V/Faktor: Pilotprojekt unterstützt Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Waldviertel
ZWETTL. Arbeit, Kind und Kegel, die Betreuung pflegebedürftiger Personen oder das Ehrenamt - wie schafft man das alles, unter einen Hut zu bringen? Hier möchte das Pilotprojekt „V/Faktor“ Abhilfe schaffen, das nun in Zwettl im Rahmen einer Auftaktveranstaltung vorgestellt wurde.

V/Faktor steht für „Erfolgsfaktor Vereinbarkeit - das Waldviertel ist einer von drei V/Faktor-Pilotregionen, in denen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben erreicht werden soll. „Das Schlüsselthema ist eine familienfreundliche Arbeitswelt zu schaffen“, eröffnet Landtagsabgeordneter Franz Mold (VP) den Dialog.
„Es muss uns etwas einfallen, denn bis 2030 werden rund 15.000 Menschen im arbeitsfähigen Alter fehlen“, macht Christof Kastner (Obmann Wirtschaftsforum Waldviertel) aufmerksam. Wie kann Arbeit und Freizeit besser miteinander verknüpft werden?
Vereinbarkeit: Best-Practice-Beispiele in der Region
Erste Schritte, wie diese Vereinbarkeit gelingen kann, zeigten an diesem Abend vorbildliche Betriebe der Region im Rahmen eines Podiumsgespräches auf.
Elisabeth Koppensteiner, Geschäftsführerin von Gartenleben – das Unternehmen wurde bereits als familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet – wunderte sich gar, wie leicht man einen solchen Preis gewinnen kann: „Ich gehe mit meinen Mitarbeitern so um, wie auch ich behandelt werden möchte.“ Viel Verständnis für die jeweilige familiäre Situation ist für sie eine Selbstverständlichkeit, egal ob nun das Kind oder der Hund krank sei. So wartet das ein oder andere Kind auch mal nach der Schule im Büro auf seine Mama.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Christof Kastner (Kastner Gruppe): Ein jährlich bezahlter Urlaubstag für das ehrenamtliche Engagement, die Freistellung bei Feuerwehr-Einsätzen, die Finanzierung von Kinderbetreuungsplätzen, die Möglichkeit des Job-Sharing oder des Top-Sharing (Teilung von Führungspositionen) sind nur einige der Maßnahmen. „Es ist auch für uns selbstverständlich und keineswegs nur ein Marketing-Mascherl“, betont Christof Kastner zudem die große Mitarbeiterzufriedenheit im Unternehmen.
Reinhard Stark von der Stark Gmbh: „Eine Schwangerschaft versetzt uns nicht in Angst und Schrecken“, der Entsorgungsfachbetrieb setzt auf unterschiedliche Arbeitszeit-Modelle, auf eine Wohlfühlatmosphäre im Betrieb. Das Verständnis von Unternehmensseite bedingt zufriedene und leistungsfähige Mitarbeiter, die das Unternehmen mittragen und auf die Verlass ist, ist Stark überzeugt. Und „Arbeit kann auch schön sein“.
Kinderbetreuung ist in punkto Vereinbarkeit ein wichtiges Stichwort. Daniel Mayerhofer von der Gemeinde Langau stellte das Modell der Tagesbetreuung in Langau vor, das auch den Kinder (unter drei Jahren) aus den vier Nachbargemeinden offen steht.
Vereinbarkeit „schmackhaft machen“
Fakt ist, Vereinbarkeit nimmt viel Stress von den Schultern der Arbeitnehmer, ein Thema das nach wie vor vielfach die Frauen betrifft. „Wo Vereinbarkeit gelebt wird, schafft man es eher Junge in der Region zu halten oder sie zur Rückkehr zu bewegen“, so Barbara Pia Hartl, Projektmanagerin für das Projekt V/Faktor im Waldviertel.
„Wir wollen es auch den Unternehmen schmackhaft machen, sich darauf einzulassen. Denn Mitarbeiter, die in der Vereinbarkeit unterstützt werden, sind dem Unternehmen gegenüber sehr loyal“, weiß Beatrix Beneder, aus dem V-Faktor-Team und fügt hinzu: „Vereinbarkeit ist außerdem das zweitwichtigste Kriterium bei der Jobwahl“.
Vereinbarkeit: Kostenlose Beratung für Unternehmen
Bis Juli 2019 werden im Zuge des Pilotprojekts V/Faktor mindestens 40 Unternehmen im Waldviertel dabei unterstützt, flexible, maßgeschneiderte Vereinbarkeitslösungen zu finden. All das, was es den Arbeitenden leichter macht, einen guten Job zu machen. Die Beratung ist kostenlos.
Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) in der Investitionspriorität Gleichstellung finanziert. Mehr auf www.vfaktor.at


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