Grenzgeschichten: Eine unbekannte Sage vom Moldauherz im Böhmerwald
Dort, wo die Moldau aus dem Schoß des Urwaldes kommt, bildet sie mit ihren Windungen ein Herz. Umrahmt von der dunklen Kette des Böhmerwaldes liegt auf dem Gegenhang der Markt Oberplan. Hier stand die Wiege des Böhmerwalddichters Adalbert Stifter.

Die Moldau floss einst langsam von Oberplan talaus. Weil sie aus den Bergen Eisen mitführte, waren ihre Fluten dunkel. Ohne Eile grub sie sich ihr Bett talaus in vielen Windungen. Eine davon nannten die Waldbewohner „Moldauherz“. Es hieß aber, die Moldau werde nicht auf ewige Zeiten das Tag begleiten. So wird eines Tages der Böse das Tal verriegeln. Einmal versuchte er es schon, aber ein Hahn, der den Morgen ankündete, setzte dem Teufelswerk ein Ende. Doch wird er eine Mauer errichten, die niemand mehr zerbricht. Sie wird den Menschen zum Segen oder zum Fluch. So die Sage.
Versunkenes Moldauherz
Nun hat der Lipno See das Moldauherz verschlungen. In einer nahezu zehn Jahre währenden Arbeit – von 1950 bis 1958 – wurde der Moldau ein Bett gebaut, aus dem sie mit ihrem gestauten Wasser in dem bis zu hundert Meter tiefer im Berg liegenden Kraftwerk Strom erzeugt.
Verfasser:Fritz Winkler


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden