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ZWETTL. Eigentlich wollte Umar Gelishanov wie jeden Morgen in die Fachschule für wirtschaftliche Berufe (FW) Zwettl aufbrechen, doch daraus sollte nichts werden. Denn die Polizei stand plötzlich gestern früh, am 4. April vor der Tür und nahm den 17-Jährigen mit, er wird abgeschoben. Seine Lehrer und Mitschüler zeigen sich tief betroffen.

Die Klasse mit den beiden Lehrerinnen Sylvia Ledermüller und Regina Mayer-Uitz Foto: FW Zwettl
  1 / 2   Die Klasse mit den beiden Lehrerinnen Sylvia Ledermüller und Regina Mayer-Uitz Foto: FW Zwettl

„Er war einer der fleißigsten Schüler überhaupt, hat eine der besten Rechnungswesen-Schularbeiten geschrieben. Wir waren gestern alle sehr erschüttert“, so die Schuldirektorin Friederike Wieseneder.

Schüler mit Bestnoten

Umar Gelishanov flüchtete im Vorjahr mit seiner Schwester und seiner Mutter über Italien nach Österreich. Christl Bauer nahm sich ihrer an und setzte sich auch für einen Schulplatz ein. Am 10. Jänner 2017 wurde der 17-jährige Tschetschene als außerordentlicher Schüler in die Übergangsklasse der Fachschule Zwettl aufgenommen.

Vom ersten Tag an fiel er durch außergewöhnlichen Fleiß, seine Intelligenz und seine überaus rasche Auffassungsgabe auf, heißt es seitens der Schule. In kurzer Zeit beherrschte er die deutsche Sprache soweit, dass er am 2. März die A2- Prüfung (Deutsch) mit „Sehr gut“ bestand. Aufgrund seiner großen Fortschritte, wurde ihm mit 1. April der Status eines sogenannten „ordentlichen“ Schülers zuerkannt und damit galt er als ganz „normaler“ Schüler. Erst kürzlich hat er wieder eine Bestnote in Deutsch abgeliefert, so seine Lehrerin Regina Mayer-Uitz über Umar, den in seiner Heimat nur noch wenige Prüfungen von der Universität trennten.

Plötzlich stand die Polizei vor der Tür

Doch mit dem gestrigen Tag, dem 4. April, sollte sich Umars Leben erneut auf den Kopf stellen. Gegen 7 Uhr früh klingelte die Polizei an der Tür - zurück nach Italien, so hieß es gemäß dem Dublin-Abkommen. Zwar erhielt die Familie Gelishanov bereits im März einen negativen Asylbescheid, die Betreuer erhoben aber dagegen in St. Pölten Einspruch. Danach hörte man nichts mehr, bis gestern, als Dienstagfrüh die Abschiebung plötzlich real wurde. Gegen halb acht Uhr schickte Umar noch eine SMS an seine Klassenlehrerin, dass er nicht in die Schule kommen werde. Gerne würde er sich aber noch sein A2-Zertifikat holen. „Das Traurige: Es passierte so plötzlich, ohne Vorwarnung“, so Mayer-Uitz die sich fassungslos zeigte, dass über alle, ohne Unterschiede zu machen, „drüber gefahren werde“. Sie glaube allerdings nicht daran, dass sich das Blatt noch wenden könne.

Derzeit befindet sich Umar getrennt von seiner Schwester und seiner Mutter im Polizeianhaltezentrum in Wien, wie sie durch einen Anruf erfahren hat. Der 17-Jährige Tschetschene würde auf alle Fälle gerne wieder nach Zwettl zurückkommen.


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