Urlaubsplanung: „Eine Kreuzfahrt ist so ziemlich das Unverantwortlichste“
BEZIRK ZWETTL. Viele haben es schon getan, andere werden es noch tun: ihren Sommerurlaub buchen. Wohin es die Zwettler zieht und warum es absolut sinnvoll wäre, sich auch bei der Urlaubsplanung so seine Gedanken zu machen, darüber hat Tips nachgeforscht.

„Besonders begehrt ist heuer Spanien. Griechenland wird gegenüber dem vorigen Jahr auch wieder mehr gebucht. Italien und Kroatien – sind bei uns äußerst beliebte Ziele, die man mit dem Auto gut erreichen kann“, schildert Elisabeth Floh, Leiterin von Raiffeisen Reisen Zwettl ihre Erfahrungen. Im Gegensatz zu der Türkei, wo es „die Zwettler“ derzeit gar nicht mehr hinzieht. Und die Destination Ägypten werde nur vereinzelt gewählt.
Jetzt, in den ersten drei Monaten des Jahres bucht der Großteil seinen Sommerurlaub 2017. Viele davon suchen über das Internet ihr Schnäppchen, darunter leide natürlich das klassische Reisebüro, so Floh. Gleichzeitig sind das oft die „08/15-Sachen“, bei individuellen und komplexeren Reisen greift man wiederum gerne auf kompetente Beratung zurück. „Grundsätzlich sind die Zwettler heuer wieder ein wenig reisefreudiger als im Vorjahr. Was Fernreisen betrifft, halten sie sich allerdings noch vielfach zurück.“Wenn Fernreisen, dann bevorzugt Thailand, Kuba oder die Dominikanische Republik.
Während Familien gerne „All-Inclusive“ Reisen wählen, erfreut sich der individuelle Urlaub, zum Beispiel eine Rundreise über mehrere Destinationen, zunehmender Beliebtheit. Nach wie vor sehr gefragt im Bezirk sind Kreuzfahrten, gibt Elisabeth Floh Auskunft. Und was diese Art zu reisen betrifft, stößt es Susanna Hagen sauer auf, nicht zuletzt aufgrund eigener, einprägsamer Erlebnisse.
Verantwortungsbewusst reisen
„Also mit einem Engländer oder einem Deutschen durch Mallorca zu fahren, das hat mich noch nie interessiert“, grinst Susanna Hagen. Die Reisejournalistin, die schon in Afrika und Asien gelebt hat, beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit „Responsible Travel“, also mit dem verantwortungsvollem Reisen. Das kann sich vielfach positiv auswirken, ist sie überzeugt. Zum Beispiel auf die Verbesserung der Lebensqualität der dort wohnhaften Menschen oder auf den Umweltschutz im besuchten Land.
Wie das funktionieren soll? Der Tourismus, für den Susanna plädiert, beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, wie man den Urlaubsort erreicht, sondern auch, wie man die Zeit dort verbringt. „Ich reise irrsinnig gerne und wenn die Leute dort auch noch etwas haben davon, freut es mich umso mehr. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht unbedingt die Umwelt schädige, bin ich glücklich und wenn ich spüre, einen echten, authentischen Urlaub erlebt zu haben, dann ist das unbeschreiblich“, meint die 56-jährige. Dennoch, werden sich jetzt einige denken, wie kann Tourismus nachhaltig oder gar „grün“ sein? „Bei der Form des Reisens die mir vorschwebt, geht es darum, gewisse Standards zu setzen. Warum muss es verantwortungslose Reisen überhaupt geben?“
Wichtige Einnahmequelle
So gäbe es Studien, die besagen, dass einer von zwölf Personen weltweit von Tourismus abhänge, es ist dies oft eine wichtige Einnahmequelle für die lokale Bevölkerung. Das bedeutet aber gleichzeitig, die Wertschöpfung muss vor Ort ankommen, die Region, konkret die Einheimischen, sollen von den Reisenden profitieren. Stutzig werden darf man dann, wenn im gewählten Urlaubsziel der Kontakt zur lokalen Bevölkerung nicht gegeben ist. „Fliege auf die Malediven und du wirst nicht viele Einheimische treffen.“ Vielmehr sind auf dem paradiesischen Inselstaat billige Arbeitskräfte oder Praktikanten gefragt, denn letztlich gehe es immer ums Geld. Von einem unnachhaltigen Tourismus redet man zum Beispiel in unseren Breiten auch dann, „wenn Frauen aus der Türkei Zimmer im Akkord putzen müssen um 1,83 Euro. Und das ist genau das Gegenteil, von dem was ich empfehlen würde.“
Kreuzfahrten
Ein weiteres Negativbeispiel für Susanna im Sinne des verantwortungsvollen Reisens sind Kreuzfahrten, „Bei einer Kreuzfahrt kauft man den Luxus am Schiff, aber nicht die Destination“. Zudem ergehe es den meisten Angestellten auf den Ozeanriesen schlecht, meint Susanna und bringt ein Beispiel eines bekannten Anbieters: Es geht nach Haiti, dort wurde ein Strand von der Kreuzschifffahrtsgesellschaft für 90 Jahre gepachtet. Dieser ganze Abschnitt wird eigens für die Touristen präpariert, dekoriert, in ein vermeintliches Paradies verwandelt. Kulinarische Genüsse, soweit das Auge reicht, eine Band, die den Strand bespielt - die Urlaubsidylle scheint perfekt. Aber der Strand ist eingezäunt und hinter dem Zaun ist die Armut. „Dort stehen die Haitianer und zeigen dir den Mittelfinger. Das alles zu sehen, ist für die ein Wahnsinn. Und das war schon vor dem Erdbeben, der Strand wird aber nach wie vor bespielt.“
Praktisch umgesetzt
Wie man auch beim Reisen Verantwortung übernehmen kann? Der beste Weg wäre erstmal, sich ausführlich über das Urlaubsziel zu informieren. Möchte man Zeit sparen, wendet man sich am besten an ein mit dem CSR-Siegel (Corporate Social Responsibility) ausgezeichnetes Reisebüro. In Österreich hinke man diesbezüglich ein wenig nach, einige kleinere Veranstalter gibt es aber, weiß Susanna.
Fündig wird man auch beim Österreichischen Umweltzeichen für Tourismus. In der Schweiz wird dem Thema schon mehr Platz eingeräumt und auch in Deutschland wird mit dem „Forum Anders Reisen“, einem Zusammenschluss von Reiseunternehmen, die sich dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet haben, eine tolle Plattform geboten.
Der ökologische Aspekt ist ebenso ein wichtiger, daher gilt grundsätzlich: Zug oder Bahn vor Flugzeug. Wenn fliegen, dann Kurztrips vermeiden. Es gibt auch die Möglichkeit, Flugkilometer rechnerisch zu kompensieren. Je nach verbrauchtem Flugkilometer wird ein gewisser Beitrag für Klimaschutzprojekte verwendet. Allerdings würden das noch nicht viele machen, weiß Susanna. Ihrer Meinung nach gehöre diese Kompensation aber in Flugreisen inkludiert.
Kleine Hotels statt große Ketten
Am Zielort angekommen, bedeutet es weiter, Clubs, bei denen das Geld außer Landes gepumpt wird, zu vermeiden und stattdessen in kleinen Hotels oder B&B zu nächtigen. Oder beim lokalen Wirten gute regionale Kost zu genießen.
Dies gilt ebenso für die vielen anderen Dienstleistungen, die man im Urlaub in Anspruch nimmt. Reiseerlebnisse, die sich an Mensch und Umwelt orientieren. „Ich kenne viele Projekte in Afrika, wo Naturschutz mit Tourismus betrieben wird. Ohne diesem Geld wäre kein Umweltschutz möglich“, so Susanna. In Ruanda werden beispielsweise ehemalige Wilderer zu Reiseführern ausgebildet, die den Touristen ein unglaubliches Gorilla-Erlebnis bescheren. Susanna weiß, wovon sie spricht, schließlich hat sie das Gorilla-Trekking schon hautnah miterlebt. Begleitet von Wissenschaftlern kann man die größten lebenden Primaten eine Stunde lang beobachten, darf sich ihnen aber nicht mehr als sieben Metern nähern. „Das ist der Gegensatz zu den ganzen Orlando-Attraktionen, wo Tiere zur Schau gezeigt werden. Das am besten tunlichst meiden, auch wenn man Kinder hat“, ruft die 56-jährige auf.
Internationale Jahr des nachhaltigen Tourismus
„Das Größte, das man sich von einer Reise mitnehmen kann, sind die vielen Erinnerungen, es sind vor allem die Begegnungen mit Menschen, die hängenbleiben.“ Und Reisen prägt nicht zuletzt die Persönlichkeit. „Ich glaube, sämtliche Spuren von Engstirnigkeit, die vielleicht da gewesen sind, sind weggeblasen“, schmunzelt Susanna, die sich wünschen würde, dass der Begriff „Responsible Travel“ in zehn Jahren nicht mehr erläutert werden muss. Übrigens erklärte die UNO das heurige Jahr zum internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus.


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