Tipps und Hinweise zur Vermeidung von Infektionen bei Industrial Piercings

Heike Amsel, Leserartikel, 16.09.2019 08:32 Uhr

In den 70er Jahren entstanden Piercings vor allem, um sich von der Allgemeinheit abzuheben und um zu schockieren. Inzwischen lassen sich immer mehr Menschen piercen - vor allem deshalb, weil sie es schön finden. Allerdings birgt dieser Körperschmuck gewisse Risiken. Etwa ein Drittel aller Gepiercten haben anschließend Probleme. Durchschnittlich eines von 100 Piercings muss sogar im Krankenhaus behandelt werden.

 

Häufige Probleme bei Piercings

Ob Komplikationen nach dem Piercing auftreten, hängt im Wesentlichen von folgenden Faktoren ab:

  • von der Körperstelle
  • vom verwendeten Material
  • der Erfahrung des Piercers
  • den hygienischen Bedingungen beim Stechen
  • der Nachsorge

Das häufigste Problem bei einem Piercing ist die Gefahr einer Entzündung. Ein entzündetes Piercing öffnet Bakterien und Viren Tür und Tor. Dabei kann es zu ernsthaften Folgeerkrankungen kommen, wenn sich diese im Körper ausbreiten. Es kann zu Harnwegsentzündungen, Hepatitis oder zu Infektionen in Lunge und Leber kommen.

Oft gibt es auch allergische Reaktionen auf den Piercing Schmuck. Schuld daran ist meistens Nickel. Experten schätzen, dass zwischen zwei und fünf Millionen Menschen in Deutschland allergisch auf Nickel reagieren.

Wichtig zu wissen: Wenn die obere Schicht des Schmuckes nickelfrei ist und nur die Grundlage aus Nickel besteht, muss es vom Hersteller nicht als nickelhaltig gekennzeichnet werden!

Diabetiker und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, beispielsweise infolge von Krankheiten oder Organtransplantationen, sollten besonders vorsichtig bei Piercings sein. Ebenso sind Patienten mit Herzfehlern und Blutungsneigung gefährdet. Bei ihnen dauert es nicht nur länger, bis die Wunde verheilt, sondern die Infektionsgefahr ist generell höher. Dies gilt nicht nur für frische, sondern auch für bereits verheilte Piercings.

Eine große Rolle spielt auch die Körperstelle, an der gepierct wird. In Deutschland sind Ohrpiercings sehr beliebt. Schwierigkeiten treten besonders auf, wenn dabei der Ohrknorpel durchstochen wird, wie es bei Helix und Industrial Piercings der Fall ist. Diese Körperstellen sind schlecht durchblutet, und Wunden heilen hier besonders langsam. Bei einem Industrial Piercing werden zwei Knorpel, meistens gleichzeitig, durchstochen. Daher gibt es hier auch zwei Stellen, die sich möglicherweise entzünden können.

 

Was Sie tun können, um Infektionen bei Industrial Piercings zu vermeiden oder die Gefahr möglichst gering zu halten

  1. Lassen Sie sich ausschließlich von einem erfahrenen Piercer in einem guten Piercing Studio piercen!
    • Gute Piercer können Sie ausführlich beraten. Ein Industrial Piercing ist aus anatomischen Gründen nicht für jedes Ohr geeignet. Hören Sie hier auf den Rat des Fachmannes.
    • Der Piercer wird sich Zeit für Sie nehmen und Sie über die Risiken und möglichen Spätfolgen aufklären. Er sollte Sie nach Krankheiten und Allergien fragen.
    • Hygiene und Sauberkeit stehen an erster Stelle. Dazu gehören steril verpackte Arbeitsmaterialien, Handschuhe beim Arbeiten (möglichst bei jedem Kunden neue!) und ein separater, sauberer Arbeitsraum.
    • Wählen Sie nicht das erstbeste und auch nicht das billigste Studio! Sehen Sie sich mehrere Studios vorher an, damit Sie Vergleichsmöglichkeiten haben. Fragen Sie in Ihrem Bekanntenkreis nach guten Erfahrungen mit Studios und Piercern.
  2. Die richtige Pflege
    • Desinfizieren Sie die Wunde und den Piercing Schmuck am besten zweimal täglich.
    • Ein frisches Piercing braucht Ruhe und sollte nicht unnötigen Belastungen ausgesetzt werden. Es handelt sich um eine frische Wunde! Vermeiden Sie daher in der ersten Zeit Sport, Saunabesuche, Schwimmbadbesuche und Solarien.
    • Besonders wichtig ist die richtige Handhygiene. Bakterien befinden sich überall: an Türklinken, Handtüchern, Haltegriffen - sie gelangen durch Berührung an Ihre Hand. Wenn Sie damit ein frisches Piercing anfassen, ist die Infektion nicht mehr weit. Waschen Sie sich daher immer die Hände, bevor Sie ihr Piercing berühren! Achten Sie auch auf saubere Fingernägel.
    • Vermeiden Sie unnötige Berührungen des Piercings und spielen Sie nicht daran herum.
    • Bei einem Industrial Piercing besteht eine erhöhte Gefahr von mechanischen Reizen durch Handy, Telefonhörer, Schlafen auf dem Ohr, sich verfangenden Haaren und Kleidungsstücken oder durch das Aufsetzen von Helmen oder Mützen. Seien Sie daher besonders vorsichtig beim Ausüben von Alltagstätigkeiten.
    • Vermeiden Sie Haarfärbemittel und Stylingprodukte! Haarspray und Co dürfen nicht in die Wunde gelangen!

 

Industrial Piercing Schmuck

Ein Industrial Piercing gehört nicht umsonst zu den beliebtesten Piercings in Deutschland. Es sieht toll aus, und die Auswahl an Schmuckstücken ist besonders im Internet riesig.

Es werden fast immer Barbells in verschiedenen Varianten getragen. Sie können gedreht, pfeilförmig oder mit kleinen Anhängern, Ornamenten und Schriftzügen versehen sein. Wenn Sie ein Industrial Piercing kaufen möchten, haben Sie hier die Qual der Wahl.

Neben verschiedenen Formen und Verzierungen sind die Schmuckstücke auch in unterschiedlichen Materialien erhältlich. Wenn Sie wissen oder vermuten, dass Sie auf Nickel allergisch sind, sollten Sie - auch bei einem bereits abgeheilten Piercing - besonderes Augenmerk auf das verwendete Material legen. Entscheiden Sie sich im Zweifelsfall Ihrer Gesundheit zuliebe lieber für hochwertigen Schmuck. Geeignet sind hier zum Beispiel Titan oder die Kunststoffverbindung PTFE. In Frage kommen auch Schmuck aus Gold, der aber regelmäßig poliert werden sollte, mit Einschränkungen auch Chirurgenstahl.

Auf Silberschmuck, selbst aus reinem Silber, sollte bei Allergien grundsätzlich verzichtet werden, da dieses Material eine große Menge an Nickel abstößt.

 

Bilder Höflichkeit: @kilianfoto auf Unsplash

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