Die positiven Aspekte der Krise
BEZIRK ZWETTL. Schulen und Geschäfte hatten geschlossen, Freunde konnte man nicht treffen und das Klopapier war ausverkauft. Die Coronakrise hat die Wirtschaft stark gebeutelt. Jede Krise bedeutet gleichzeitig aber auch eine Chance für Neues und ein Umdenken. Das bringt positive Effekte mit sich.

Eines ist sicher, das Jahr 2020 wird in die Geschichte eingehen. Welche Berufsgruppen wirklich wichtig sind, das zeigte sich anhand der Pandemie. Das sind vor allem die Gesundheitsberufe und Lebensmittelhändler und hier speziell die Bauern der Region. Und das führt gleich zum neuen Umdenken:
Regional statt global
Die Tragweite des globalen Einkaufes wird jetzt besonders bewusst. Das regionale Einkaufen rückt in den Vordergrund. Ab Hof Verkauf beim Bauern, Bioprodukte und die ansässige Wirtschaft kräftigen, hat eine stärkere Bedeutung erlangt. Tips hat für den regionalen Einkauf eine Seite eingerichtet, in der sich alle Firmen eintragen können: www.tips.at/kaufeindaheim Genauso kann man – oder besser wird man – den Urlaub dieses Jahr in Österreich verbringen und das Geld im Heimatland ausgeben. Und das ist keineswegs ein Verlust, denn Österreich ist ein schönes Land mit viel Kultur. Unter dem Motto „Das Gute liegt so nah“ erwartet der Waldviertel Tourismus dieses Jahr einen Boom.
Persönliche Inventur
Nicht nur Supermärkte können Inventur machen. Durch Kurzarbeit haben viele mehr Zeit gehabt, sich über die Wichtigkeit im persönlichen Bereich Gedanken zu machen. Ausmisten im eigenen Haushalt stand an der Tagesordnung. Unerledigte Sachen konnten aufgearbeitet und verlorene Werte neu entdeckt werden. Im psychischen Bereich bedeutete das herauszufinden, was einem im Leben Freude bereitet oder was aus dem Leben verschwinden soll.
Homeoffice im Pyjama
In einer Minute vom Bett zum Arbeitsplatz. Dieser geringe Zeitaufwand des Arbeitsweges ist nicht zu toppen. Kein Stylen, kein zeitiges Aufstehen, keine Anfahrt und kein Stau, Pausen einlegen, wann man sie braucht, haben viele als äußerst positiv bewertet. Und möglicherweise gibt es zu Hause weniger Ablenkung, als in einem Großraumbüro, wo ständig das Telefon läutet. Vor allem, wenn die Kinder mit Lernen beschäftigt sind.
Die wunderbare Welt des Minimalismus
Der Kapitalismus wurde ans Limit getrieben. Es schien so, als dass man außer Klopapier, Nudeln und Germwürferl nichts benötigt. Weniger ist mehr. Minimalismus hat etwas mit Genießen zu tun. Es liegt in der Natur der Sache, dass man über Dinge, die einem gefallen, möglichst unbegrenzt verfügen will. Besteht ein Überangebot an Genussreizen, wird es immer schwieriger Genuss zu erleben. Sich auf das Wesentliche in allen Lebensbereichen zu beschränken, macht Dinge vermutlich einfacher.
Entschleunigung
Schneller, höher, weiter, mehr… „Adieu Hektik und sinnlose Hast in vielen Lebensbereichen“, das konnten viele genießen. „Raus aus dem Hamsterrad“, hieß es gezwungenermaßen für Kurzarbeitende. Zur Entschleunigung gehören viele Dinge, so auch der Minimalismus. Genussvolles Essen zu Hause, Selbstgekochtes bringt Bewusstsein für natürliche Zutaten mit – Slow Food statt Fast Food.
Fauna und Flora atmen auf
Während die von der Corona-Krankheit Betroffenen und Isolierten kämpften, ging es einem gut, und das ist der Planet Erde. Von der Ausgangsbeschränkung hat vor allem die Natur profitiert. Die Luftverschmutzung ist zurückgegangen. Der Feuersalamander konnte im Waldviertel wieder öfters beobachtet werden. Zeit sich Gedanken darüber zu machen. Mit der Corona-Pandemie sendet uns die Natur eine Botschaft, verlautbarte kürzlich Inger Andersen, Direktorin des UN-Umweltprogramms.
Hygiene neu gelernt
Wie wichtig Hygiene ist, weiß man. Umsetzen ist etwas anderes. Seifennachfüllpackungen, Händedesinfektion und Einweghandschuhe waren ausverkauft. Zur Vermeidung der Übertragung von Krankheitserregern gehört das Händewaschen zu den Standardmaßnahmen und ist nun in den Köpfen fest verankert. Diese neue Hygiene führt auch dazu, dass andere ansteckende Atemwegserkrankungen wie Grippe, Husten, Schnupfen und Halsschmerzen oder Magen-Darm-Infektionen weniger Chance haben.
Live-Konzerte aus dem Wohnzimmer
Theater und Konzerte sind abgesagt. Professionelle Musiker und Schauspieler mit Herzblut macht das nicht nur finanziell zu schaffen. Viele Künstler richteten Videobotschaften an ihre Fans. Tips hat eine Plattform mit Hauskonzerten erstellt, auf der viele ihre Musikbeiträge online stellten, unter anderem auch die Zwettler Comedian Vocalists, die mit ihrer eigenen lustigen Version von „Ich wollt ich wär ein Huhn“ punkteten: www.tips.at/hauskonzert.
Kriminalitätsrate gesunken
Kriminelle haben zwar einen anderen Weg gefunden, um die Angst und Verunsicherung der Leute auszunutzen, vor allem online. Einbrüche und KFZ-Diebstähle seien jedoch laut Innenministerium zurückgegangen. Grenzen sind geschlossen und dass Eigentümer in den Wohnungen sitzen, machte den Ganoven ihren „Beruf“ schwer.
Nachbarschaftshilfe und Solidarität
Nachbarn boten Einkäufe für ältere Menschen an, die auf Hilfe angewiesen waren. Verschiedenste Einkaufs-Hilfsangebote wurden eingerichtet. „Wir halten zusammen“, das zeigt sich in Hilfsbereitschaft, Höflichkeit und im Abstand halten. Solidarität zeigten vor allem Ärzte, Pfleger oder Angestellte, die trotz Ausgangsbeschränkungen in Altenheimen und Supermärkten ihrer Arbeit nachgehen mussten.
Die Vorteile einer Krise lassen sich mit einem Zitat von Goethe beschreiben: „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Oder anders gesagt: „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus“.


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