Sanierungsförderung neu: Wie geht es 2027 weiter?
Ö. Nachdem der Sanierungsbonus 2026 des Bundes bereits Anfang Februar für neue Anträge geschlossen wurde, werden für 2027 die Mittel für thermische Sanierungen deutlich auf über 320 Millionen Euro aufgestockt.

Die Kesseltauschförderung lief noch bis zum 10. Juli 2026. Diese Förderung soll mit 179 Millionen Euro neu aufgelegt werden. Registrierungen sollen voraussichtlich bereits ab November 2026 wieder möglich sein.
Harald Weihtrager, Baubiologe IBN, erstellt in seinem Technischen Büro für Bauphysik und Baubiologie unter anderem Energieausweise und entwickelt optimierte Konzepte für thermische Sanierungen. Er teilt im Interview seine Erfahrungen.
Für 2027 wurde eine Neuauflage des Sanierungsbonus angekündigt. Die ursprünglich vorgesehenen Fördermittel für thermische Sanierungen wurden von 181 auf 321 Millionen Euro erhöht. Reicht das, um die Klimaziele 2030 zu erreichen, und wie wird sich das auf die Sanierungsquote speziell in Oberösterreich auswirken?
Harald Weihtrager: Die Bundesförderung für Sanierungen hat eine jahrelange Geschichte und war auch schon öfter ein Erfolgsrezept dafür, wie Steuergeld sinnvoll eingesetzt werden kann. Einerseits wird die Wirtschaft angekurbelt, andererseits werden Steuerzahler motiviert, selbst zu investieren, und bekommen dafür eine Unterstützung. Wichtig für Oberösterreich ist, und das ist vielen nicht bekannt, dass die Landesförderung auch in den letzten Monaten zur Verfügung stand. Ich rechne damit, dass die neue Bundesförderung wieder einen kräftigen Impuls für die Bauwirtschaft bringen wird und auch ein wichtiger Schritt in Richtung „Klimafitness“ unseres Landes ist. Um die Klimaziele zu erreichen, braucht es allerdings langfristige und verlässliche Maßnahmen.
Der Sanierungsscheck bzw. Sanierungsbonus hat eine wechselnde Geschichte. 2024 war die Förderung sehr hoch, 2026 wurde sie deutlich reduziert und war bereits Anfang Februar für neue Anträge geschlossen. Jetzt kommt die nächste Neuauflage. War der Sanierungsscheck ein Erfolg?
Harald Weihtrager: Die vergangenen Sanierungsförderungen waren sicher ein Erfolg. Die Sanierungsquote in Österreich ist aber nach wie vor zu gering. Energie, die man nicht benötigt, muss auch nicht erzeugt oder verheizt werden. Deshalb ist die Wiederaufnahme der thermischen Sanierungsförderung ein wichtiger Schritt, nicht zuletzt, um unabhängiger von fossiler Energie zu werden. Die Verringerung des Energiebedarfs und der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien können die österreichische Handelsbilanz verbessern und CO₂ einsparen. Leider hat zuletzt die fehlende Planbarkeit viele Sanierungswillige verunsichert, ich hoffe, dass sich das auch in Zukunft wieder verbessert.
Auch der „Kesseltausch“ wird wieder gefördert. Was ist davon zu erwarten?
Harald Weihtrager: Wenn ein Heizkessel getauscht werden soll, dann sollte auf ein erneuerbares Heizsystem umgestellt werden. Doch das sollte nicht immer der erste Schritt sein. Eine umfassende thermische Sanierung kann den Heizwärmebedarf oft um die Hälfte oder mehr reduzieren. Wird also zuerst der Kessel getauscht und erst danach saniert, ist der neue Heizkessel bzw. die Wärmepumpe deutlich überdimensioniert – gerade in Hinblick auf die im Jänner kommenden Stromnetztarifanpassungen ein heißes Thema. Eine zu große Heizungsanlage weist einen schlechteren Wirkungsgrad bzw. eine geringere Effizienz auf. Deshalb ist es sinnvoll, die Sanierungs- und Heizungsplanungen gemeinsam anzugehen. Ist ein in die Jahre gekommener Kessel kaputt, sollte trotzdem möglichst sofort auf erneuerbare Energie umgestellt werden.
Wie beurteilen Sie den Sanierungsbonus?
Harald Weihtrager: Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen gibt es hauptsächlich Vorteile. Punkt eins: Das Bauwesen kämpft seit Langem mit einer schlechten Auftragslage. Die Baustoffpreise sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen und ein Wirtschaftswachstum wäre für die Republik dringend notwendig. Sanierung kurbelt die Wirtschaft an.
Punkt zwei: Jeder unnötig für Energiezukäufe im Ausland ausgegebene Euro belastet die Handelsbilanz und damit Österreichs Wohlstand. Auch die politische Abhängigkeit von Energieimporten hat derzeit eine große Relevanz.
Punkt drei: Werden die Klimaziele 2030 nicht erreicht, können Österreich zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe entstehen, etwa durch den Ankauf von Emissionsrechten. Investiert man jetzt ambitioniert in Sanierung, kommt die Wirtschaft in Schwung und diese zukünftigen Kosten können reduziert werden. Daher ist es besonders erfreulich, dass der ursprünglich für 2027 vorgesehene Fördertopf für die thermische Sanierung beinahe verdoppelt wurde.
Kritisch sehe ich allerdings die fehlende langfristige Planbarkeit. Eine umfassende Sanierung braucht oft Jahre an Vorbereitung und sollte nicht davon abhängen, ob gerade ein Fördertopf offen ist.
Persönlich würde ich mich als Baubiologe und Vater sehr freuen, wenn die Verwendung nachwachsender Dämmstoffe auch zukünftig wieder einen größeren Stellenwert in der Förderung einnehmen könnte.
Und wie soll die sanierungswillige Baufamilie nun vorgehen?
Harald Weihtrager: Grundsätzlich sorgt eine fachgerecht geplante thermische Sanierung für bessere Wohnqualität und niedrigere Betriebskosten. Dadurch kann die Behaglichkeit deutlich gesteigert werden und es können beispielsweise auch Schimmelprobleme gelöst werden, wenn deren Ursachen richtig erkannt und behoben werden. Auch ohne Förderung ist das oft sinnvoll. Der Sanierungsbonus wird wieder an technische Vorgaben geknüpft sein.
Genauso wie bei der Planung eines Gebäudes ein Bauplan selbstverständlich ist, würde ich empfehlen, mittels Energieausweis und eines langfristigen Sanierungskonzepts an den richtigen Stellen zu sparen. Nicht jede Investition rechnet sich. Umso wichtiger ist es, die Schwachstellen des Gebäudes genau zu ergründen und dort anzusetzen.
Bei einer Ist-Bestandsanalyse werden verschiedene Möglichkeiten geprüft, sodass mit möglichst geringem Aufwand eine optimale Verbesserung der Dämmwirkung erzielt werden kann. Außerdem kann rechnerisch überprüft werden, ob die für eine Förderung notwendigen Energieeinsparungen erreicht werden können.
Bevor man also beim Handwerker ein Angebot einholt, sollte klar sein, welche Maßnahmen Sinn machen. Man sollte also vorher ein langfristiges Sanierungskonzept erarbeiten.










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