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Alternativbank: "Unser Ziel ist nicht Gewinn-, sondern Gemeinwohlmaximierung"

Katharina Vogl, 29.11.2017 07:17

GROSS GERUNGS. Chocolatier Josef Zotter, Schuh-Rebell Heini Staudinger oder Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann sind mit dabei, bei der Genossenschaft für Gemeinwohl. Seit Mai 2017 gibt es eine Regionalgruppe im Waldviertel, Tips hat den Sprecher, Johann Wagner, getroffen.

  1 / 2   Gemeinsam die erste österreichische ethische Bank zu etablieren, ist das Ziel. Foto: Africa Studio/ Shutterstock.com

Als 2008 die globale Krise rund um die Finanz- und Bankenwelt auf ihren Höhepunkt zusteuerte, wurde die Idee einer alternativen Bank geboren. Die Vision: die erste ethische Bank Österreichs ins Leben zu rufen, die nicht die Maximierung des Gewinns, sondern die des Gemeinwohls verfolgt. Zuerst als Verein organisiert, erfolgte 2014 die Gründung der Genossenschaft für Gemeinwohl. „Es ist in etwa vergleichbar mit der Gründungsidee der Raiffeisenbank“ meint Johann Wagner, Sprecher der Regionalgruppe Waldviertel Nordwest.

Mitte Mai ging die regionale Gruppe, die die Bezirke Zwettl, Waidhofen/Thaya und Gmünd abdeckt, an den Start. Knapp 60 Interessenten und Genossenschafter wohnen dieser waldviertelweit bei, informiert Wagner. Österreichweit haben sich bis dato über 5700 Bürger angeschlossen haben, sie alle stellen als Mitglieder Eigenkapital zur Verfügung.

Gut vier Millionen im Pot

„Jeder der Eigentümer hat sich mit einem Mindestanteil von 200 Euro beteiligt, auch gibt es eine gewisse Obergrenze, damit der Einfluss des Einzelnen nicht zu groß wird“, informiert Wagner. Es sind dies Privatpersonen oder auch Unternehmer, in jedem Fall aber Menschen, die aus vollster Überzeugung an eine solche Alternativbank glauben, meint Wagner weiter. Alle zusammen haben laut derzeitigem Stand über vier Millionen Euro an Kapital gezeichnet. Um überhaupt eine Lizenz bei der Finanzmarktaufsicht beantragen zu können, brauche man erst einen gewissen Kapitalspiegel.

Für 2018 ist der Start des ersten Österreichischen Gemeinwohl-Kontos geplant. Langfristiges Ziel ist es aber, eine Vollbank zu werden, mit Sparprodukten und direkten Krediten für die gemeinwohl-orientierte Realwirtschaft.

Crowdfunding als Eckpfeiler

Gewinne oder gar hohe Zinsen, dürfen sich die Miteigentümer nicht erwarten. Vielmehr möchten die Beteiligten neben der Etablierung einer ethischen Bank, nützlichen Projekten dazu verhelfen, das Licht der Welt zu erblicken. Dafür gibt es seit kurzem eine Crowdfunding-Plattform, die die Finanzierung gemeinwohl-geprüfter Projekte ermöglicht, ein Eckpfeiler der Genossenschaft.

„Wir investieren nicht in Erdöl-, Waffenindustrie oder in Produkte, die von Tierversuchen gestützt werden, sondern in nachhaltige Gemeinwohlinitiativen“, erklärt Wagner und verweist auf ein eben erhaltenes Mail, wo er als Genossenschafter Projekte mit beurteilen kann. So hat etwa ein Verein eingereicht, der ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung setzen möchte, ein anderer möchte einen Folientunnel für die Wintergemüseversorgung verwirklichen. Werden diese in Bezug auf ihre Gemeinwohl-Orientierung und Machbarkeit erfolgreich geprüft, so können die kleinen Beträge vieler Menschen (Schwarmfinanzierung) die Umsetzung ermöglichen. Im Gegenzug erhalten die Unterstützer zumeist ein Dankeschön.

„Klein - und Mittelbetriebe haben kaum eine Chance, von einer Bank Geld zu bekommen. Auch nicht bei guter Bonität. Die „Crowd“ gibt gern, weil alle, fast alle, Sehnsucht auf Leben haben ... und weil alle, fast alle, spüren, dass der Mainstream unfassbar zerstörerisch ist. Viva la vida. Es lebe das Leben ... alles andere ist nix wert.“, ist etwa ein Zitat von Unterstützer Heini Staudinger auf der Homepage zu lesen.

Gemeinwohl-Akademie

Eine weitere Säule der Genossenschaft ist die Akademie für Gemeinwohl, die bereits laufend Vorträge, Seminare oder Workshops rund um das Thema Geld anbietet. Damit will sie im Sinne eines Bildungsauftrages Bewusstsein rund um Geldflüsse, Partizipation, Umverteilung und Demokratisierung schaffen.

Aus Überzeugung dabei

Die Idee einer ethischen Bank ist keine neue, „in vielen Ländern dieser Erde ist sie bereits Realität, in Österreich hoffentlich auch bald, meint Johann Wagner.

Im Bezirk Zwettl sind bislang 17 Genossenschaftsmitglieder, in Gmünd 20 und in Waidhofen/Thaya 21 mit an Bord. Einer von ihnen ist die Firma Sonnentor, die sich, überzeugt von den Vorteilen einer solchen, baldigen, Bank bereits 2011 anschloss.

„Die Wirtschaft insgesamt sollte in erster Linie dem Gemeinwohl dienen. Wenn“s mir gut geht, dann soll es auch den anderen gut gehen. Die zentralen Säulen sind Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung und Transparenz. Diese Werte sind auch seit der Unternehmensgründung von Sonnentor vor rund 30 Jahren Teile unserer Philosophie. Somit ist es für uns eine Herzensangeleigenheit die Gründung einer Bank zu unterstützen, die sich dem Gemeinwohl verschreibt und nicht nur der Gewinnmaximierung“, ist Johannes Gutmann überzeugt.

Daten und Fakten (österreichweit): 

  • 7 Regionalbüros
  • 22 Regionalgruppen
  • 80 Projektaktive
  • 16.000 Newsletterabonnent
  • 15.000 Facebook-Fans
  • Mehr Infos: www.mitgruenden.at

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