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MOIDRAMS. Derzeit ist in Moid­rams die Kommassierung im Gange, Felder werden zusammengelegt, die Raine bleiben dabei flächenmäßig erhalten. Grundsätzlich sehr erfreulich, meint Biologe Ewald Altenhofer, warum es ihm dennoch sauer aufstößt, erzählt er in einem Tips-Gespräch.

Feldraine - ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Foto: Ewald Altenhofer
  1 / 2   Feldraine - ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Foto: Ewald Altenhofer

„Ich war so begeistert, als ich gehört habe, dass bei der Zusammenlegung die Raine flächenmäßig erhalten bleiben, was mich allerdings irritiert, dass hier zukünftig standortfremde Sträucher Platz finden werden“, erläutert Naturexperte Altenhofer. Bäume sind auf den neuen zumeist vier Meter breiten Streifen gar nicht mehr vorgesehen, stattdessen dürften unter anderem Pfaffenhütchen, Roter Hartriegel, Liguster und Wolliger Schnellball Platz finden – diese angeführten Pflanzen kommen im Naturraum Zwettl gar nicht vor, argumentiert Altenhofer. Sie sind vielmehr in wärmeren Gebieten rund um Krems und im Wienerwald anzutreffen, da sie kalkreichere Böden bevorzugen. Einzig der Schlehdorn und die Heckenrose entsprechen dem bisherigen Artenbestand, weiteres typisches „Waldviertler Grün“ wie Vogelkirsche, Birke oder Hasel fehle auf den neuen Feldrainen. „Aus meiner Sichtweise sollen diese neu angelegten Hecken in ihrer Artenzusammensetzung und Struktur den Bestehenden nachgebaut werden, denn damit würde auf die kleinregionalen Gegebenheiten am besten Rücksicht genommen, dazu gehört auch ein dementsprechender Stockwerkaufbau von Krautschicht, Sträuchern und Bäumen.“ Wie bekannt sei, brauchen verschiedene Lebewesen auch verschiedene Lebensräume, ein Raubvogel sei beispielsweise auf Erhöhungen angewiesen.

Baustelle bis 2017

Die Einleitung des Zusammenlegungsverfahren in Moidrams (Verfahrensfläche von 165 Hektar) erfolgte bereits im August 2009, mit dem Ausbau begann man 2015, das voraussichtliche Ende der Kommassierung wird für 2017 erwartet, so die Auskunft von Operationsleiter Franz Liebscher (Agrarbezirksbehörde). Auf die Nachfrage, wie sich die neue Pflanzenzusammensetzung auf den Feldrainen rund um Moid­rams begründe, meinte die zuständige Ökologin Elisabeth Huter (Agrarbezirksbehörde), dass ein Drittel der Neuauspflanzungen aus Dornsträuchern bestehe. Höhere Sträuche oder Bäume dürfen aufgrund des Kulturflächenschutzgesetzes – das Mindestabstände zu landwirtschaftlichen Nutzflächen und Wuchshöhen vorschreibt – nicht berücksichtigt werden. Der an sich wertvolle Weißdorn fällt aufgrund der Feuerbrandgefahr ebenso weg. Letzteres ist für Ewald Altenhofer nachvollziehbar, so manche Gesetze wiederum nicht. Dennoch sei eine zeitgemäße Grundzusammenlegung völlig in Ordnung, „die Bauern haben es heute ohnehin schon wahnsinnig schwer“, aber jene Bodenreform, wie die Kommassierung in Moidrams von der Agrarbezirksbehörde bezeichnet wird, ist für den Biologen eine mit gravierenden Fehlern, die zu einer Qualitätsminderung und Verarmung im Landschaftsbild führt.

Wertvolles Gut

Feldraine sind seit Beginn der Bauerngeschichte fester Bestand und erfüllen wertvolle Aufgaben – wie Schutz vor Bodenerosionen oder Windschutzfunktion – gleichzeitig bieten sie die Basis für eine wundersame biologische Artenvielfalt. Während der Wacholder vor vielen Jahren noch auf den Waldviertler Rainen beheimatet war, ist er heute kaum noch vorzufinden, gibt der Experte ein Beispiel wieder. So sei ein winziger Schmuckstein zwar klein, aber extrem wertvoll, ebenso wie die vielfach unterschätzte Bauchspeicheldrüse – genauso kann und muss man die Ökologie verstehen, schließt Altenhofer.


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