Rinderhaltung: Bestandsrückgang macht Kopfzerbrechen
BEZIRK ZWETTL. Die Herausforderungen im Agrarsektor werden nicht weniger, stetige Preissprünge, globaler Druck, Exportverbote nach Russland, wachsende Auflagen. Der Trend setzt sich fort: Zunehmend mehr Bauern schmeißen das Handtuch, wie der aktuelle Rinderbestand erneut zeigt.

Ein Blick in den Bezirk zeigt einen kontinuierlichen Rückgang beim Gesamtbestand an Tieren sowie den Haltern im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verzeichnen die 24 Gemeinden um 72 Halter und 1046 Rinder weniger als noch 2014. Bis auf die Gemeinden Bärnkopf, Echsenbach und Schwarzenau kam es im vergangenen Jahr in jeder Kommune zu Auflösungen von Rinderhaltungen. Schaut man noch länger in die Vergangenheit, so ist die Zahl der Rinder seit 1999 um 16 Prozent gesunken, in reellen Zahlen bedeutet das einen Rückgang in diesen 16 Jahren von damals 54.114 Tieren auf nunmehr 45.321 Rinder (Stand Dezember 2015), ein kontinuierlicher Sinkflug also.
Zuchtversammlung
Bei der jüngsten Züchterversammlung des Groß Gerungser Vereins waren alle Experten an einem Tisch versammelt. Abseits der aktuellen Situation am Zuchtviehmarkt, der an diesem Tag im Fokus stand, macht der niedrige Milchpreis vielen konventionellen Bauern zu schaffen. Erich Praher, Berater in der Tierhaltung der Bezirksbauernkammer Zwettl im Tips-Gespräch: „Wir sind schon seit Langem den Weltmarktpreisen ausgesetzt und das trifft uns natürlich in allen Richtungen und mit voller Wucht.“ So werde der gute Biomilchpreis auf der anderen Seite nachweislich nicht in Österreich hervorgerufen, sondern durch den deutschen Markt. Und das bleibt auch im Bezirk nicht ohne Folgen, heuer haben sich bereits 20 Betriebe zur Umstellung auf Bio angemeldet, Tendenz steigend. Grundsätzlich sieht Praher aber dennoch viel Potential für Rinderbauern und zwar in der hervorragenden regionalen Qualität sowie in der Veredelung.
„Wenn jemand einen gut geführten mittleren Betrieb übernehmen darf, der wirtschaftlich halbwegs gut aufgestellt ist, dann wäre das meiner Ansicht nach der sicherste Arbeitsplatz.“ Erich Praher Bezirksbauernkammer Zwettl
Ohne Frage geht die Tendenz zwar auch im Bezirk hin zu größeren Betrieben, aber, „aus meiner Sicht hat ein kleinerer, mit wenig Fremdkapital ausgestatteter Familienbetrieb noch immer die besten Überlebenschancen.“ Dem stimmt auch Kurt Traxler, Obmann des Gerungser Rinderzuchtvereines zu und ergänzt: „Und das zweite bedeutende Standbein neben der Milchproduktion kann die Zuchtviehvermarktung sein.
Wissenschaft Zucht
Als stiller Zuhörer bei einer Rinderzuchtversammlung gewinnt man den Eindruck, dass es wohl eine hochkomplexe Materie sein muss. Traxler, der mit seinen Tieren selbst stets tolle Zuchtergebnisse vorweisen kann, bringt es im Tips-Gespräch auf den Punkt: „Man muss immer auf Zack sein, sich stetig informieren, den Willen und das notwendige Interesse mitbringen und vor allem seine Kühe im Stall kennen und sich mit ihnen befassen.“ Erich Praher definiert es folgendermaßen: „Einen guten Züchter macht aus, dass er bei vernünftigen wirtschaftlichen Kosten und einer guten züchterischen Arbeit schaut, dass er einen höchstmöglichen Ertrag erzielt.“ Den Ausdruck Spitzengenetik vermeide er ganz bewusst. Traxler plädiert ebenso dafür, Extreme zu vermeiden und spricht in dem Zusammenhang von der „guten mittelrahmigen Kuh“.
Ehrungen
Einige wenige Betriebe horten ganz besondere Schätze in ihrem Stall, die sogenannte 100.000-Liter-Kuh. Was den Zuchtverein Groß Gerungs angeht, hat Bauer Wilfried Hohl einen solchen Kapazunder mit seiner „Birke“ (103.000 kg, elf Kalbungen) im Stall. Zudem wurde er als bester Zuchtbetrieb im Verein ausgezeichnet. Eine solche Top-Kuh kann auch Josef Auer mit „Zelinka“ vorweisen (105.320 kg, zehn Kalbungen). „Das verlangt perfektes Management seitens des Landwirtes sowie eine optimale Genetik, für eine hohe Lebensleistung“, erläutert Obmann Kurt Traxler. Die Ehrung „Fleckvieh-Züchter des Jahres“ ging an Familie Holzmann aus Arbesbach. Praher als auch Traxler sind sich einig: Je intensiver die Beschäftigung mit der Materie, desto erfolgreicher wird man in der Zucht auch sein, eine kleine Nachlässigkeit – und schon sackt man ab. „Oft sind die Wachstumsschritte zu groß, ein Spitzenbetrieb mit 20 Kühen erlangt plötzlich Robotergröße, da entsteht neben dem psychischen Druck auch ein finanzieller, abgesehen von der vielen Arbeit, die daran hängt“, schließt Erich Praher. Um den Nachwuchs ist es im Groß Gerungser Zuchtverein jedenfalls gut bestellt – hier ist man optimistisch, dass die Betriebe auch zukünftig einen Nachfolger finden.
- Fleckvieh-Züchter des Jahres:Elisabeth & Wolfgang Holzmann, Arbesbach
- Bester Holsteinbetrieb:Franz & Anita Leutgeb, Rammelhof
- Beste Züchterfamilie – Fleckvieh: Wilfried Hohl, Oberrosenauerwald
- Top Dauerleistungskühe: Wilfried Hohl, „Birke“ 103.000 kg, elf Kalbungen, Josef Auer, „Zelinka“, 105.320 kg, zehn Kalbungen


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