Waldgebiet soll Bauland weichen – Bürger wollen Rodung verhindern
Wernstein. Ein geplantes Bauland sorgt im Ortsteil Zwickledt in der Gemeinde Wernstein für Wirbel. Für mehrere Bauparzellen soll ein Teil des angrenzenden Waldstücks gerodet werden. Eine Bürgerinitiative will nun die Planungen für die Baulandschaffung stoppen und startete eine Unterschriftenaktion, an der sich 40 Gemeindebürger beteiligten.

Laut den Mitgliedern der Bürgerinitiative, die anonym bleiben möchten, würde das Waldstück – ein seltener Laubbaummisch-wald – seit Jahrzehnten das Landschaftsbild des Ortsteiles prägen. Durch eine Rodung würde man massiv in die Natur eingreifen – mit nicht absehbaren Folgen für die darin beheimateten Tiere. „Als wir von den Plänen, in Zwickledt neues Bauland zu schaffen, erfahren haben, war dies für uns erstmal okay. Erst später wurde bekannt, dass dafür ein Waldstück gerodet werden soll“, heißt es von der Bürgerinitiative, „man sollte zuerst die vorhandenen Parzellen verkaufen. Den Wald für die Schaffung von Baugrund zu roden ist für uns nicht in Ordnung.“
Außerdem soll das Waldgrundstück zu einem überteuerten Preis vom Besitzer gekauft werden, was enorme Kosten für die Gemeinde bedeuten würde. Diese Vorwürfe weist Bürgermeister Alois Stadler zurück: „Dass die Gemeinde beim Kauf des Baulandes einen Verlust einfahren würde, kann ich nicht bestätigen. Wir sind der Sparsamkeit und der Wirtschaftlichkeit verpflichtet und müssen solche Projekte auch von Oberbehörden bestätigen lassen. Die Gemeinde hat Baugründe zum Kauf angeboten bekommen, was uns natürlich sehr gefreut hat. Daraufhin haben wir die Widmung veranlasst, die diese Woche bestätigt wurde.“ Für die Bauparzellen müssen allerdings 4600 Quadratmeter Wald gerodet werden. „Ich bin zwar auch dafür, dass Wälder erhalten bleiben sollen, aber es gibt auch Interessen, die höherwertiger sind“, erklärt Stadler. Laut dem Bürgermeister seien in der Nähe von Zwickledt Ersatzflächen für das gerodete Stück Wald gefunden worden. Der Wald wäre also nicht verloren. „Die Schaffung der Bauparzellen wäre ohne Rodung nicht durchführbar, da 30 Meter bis zum Forst eingehalten werden müssen“, sagt Stadler. Außerdem sei ihm das Wachstum der Gemeinde sehr wichtig. „Wir haben in Wernstein eine Situation, die nicht ganz einfach ist. Wir haben in der Siedlungspolitik nur mehr zwei Möglichkeiten, nämlich die Ortsteile Sachsenberg und Zwickledt, die man zu Hauptsiedlungsgebieten machen kann. Es steckt also ein öffentliches Interesse dahinter. Solche Siedlungsgebiete sind für die Zukunft der Gemeinde von großer Bedeutung“, so Stadler weiter. Da das Bauland auch bereits erschlossen ist, sei es wichtig, dass die Gemeinde diese Infrastruktur nützt. „Wir können die Gründe zu einem günstigen Preis anbieten, damit sich auch Jungfamilien ansiedeln können“, sagt Stadler. Vonseiten der Bürgerinitiative heißt es, dass man ja nicht gegen die Schaffung von Bauland sei, sondern dass das Problem vielmehr die Rodung des Waldes sei. „Es stehen derzeit noch zahlreiche andere Baugründe in Zwickledt zur Verfügung. Zuerst sollten diese vergeben werden. Viele Flächen werden in den Gemeinden einfach nur zugepflastert“, erklärt ein Mitglied der Bürgerinitiative.
Verlust an Lebensqualität befürchtet
Auch wenn die Schaffung von Bauland in erster Linie für die Zwickledter kein Problem darstellte, äußerte man dennoch weitere Bedenken. „Für die Anwohner würde der Bau einer Siedlung dieser Größe einen großen Verlust an Wohn- und Lebensqualität bedeuten – während und nach der Baumaßnahme. Auch würde es einen deutlichen Wertverlust der Immobilie durch Verschlechterung der Lage bedeuten“, heißt es vonseiten der Initiative. Es wird auch befürchtet, dass die Ruhe im Ort durch den Bau eines Siedlungsgebietes verloren geht. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch eine neue Siedlung in Zwickledt Lebensqualität verloren geht. Ich finde, es kann sogar bereichernd für die Bewohner sein. Man sollte eher auf das Gemeinschaftliche schauen“, meint der Bürgermeister.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden