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Leserartikel Eva Leutgeb, 02.12.2019 10:32

ZWETTL. Der Saal ist voll, wenn Kräuterpädagogin und Autorin Eunike Grahofer ihre Vorträge hält. So auch in Zwettl, wo sie der Einladung von Michaela Schierhuber folgte und Spannendes über die Welt des Räucherns und der Rauhnächte den Teilnehmern näherbrachte.

  1 / 2   Beim Ausräuchern sollte man am untersten Punkt im Haus anfangen, die Kästen aufmachen und in alle Ecken schwenken.

Die alte Tradition des Ausräucherns, vor allem zu Weihnachten, wird heute noch gerne ausgeführt – ob zum Desinfizieren, zur energetischen Reinigung oder einfach nur, weil es herrlich duftet. „Wenn wir räuchern, machen wir die Sonne nach“, erklärt die Kräuterpädagogin. Die Kräuter, die dafür verwendet werden, sollen nach heißen, sonnigen Tagen gesammelt werden, dann sind die ätherischen Öle am intensivsten. Das Sammeln selber soll gemächlich vor sich gehen. Der Körper speichert Gerüche und Situationen und wird im Gehirn dokumentiert. Die ätherischen Öle, die beim Räuchern frei werden, rufen also sofort Erinnerungen hervor. Das erklärt, warum die Kräuter mit Bedacht gesammelt werden sollen und somit in den kalten Winternächten auch die Sonne wieder ins Gemüt holen. Viel interessantes Wissen zu den Kräutern liefert Eunike Grahofer im dreistündigen Workshop. So zum Beispiel über den typischen Weihrauch, der gerne zum Räuchern verwendet wird. „Es gibt nicht die Menge an Weihrauch, die der Handel bräuchte“, weiß sie. Echten Weihrauch erkennt man daran, dass noch kleine Stückchen Rinde drauf sind und der meiste im Handel erhältliche Weihrauch sei chemische Verbindung. In Österreich muss eine Räuchermischung nicht deklariert werden. Und einen kleinen geschichtlichen Ausflug nach Griechenland gibt es oben drauf: Das Kloster auf der Halbinsel Athos ist ein „Weihrauch-Kloster“, wo Rosen hineingeknetet werden.

Rituale gleichen sich auf der ganzen Welt

Aufschlussreiches gibt es auch über den Beifuß. Dieser ist neben der reinigenden und muskelentspannenden Wirkung auch gut, wenn man etwas loswerden will, was einen „wurmt“ – sprich ärgert. Beifuß kommt auf der ganzen Erde vor. Die rituelle Vorgehensweise ist auf der ganzen Erde gleich. „Wenn jedes Volk das gleich macht, dann muss etwas dran sein“, so Grahofer. Noch lange, bevor es ätherische Öle zum Kaufen gab, wurde damit viel desinfiziert. Im orientalischen Raum stellen sich heute noch die Frauen über das Räucherwerk, um sich zu „parfümieren“ und zu reinigen.

Tradition der Rauhnächte

Mit den Rauhnächten ist auch der Tag gemeint. Von Nacht spricht man, weil dies die dunkelste Zeit des Jahres von 24. Dezember bis 6. Jänner bezeichnet. Es soll eine Zeit der „inneren Schau“ sein. Eine Zeit in der das körperliche System runtergefahren wird und wo alles langsam geht. Genau in diese Zeit fallen auch die Rituale des Räucherns. So soll diese Zeit dafür genutzt werden, in sich zu kehren, zur Ruhe zu kommen und sich fürs nächste Jahr eventuell aufzuschreiben, was man sich wünscht. Eunike Grahofer weiß das, denn ihre Wünsche gehen immer in Erfüllung.


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