Karl Moser hat das politische Spielfeld Yspertals verlassen
YSPERTAL. Nach drei Jahrzehnten gab der VP-Landtagsabgeordnete Karl Moser sein Bürgermeisteramt ab. Hunderte verfolgten in der Yspertaler Sporthalle die letzte Gemeinderatssitzung Mosers mit.

9. Mai 2018, 18.45 Uhr: 27.000 Menschen machen sich auf den Weg Richtung Klagenfurt oder sind bereits dort. Im Wörtherseestadion soll der Cup-Sieger gekürt werden. Salzburg greift – wieder einmal – nach einem österreichischen Fußballtitel. Finalgegner Sturm Graz will das naturgemäß verhindern. Zeitgleich haben sich Hunderte Yspertal zum Ziel gemacht – das Finale einer politischen Karriere soll in der Sporthalle eingeläutet werden: Karl Moser will nach 30 Jahren sein Bürgermeisteramt zurücklegen. In einer öffentlichen Gemeinderatssitzung möchte man Danke sagen und hören.
18.55 Uhr: Feuerwehrmänner weisen die ankommenden Autos rund um die Yspertaler Sporthalle gekonnt ein – ein Verkehrschaos bleibt anders als später in Klagenfurt aus. Für 19.00 Uhr ist der Sitzungsbeginn geplant. Zu diesem Zeitpunkt nimmt Karl Moser aber noch vor der Sporthalle Gratulationen und Glückwünsche vom Musikverein entgegen. Der 65. Geburtstag des abtretenden Ortschefs gibt dazu Anlass. Die blau-gelb dekorierte Halle ist währenddessen bereits mehr als gut gefüllt und wartet auf den Hauptakteur des Abends.
19.20 Uhr: Es geht los. Ein gut gelaunter Karl Moser betritt die Bühne, hinter ihm ziert ein „Alles Gute zum Geburtstag“-Plakat die Sprossenwand. Die Beschlussfähigkeit des Gemeinderates wird festgestellt und die Sitzung eröffnet.
19.30 Uhr: Die Ehrengäste sind begrüßt. Moser wirft einen Blick zurück in die Geschichte: Tags zuvor, am 8. Mai, wurde in Österreich der Befreiung vom Nationalsozialisums und dem Ende des zweiten Weltkrieges gedacht. „Der eine wartet bis die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt“, sei eines seiner Mottos gewesen, das ihn durch sein Leben begleitet hätte, leitet Moser zur Nachfolgefrage über. VP-Vizebürgermeisterin Veronika Schroll wird dem Gemeinderat am 1. Juni zur Wahl als Bürgermeisterin vorgeschlagen. „Die Schienen für die Zukunft sind damit gut gelegt“, so Moser.
19.35 Uhr: Es gibt einen Wechsel auf der Bühne. Die fast designierte Bürgermeisterin Veronika Schroll stellt sich hinter das Mikrophon. „Karl Moser war beseelt davon, unsere Heimat weiterzuentwickeln. Er hat die Gemeinde nachhaltig geprägt“, spricht sie durch dieses. Auf eine Leinwand wird eine Power-Point-Präsentation projiziert: Einen frischgebackenen 34-jährigen Bürgermeister Karl Moser, einen im Anzug im Yspertaler Hallenbad plantschenden Karl Moser, einen den ersten HLUW-Yspertal-Maturanten gratulierenden Karl Moser und noch viele weitere Karl Mosers gibt es zu sehen.
19.50 Uhr: Schroll übergibt wieder an Moser, der nun Danke an seine Wegbegleiter sagen möchte.
20.12 Uhr: Nun möchten die Wegbegleiter Danke an Karl Moser sagen. Geschenke werden überreicht, Hände werden geschüttelt, Bussis werden auf Wangen gedrückt und in die Kameras wird gelacht.
20.30 Uhr: In Klagenfurt hätte der Anpfiff für das Cup-Finalspiel ertönen sollen. Kilometerlange Staus, die die Stadt lahm legen und rebellische Sturmanhänger stellen die Fußballfans allerdings auf eine Geduldsprobe. Der Spielbeginn wird auf 20.45 Uhr verschoben. In Yspertal ist Moser mittlerweile Ehrenbürger.
20.49 Uhr: Drei Sitzungsgäste – Bauernbundfunktionär Leopold Gruber-Doberer, Gemeindebundpräsident Alfred Riedl und VP-Landesrat Ludwig Schleritzko – werden zum Rednerpult gebeten. Im Wörtherseestadion wird endlich um den Cup-Titel gekämpft.
21:01 Uhr: Schleritzko spricht von Ausnahmepolitikern und -menschen. „Gewaltig“ sei die Leistung Mosers gewesen. In Klagenfurt hat das Cup-Finale Fahrt aufgenommen. Salzburgs Verteidiger Caleta-Car holt sich nach einem Foul an Sturms Hierländer eine gelbe Karte ab.
21.08 Uhr: Goalgetter Zulj schießt am Tor der Salzburger vorbei. In Yspertal ist nochmals Karl Moser am Wort. Es ist soweit. Er erklärt die Gemeinderatssitzung für geschlossen und tritt ab. Die Musikkapelle stimmt die Landeshymne an.
21.10 Uhr: In der Sporthalle wird applaudiert und das Buffet eröffnet. Es darf gefeiert werden.
23.05 Uhr: Tor in Klagenfurt. Hierländer trifft in der Verlängerung für Sturm Graz zum 1:0.
23.16 Uhr: Schlusspfiff und Jubel bei den Fußballfans der Schwarzen: Die Salzburger wurden besiegt. Sturm Graz darf sich Cup-Sieger 2018 nennen. In Yspertal wird weiter gefeiert.


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