bilanz, sondern blickt auch gleich in die Zukunft.

Nach 100 Tagen im Amt werden Politiker ja gerne nach einer ersten Bilanz gefragt. In ihrem Fall markiert der 8. Februar den Stichtag. Wie sieht die persönliche Bilanz aus?
Patrick Krutzler: Die ersten 100 Tage als Bürgermeister waren intensiv aber auch gleichzeitig extrem spannend. Ich bin mit zwei großen Bauprojekten reingestartet, die mich gleich voll forderten: Dem Kreisverkehr an der Landesstraße sowie der Asphaltierung der Biedermeierstraße und der Baritongasse. Neben den laufenden Projekten war mir wichtig, rasch eigene Schwerpunkte zu setzen und Ideen weiterzuentwickeln, die schon länger in Vorbereitung waren. Was das Bürgermeisteramt aber besonders macht, ist die Vielfalt. Es gibt Tage, an denen zwanzig Gemeindebürger zu mir kommen, alle mit unterschiedlichen Themen und Anliegen. Diese Nähe zu den Menschen ist mir besonders wichtig – und auch, ihnen unbürokratisch und schnell zu helfen.
Wie schwierig war die Umstellung vom Vize zum Bürgermeister?
Krutzler: Nicht so schwierig, wie man vermuten würde. In den letzten sieben Jahren konnte ich eine „Lehre“ zum Bürgermeister machen. Diese Zeit habe ich genutzt, um mich in das Amt hineinzuarbeiten: Erste Projekte umsetzen, Verantwortung übernehmen und viele Kontakte knüpfen. Meine jetzige Rolle ist trotzdem eine andere. Als Bürgermeister treffe ich Entscheidungen letztverantwortlich. Jetzt muss ich den Kopf hinhalten. Diese Verantwortung nehme ich sehr bewusst wahr, weil sie Vertrauen voraussetzt, und genau dieses Vertrauen möchte ich jeden Tag rechtfertigen.
Der Übergang vom Vorgänger war fließend und vor allem waren ja auch einige Großprojekte in Umsetzung. Stichwort Kreisverkehr Landesstraße, Hochbehälter und einige mehr?
Krutzler: Der Übergang hat reibungslos funktioniert. Dafür möchte ich mich bei meinem Vorgänger Norbert Höpoltseder ausdrücklich bedanken. Die jahrelange Einbindung in Projekte, Planungen und Gespräche war eine wertvolle Lehrzeit. Gerade bei großen Vorhaben wie dem Kreisverkehr oder dem Hochbehälter war ich von Beginn an eingebunden und konnte als Vizebürgermeister aktiv mitarbeiten. Das hat mir jetzt geholfen, Verantwortung nahtlos zu übernehmen und Projekte erfolgreich weiterzuführen
Die Feuerwehr wird aus- und umgebaut. Der Status Quo sieht wie folgt aus?
Krutzler: Derzeit befindet sich das Projekt noch im UBAT-Verfahren, daher konnte noch kein Finanzierungsbeschluss gefasst werden. In den vergangenen Monaten gab es zahlreiche Gespräche, Verhandlungen und auch Umplanungen. Mein Dank gilt hier besonders dem Planungsteam der Freiwilligen Feuerwehr Weißkirchen, das sich äußerst engagiert und konstruktiv einbringt. Unser Ziel ist eine tragfähige, zukunftsfähige Lösung. Klar ist aber auch, dass wir kein qualitativ schlechtes oder unbrauchbares Projekt umsetzen werden
Welche weiteren Projekte stehen in der Gemeinde noch an. Es gibt ja viele weitere Dinge auch, die anstehen?
Krutzler: Der Neubau des Hochbehälters startet im Frühjahr und wird die gemeindeeigeneWasserversorgung sicherstellen. Beim Kindergarten wird der Garten erweitert, die notwendige Drainagierung wird noch heuer angegangen. Mit dem Rockenschaub-Grundstück und dem künftig frei werdenden Feuerwehr Areal eröffnen sich Entwicklungsmöglichkeiten für den Ort. Parallel dazu arbeiten wir an einigen kleineren Themen. So prüfe ich gerade die Aufnahme der Senkgruben-Besitzer ins Kanalgebührensystem. Eine Machbarkeitsstudie zum Anschluss der Ortschaft Weyerbach an die gemeindeeigene Ortswasserleitung wird vorbereitet und weitere Projekte zur Ortsbildverschönerung sind am Laufen.
Viele Gemeinden rutschen in den Härteausgleich und können nicht mehr ausgeglichen bilanzieren. Wie sieht die Situation in Weißkirchen aus?
Krutzler: Weißkirchen steht derzeit noch gut da, vor allem dank unserer starken Betriebe und einer soliden Kommunalsteuerbasis. Gleichzeitig muss man aber ganz offen sagen: Die Entwicklung ist dramatisch. Während die Einnahmen stagnieren, explodieren die Abgaben an das Land. Besonders die Landesumlage und der Krankenanstaltenbeitrag steigen Jahr für Jahr massiv an. Wenn diese Schere weiter so auseinandergeht, werden auch finanziell gesunde und sparsame Gemeinden wie Weißkirchen am Ende in den Härteausgleich rutschen. Ohne strukturelle Änderungen auf Landesebene wird es für vieleGemeinden, auch für Weißkirchen, bald nicht mehr möglich sein ausgeglichen zu bilanzieren.
Ein Blick in die Zukunft. Wie soll Weißkirchen 2040 aussehen?
Krutzler: Weißkirchen soll im Jahr 2040 eine Gemeinde sein, die die attraktive Lage nutzt, modernste Infrastruktur anbietet, ihr aktives Vereinsleben und den ländlichen Charakter bewahrt hat. Unsere Gemeinde wird ein regionales Zentrum mit guter ärztlicher Versorgung und vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten sein. Im Ortszentrum werden die Ruinen verschwunden, die Straßen und Plätze belebt und der Sportplatz an das Zentrum angebunden sein. Weißkirchen soll eine Oase im Zentralraum sein, die alle Bedürfnisse abdeckt und gleichzeitig überschaubar bleibt.


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