Sektorkopplung und Flexibilität des Energiesystems am 20. Österreichischen Biomassetag in Windischgarsten diskutiert
WINDISCHGARSTEN/OÖ. Oberösterreich zählt im Bereich der Biomassenutzung zu den führenden Bundesländern Österreichs. Einen Grundstein für diesen Erfolg setzt der Biomasseverband OÖ, der heuer im Rahmen des 20. Biomassetages in Windischgarsten sein 25-jähriges Bestehen feierte. Das Hauptthema war die Sektorkopplung und Flexibilität des Energiesystems. Rund 300 Teilnehmer fanden sich bei der zweitägigen Veranstaltung ein.

Vor Kurzem hat der OÖ Biomasseverband das 21. Biomasseheizwerk in Windischgarsten eröffnet. Aus diesem Anlass wurde der 20. Österreichische Biomassetag im Kulturhaus Römerfeld abgehalten. Zudem hat sich die Gemeinde Windischgarsten für den Weg von den fossilen hin zu den erneuerbaren Energien entschieden.
Energieerzeugung aus Holz als tragende Säule der heimischen Energiewende
Die Energieerzeugung aus Holz ist eine tragende Säule der heimischen Energiewende und bleibt auch in Zukunft ein unverzichtbarer Bestandteil einer sicheren und vor allem klimafreundlichen Energieversorgung. Bis 2030 könnte sie Erdöl sogar als bedeutendste Energieform ersetzen. “Es geht nicht nur um die Weiterentwicklung im Klimaschutz und Energiesystem sondern auch um die Wertschöpfung in der Region“, betont Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasseverbandes und weiß: „Wir stehen vor großen Herausforderungen.“
Sektorkopplung als großes Zukunftsthema
Als Schlüsselkonzept bei der Energiewende sehen Experten die Sektorkopplung im Energiesystem. Bislang wurden Wärme, Strom und Mobilität unabhängig voneinander betrachtet. Der 20. Österreichische Biomassetag in Windischgarsten zeigte auf, in welchen Bereichen abseits der traditionellen Wärmebereitstellung die Bioenergie zusätzliche Beiträge liefern kann. „Die Sektorkopplung ganzer Energiesysteme fordert, dass man auch zusammenrückt und erfordert auch vorausschauende Planungen“, so Plank.
Technologische Weiterentwicklung
Hierzu ein Beispiel: Mit der Energiemenge, die in einem Kubikmeter Holz steckt, kann mit Hilfe eines Holzkraftwerkes 3.000 Kilometer weit mit einem E-Auto gefahren werden. Die dabei anfallende Restwärme wird ebenfalls genutzt und steigert die Versorgungssicherheit der Wärmenetze. Ein Kubikmeter Holz speichert etwa gleich viel Energie wie ein 18 Tonnen schwerer Akku. Neben der Erzeugung von Strom ist auch die Aufbereitung von Biomasse zu Erdgas oder Heizöl technisch möglich. “Technologisch stehen zu bleiben geht gar nicht, wir müssen uns weiterentwickeln“, betont auch der Präsident des Österreichischen Biomasseverbandes.
Klimawandel hinterlässt Spuren
Das Vorantreiben der Energiewende ist das Gebot der Stunde, denn die Auswirkungen der globalen Erderwärmung um durchschnittlich ein Grad Celsius haben sich 2017 massiv gezeigt: Etwa 200 Milliarden Euro werden die Aufräumarbeiten nach den Hurrikans Harvey und Irma die USA kosten. Von den Auswirkungen der Monsunstürme am anderen Ende der Erdkugel wurde hierzulande kaum berichtet. Auch in Österreich hinterlässt der Klimawandel seine Spuren: Ein außergewöhnlich kalter Jänner und ein extrem heißer Sommer verursachen Schäden an Hab und Gut der Bevölkerung und an unserer Natur.
Raus aus fossiler und rein in erneuerbare Energie
„Auch wenn es gelingen sollte, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, werden sich die Auswirkungen des Klimawandels in Zukunft noch deutlich verstärken. Österreich hat sich verpflichtet, seinen Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung zu leisten – was fehlt, ist der politische Konsens, wie dies geschehen soll. Klar ist, es kann nur in einem nationalen Schulterschluss über Partei- und Sektorgrenzen hinweg, gemeinsam mit der traditionellen und neuen Energiewirtschaft erfolgen. In diesem Sinne ist das Motto des diesjährigen Biomassetages – Sektorkopplung und Flexibilisierung – nicht nur rein technisch zu verstehen“, schildert Josef Plank.
Politische Lösung für Holzkraftwerke muss folgen
Das Ergebnis der intensiven Beratungs- und Informationsarbeit des Biomasseverbandes OÖ ist: 328 bäuerliche Heizwerke und 70 Biogasanlagen. Durch die Verbandsarbeit wird das Ziel des Landes, die Strom- und Wärmeversorgung langfristig zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern bereitzustellen, maßgeblich unterstützt. „Dennoch müssen wir weiter um die Energiewende kämpfen. Im Augenblick ist vor allem die Zukunft der heimischen Holzkraftwerke von größter Bedeutung. Hierzu muss alsbald eine politische Lösung für die auslaufenden Tarifverträge folgen. Insbesondere im Bereich der Holzverstromung im kleinen Leistungsbereich schlummern enorme Potenziale“, weiß Alois Voraberger, Geschäftsführer des Biomasseverbandes OÖ. “Wir nutzen bei weitem noch nicht die Dinge, die nachwachsen. Bei uns wachsen die Wälder zu. Der ländliche Raum lebt von der Bewirtschaftung“, betont auch der Präsident des Österreichischen Biomasseverbandes, Josef Plank.
Oberösterreichische Kesselindustrie ist weltweit Marktführer im Bioenergiebereich
Eine Gesamtleistung von 302.000 Kilowatt und einen Brennstoffbedarf von ca. 400.000 Festmeter weisen die 328 von Bauern organisierten Nahwärmeanlagen auf. Oberösterreich hat im Bundesländervergleich auch die meisten automatischen Holzfeuerungsanlagen. Davon profitiert die oberösterreichische Kesselindustrie, die mittlerweile weltweit Marktführer im Bioenergiebereich ist.
Umweltfreundliche Wärme aus Holz
Immer mehr Gemeinden und Industriebetriebe setzen auf umweltfreundliche Wärme aus Holz. Derzeit werden in Oberösterreich etwa 40.000 automatische Biomasse-Einzelfeuerungen, 68.000 Scheitholzanlagen, 28.000 Einzelöfen und 1.270 Biomassegroßprojekte (inkl. Gemeinschaftsanlagen) betrieben. Diese Anlagen benötigen jährlich etwa 4,3 Millionen Kubikmeter Biomasse, die in Wärme und teilweise Strom umgewandelt wird. Damit werden rund 750 Millionen Liter Erdöl ersetzt, was einer Kette an Öltank-LKWs von Ried bis Wien und wieder retour oder von Linz bis Triest entspricht. Weiters werden damit zwei Millionen Tonnen CO 2 eingespart.


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