Am Weg des 20. Jahrhunderts

Online  Redaktion Online Redaktion, Tips Redaktion, 11.10.2017 12:21 Uhr

REINGERS. Der „Weg des 20. Jahrhunderts“ ist ein tschechisch-österreichischer Themenweg, der die Grenzregion durchzieht. An einige Plätzen befinden sich Lehrtafeln, auf denen die historische Entwicklung der Region während des 20. Jahrhunderts nachzulesen ist.

Es waren dramatische Zeiten, die die Bewohner der Grenzregion im nördlichen Waldviertel im vergangenen Jahrhundert erlebten. Die weltpolitischen Veränderungen wie der Zerfall der Monarchie, der Zweite Weltkrieg und die kommunistische Machtübernahme in Osteuropa wirkten sich hier dramatisch aus. Auf den Lehrtafeln entlang des grenzüberschreitenden „Weg des 20. Jahrhunderts“ (www.themenwege.eu) ist vieles davon nachzulesen. Ebenso wie im kleinen Museum „Heimatstube Reingers“ im Ortszentrum, das der Ausgangspunkt einer Wanderung im Norden Österreichs ist. Zwei Wegvarianten gibt es, ich bewandere einen Teil der kurzen Strecke, die in Reingers beginnt.

Hanfdorf Reingers

Bei der Heimatstube orientiere ich mich nach dem Weg Nr. 51, der mich Richtung Norden auf schmalen Asphaltstraßen aus dem Ort hinausführt, der seit vielen Jahren weit über die Grenzen hinaus als Hanfdorf bekannt ist. Am Ortsende beim Freizeitzentrum befindet sich der von Juni bis September geöffnete Hanfstadl, in dem in einer Ausstellung alles Wissenswerte rund um die alte Kulturpflanze zu erfahren ist.

Durch Waldstücke und zwischen Feldern hindurch führt mich der Weg nach Hirschenschlag, wo sich mehrere Infostellen des Themenweges befinden. Beim Zollmuseum lese ich über die Wiederbesiedelung und den Wiederaufbau nach der Katastrophe des Weltkriegs. Am nördlichen Ortsende folge ich dem Wegschild Aussichtsturm und stoße wenige Minuten später auf die Infotafel „Die Nachkriegsjahre – Aufbruch in die Moderne“. Ich marschiere auf der schmalen Straße weiter und erreiche rasch den nächsten Infopunkt, der mich über das Jahr 1989 und den Fall des Eisernen Vorhangs informiert. Schließlich stehe ich am Fuß des hölzernen Aussichtsturmes, wo ich über das Leben am und mit dem Eisernen Vorhang informiert werde. Der Turm wurde als Mahnmal errichtet. Die Staatsgrenze zwischen Österreich und Tschechien ist nur wenige Meter entfernt.

In die Hölle

Nach einer kurzen Rast gehe ich zurück nach Hirschenschlag, vor Ortsbeginn wende ich mich nach rechts und folge dem gelben Wegschild Richtung Illmanns. Hier verlasse ich den Weg des 20. Jahrhunderts. Die Markierung ist gut und bald befinde ich mich im Illmannser Wald, der im Frühling mit den dichten Heidelbeersträuchern am Boden besonders schön anzusehen ist. Bei der Wanderwegshütte im Wald gehe ich gerade Richtung Illmanns weiter. Angesichts des Wegweisers muss ich schmunzeln: „Neududlau“ ist angeschrieben, was für ein witziger Ortsname.

Etwa 30 Minuten später erreiche ich den Erholungswald „In der Hölle“. Eine kuriose Namensgebung und, wie ich bald schon sehe, sehr irreführend, denn die Granitformationen im ehemaligen Steinbruch sind alles andere als höllisch. Ich streife lange durch den schönen Platz und bewundere die Granitlinge.

Weiter geht„s entlang des 51ers hinunter nach Illmanns, dort umrunde ich den Teich in der Ortsmitte und verlasse den beschaulichen Platz Richtung Osten. Knappe zwei Stunden später erreich ich den Ausgangspunkt der Tour in Reingers.

 

von ERICH SCHACHERL

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