„Waren einmal Revoluzzer“ beim Schlosshofkino
WAIDHOFEN/YBBS. Nach dem deutsch-österreichischen Dokumentarfilm „Born in Evin“ und dem deutsch-österreichischen Thriller „7500“ steht beim Schlosshofkino am Dienstag, 18. August, die österreichische Tragikomödie „Waren einmal Revoluzzer“ von Regisseurin Johanna Moder am Programm. Regisseurin Johanna Moder und Schauspieler Manuel Rubey stehen im Anschluss für ein Filmgespräch zur Verfügung.

Helene (Julia Jentsch) hat alles im Griff. Sie ist Richterin, hat zwei Kinder, eine geräumige, freundlich-stylish eingerichtete Altbauwohnung in Wien, ein Wochenendhäuschen im Waldviertel und einen Lebensgefährten, der sie ehrlich liebt. Jakob (Manuel Rubey) ist Musiker, vor längerer Zeit hatte er sogar mal einen veritablen Hit. Bis jetzt ist dem allerdings noch keiner nachgefolgt, eine Tatsache, über die sich Helenes alter Freund Volker (Marcel Mohab) gerne lustig macht. Volker ist nämlich erfolgreich, und das reibt er Helene und Jakob gerne unter die Nase, aber eh freundschaftlich. Denn für echten Neid aufs Familienglück gibt es keinen Grund, schließlich ist Volker happy mit seiner jüngsten Eroberung – beziehungsweise seiner jetzt endlich wirklich großen Liebe –, der Künstlerin Tina (Aenne Schwarz).
Wenn Überzeugungen zu Belastungen werden
Dann hat Volker einen Termin in Moskau, und Helene eine Idee: Könnte er nicht für Pavel (Tambet Tuisk), ihren Ex aus der wilden alten Zeit, ein kleines Paket mitnehmen? Pavel ist nämlich Dissident und im Moskauer Untergrund, und er bräuchte dringend Unterstützung. Nach kurzem Widerstand stimmt Volker zu, trifft Pavel, betrinkt sich mit ihm und seinen Freunden und nach viel zu viel Wodka regt sich der alte Revoluzzer in ihm, und er hat die absolut geniale Idee: Wir müssen Pavel nach Österreich in Sicherheit bringen! Er schafft es tatsächlich, falsche Papiere aufzustellen, und Helene freut sich darauf, ihren alten Lover zu retten. Doch was sie nicht weiß: Pavel kommt nicht alleine, sondern mit seiner Frau Eugenina (Lea Tronina) und dem gemeinsamen Baby. Und das ruiniert das komplette Hilfskonzept. Eine komplette Familie, damit hat niemand gerechnet. Und erst recht nicht damit, dass diese Familie nicht aus demütigen Dankesagern besteht, sondern durchaus ihre eigene Vorstellung vom Exil hat, und viel genauer weiß, was sie braucht als Helene. Das verstört. Und so werden die früheren Überzeugungen immer mehr zur Belastung. Leute in Not machen sich echt nicht so gut in den Altbauwohnungen. Und die Waldviertler Künstler-Idylle stören sie auch. Dennoch stellen sich Helene, Jakob, Viktor und Tina wacker der Herausforderung.
Ausgezeichnet mit dem Max-Ophüls-Preis
In Johanna Moders zweitem Langfilm nach „High Performance – Mandarinen lügen nicht“ nimmt die 41-jährige Regisseurin gekonnt die Generation Y aufs Korn und liefert einen präzisen Kommentar zur Wohlstandsgesellschaft mit ihren äußeren und inneren Grenzen. Wir waren alle mal politisch sooo korrekt – sind wir es heute immer noch? Können wir unseren eigenen Erwartungen entsprechen? Idealismus klingt so gut, wenn man nicht mit den Konsequenzen konfrontiert wird. Wir waren alle von der Idee befeuert, die Welt zu verbessern. Aber wenn es dann soweit kommt, dass man selbst etwas tun kann, können wir das? Damals, als Revoluzzer, haben wir es uns versprochen. Waren einmal Revoluzzer“ wurde heuer mit dem Max-Ophüls-Preis für die beste Regie und dem Thomas Pluch Drehbuchpreis ausgezeichnet.
Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz
Damit beim Schlosshofkino auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, dafür sorgt einmal mehr Schlosswirt Andreas Plappert. Auch heuer wieder kann man das Schlosshofkino vom „Schlosswirt-Gastro-Sitzplatz“ aus genießen und so cineastischen und kulinarischen Genuss perfekt miteinander verbinden. Um alle Vorgaben für die Durchführung von Veranstaltungen in Folge der Covid-19-Pandemie erfüllen zu können, gibt es heuer beim Schlosshofkino nur Vorverkaufstickets. Diese sind im Weltladen Waidhofen sowie über www.ntry.at erhältlich. Es gibt Gastro- und Sitzplatz-Tickets. Pro Besucher können maximal vier Tickets erworben werden. Es werden dann fixe Plätze zugeteilt. Tischreservierungen beim Schlosswirt sind heuer nur über den Ticketvorverkauf möglich. Besucher müssen beim Kartenkauf Name und Telefonnummer bekannt geben. Es werden maximal 190 Besucher zu den Vorführungen zugelassen. Bei Schlechtwetter finden die Filmvorführungen um 21 Uhr im Plenkersaal Waidhofen/Ybbs statt.


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