Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Berührende Erzählungen einer Holocaust-Überlebenden: „Frieden ist leise“

Katharina Vogl, 01.05.2018 07:30

ZWETTL. Das Klingeln an der Tür macht ihr heute noch Angst, sieben Jahre Hitler hätten sie sehr geprägt: Am 29. April wurde in Zwettl die besondere Gelegenheit geboten, dem Vortrag von Lucia Heilman zu lauschen, einer Holocaust-Überlebenden. Die 88-Jährige ist einer der letzten Zeitzeugen und möchte damit dem Vergessen dieser schrecklichen Zeit entgegenwirken.

  1 / 9   Zeitzeugin Lucia Heilman berührte mit ihren Erzählungen aus der Zeit des NS-Regimes. Fotos: Tips/Franz Fichtinger

Der Vortrag knüpfte thematisch an die Produktion der Theatergruppe Zwettl „Der Bockerer“ an, die im heurigen Gedenkjahr, 80 Jahre nach dem Anschluss an das Deutsche Reich, auf die Bühne gebracht wurde. Mit dem Erlös der Premierenveranstaltung wurde nun der Vortrag mit Lucia Heilman im Zwettler Stadtsaal sowie an Zwettler Schulen organisiert.

„Das Klingeln an der Tür macht mir heute noch Angst“

Im Stadtsaal war es über weite Strecken bedrückend ruhig, als Heilman erzählte, wie sich jahrelanges Verstecken vor den Nazis anfühlt, wie der Freund des Vaters ihr und ihrer Mutter Unterschlupf bot und sich damit selbst in Lebensgefahr brachte. Das Klingeln an der Tür mache ihr noch heute Angst, damals wusste man nicht, ob die SS vor der Haustür stehe.

Sofort nach dem Anschluss habe sie als Jüdin die Schule verlassen müssen, ihre Mutter wurde entlassen, die Milchfrau habe ihnen keine Milch mehr verkauft und ihre Wohnung wurde arisiert.

Im Versteck auf das Kriegsende gewartet“

Wie haben Sie in Ihrem Versteck bemerkt, dass der Krieg zu Ende ist?“ Es sei plötzlich still gewesen, keine Flugzeuggeschwader mehr, keine Bomben und Granaten, keine Panzer und Maschinengewehre. Krieg ist laut, Frieden ist leise...

Heilman schweifte aber auch ab und widmete sich Themen der Jetztzeit: „Damals hat man dafür gekämpft, statt zehn nur acht Stunden zu arbeiten. Heute spricht man von zwölf Stunden. Als Ärztin sage ich Ihnen, dass das nicht gut ist.“ Und: „Ich verstehe das nicht...“

„Sieben Jahre Hitler haben mich sehr geprägt“

Damit bot der Theaterverein allen Interessierten die Möglichkeit, aus erster Hand zu erfahren, wie das Leben zwischen 1938 und 1945 tatsächlich war. „Sieben Jahre Hitler haben mich sehr geprägt“, so Heilman, die als Ärztin arbeitete und vor einiger Zeit auch im Rahmen der Aufführung „Die letzten Zeugen“ im Wiener Burgtheater auftrat.

„Nicht vergessen“

Ihr ist es wichtig, über ihre einschneidenden und tief prägenden Kindheitserlebnisse zu sprechen, damit diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät. Daher will sie mit ihrem Vortrag ansatzweise spüren lassen, wie es war, mit dem Grundgefühl „Angst“ jahrelang leben zu müssen.


Mehr zum Thema


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden