Nachwuchstalent: Zwettlerin Magdalena Mikesch startet mit Theaterensemble durch
ZWETTL. Sie ist erst 23 Jahre jung, bringt aber fast genauso so viel Jahre an Bühnenerfahrung mit sich und hat sich bereits mit einem eigenen Ensemble selbstständig gemacht: Magdalena Mikesch. Im Gespräch mit Tips plauderte sie über ihre berufliche Leidenschaft, das gleichzeitig harte Geschäft in der freien Szene, über Lampenfieber und ihre Zwettler Theaterfamilie.

Ihre zweite Produktion liegt hinter ihnen, „Schöne neue Welt“ war erfolgreich. „Eine Kritik war sogar so gut, dass die Leute denken müssen, wir hätten die eingekauft“, lacht Magdalena Mikesch. Gerade ist sie mit Kalkulationen und Abrechnung beschäftigt, ja auch das muss sein. „Wenn man es noch mit so viel Herzblut macht, darf man trotzdem nicht vergessen, auch wirtschaftlich zu denken, schließlich muss man ja davon leben können.“
Eigenes Ensemble
Die 23-Jährige gründete vor zwei Jahren gemeinsam mit Tobias Schilling und Marius Zernatto das „Ensemble distrACT“ und steht seitdem auf eigenen Beinen. „Ich habe die beiden vom Studium her gekannt, es war schon immer unser Traum, uns mit einem Ensemble selbstständig zu machen“, erzählt sie.
Vielleicht sei das damals ein wenig naiv gewesen, in Anbetracht dessen, was tatsächlich auf einen zukommt. Aber all das war und ist es definitiv wert, denn „wir drei ergänzen uns perfekt und harmonieren, sowohl arbeitstechnisch als auch freundschaftlich, sehr gut miteinander. Ich bin sehr happy, dass wir uns gefunden haben.“ Ein großes Danke gilt auch ihren Familien, die das junge Ensemble unterstützen und jederzeit bedingungslos mit anpacken, wenn helfende Hände gebraucht werden.
Theaterfamilie Mikesch
Übrigens: Das Theaterfieber hat offensichtlich alle in der Mikesch-Familie gepackt: Ihr Vater Oberarzt Martin Mikesch baut das Bühnenbild für die Theatergruppe Zwettl, ihre Mama Michaela Mikesch, trat als Schauspielerin und Regisseurin in die Fußstapfen ihrer Eltern, die das Theater im Neukloster in Wiener Neustadt gründeten.
„Ich glaube mein Papa hat anfangs einige Male den Clown in Wiener Neustadt gespielt, nur um mehr Zeit mit meiner Mutter verbringen zu können, das finde ich eine sehr liebe Geste“, verrät die junge Künstlerin.
So ist es nicht verwunderlich, dass Tochter Magdalena bereits im ersten Lebensjahr Bühnenluft schnupperte. „Ich bin eigentlich im und mit dem Theater aufgewachsen, habe jedes Jahr bei ein, zwei Musicals mitgespielt. Es ist mir mehr oder weniger schon in die Wiege gelegt worden“, schmunzelt die 23- Jährige.
Nicht zuletzt schlüpfen ihre Geschwister dann und wann in Theaterrollen, ihr Bruder übernimmt weiters auch Marketingagenden wie die grafische Gestaltung der Folder oder die Bearbeitung von Fotos.
Ob anfangs in Wiener Neustadt oder in mehreren Produktionen der Zwettler Theatergruppe, später dann im Ateliertheater, im Volks- oder Raimundtheater - die Wochenenden verbrachte Magdalena Mikesch im Theater. Dabei war die Schule nicht immer das Wichtigste, gibt sie zu. So wurde schon mal nach einer Theateraufführung abends, am nächsten Tag die Deutschmatura absolviert - erfolgreich. Nach der Reifeprüfung im Gymnasium Zwettl, folgte ein dreijähriges Schauspielstudium. Mit der paritätischen Bühnenreifeprüfung im Theater in der Josefstadt stand der Selbstständigkeit nichts mehr im Wege.
Kein Tag ist wie der andere
„Dann bist du auf dich gestellt, aber ich brauche auch das Ungewisse - du kannst jeden Tag eine Mail bekommen, die dir neue Aufträge beschert, kein Tag ist wie der andere“, beschreibt Mikesch das für sie Reizvolle. Auch wenn die Ungewissheit manchmal anstrengend sei, steht der Spaß an dem Beruf im Vordergrund. „Ich weiß ja nie, wo es mich hinverschlägt - in dieser Sparte stehen einem so viele Türen offen, vom Film, über die Bühne bis hin zum Sprecher“, spricht sie von den zahlreichen Möglichkeiten, hier Fuß zu fassen.
Es ist hart, von der Schauspielerei leben zu können, vor allem in der freien Szene, meint Mikesch. Deswegen sei es gerade am Anfang wichtig, mehrere Standbeine zu haben. Ein konkretes Ziel für die nächsten Jahre gäbe es keines. „Ich möchte mir so viel wie möglich offen halten, auch so viele verschiedene Rollen und Charakteren probiert haben, alles einmal abgehakt haben in meinem Leben, das wäre schön.“
Eines würde sie definitiv gerne machen: eine starke Frau wie Maria Stuart oder Antigone zu verkörpern sowie als Polizistin in einem österreichischen Krimi mitzuwirken. „Man kann ja träumen“, lacht sie.
Produktionen mit Tiefgang
Und was steht als nächstes am Programm? „Vielleicht eine Komödie à la Shakespeare, ein Klassiker wäre schon toll.“ Der Bühnenpremiere geht immer eine intensive Beschäftigung mit dem Thema voraus.
Denn Botschaften setzen, das Publikum zum Nachdenken anregen, das ist stets auch die Intention des jungen Ensembles. Ihre ersten beiden Produktionen waren definitiv Stücke mit Tiefgang. Ob es nun Kindesmissbrauch in „Täter“ oder die gegliederte Gesellschaft in „Schöne neue Welt“ ist, wo die Menschen künstlich produziert und konditioniert werden - eine Verharmlosung ist nicht ihr Ziel, das Wegschauen fehl am Platz. „Heute wollen viele Menschen gerne ein Happy End sehen und mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.“
Dennoch: „Schöne neue Welt“ war ein voller Erfolg, daher ist eine Wiederaufnahme nicht ausgeschlossen, wie Mikesch freudig verrät. Und wie steht“s mit dem Lampenfieber? „Das hält sich mittlerweile sehr in Grenzen!“, erzählt die 23-Jährige.
„Möchte nie stehenbleiben“
Magdalena Mikesch würde sich als orientiert und chaotisch zugleich beschreiben. Als offene, motivierte, aufgeschlossene und sehr freiheitsliebende Person. Verlässlich aus organisatorischer Sicht und trotzdem mit einer gewissen künstlerischen Ader.
Nur wenige Momente gäbe es, wo sie nach außen hin zerbrechlich wirke, meint sie. „Das kommt sehr selten zum Vorschein, ich bin bodenständig und lasse mich kaum aus der Ruhe bringen“, so die Wahlwienerin, die übrigens gerne einmal im Waldviertler Hoftheater spielen würde.
Und ihre Vision? „Dass ich in dem Beruf verweilen und davon leben kann, dass ich mich stets weiterentwickeln darf und nie stehenbleibe!“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden