Grenzerinnerungen: St. Thoma im Böhmerwald - ein besonderes Juwel
Viele erinnern sich an die Vertreibung und Vernichtung der Wohn- und Kulturstätten unserer ehemaligen Nachbarn im Böhmerwald.

St. Thoma ist nicht nur ein Ausflugsziel und eine Erinnerung. Monatlich feiern wir hier Messgottesdienst mit Priestern und Predigern, die uns von Versöhnung, Friede und Gottvertrauen erzählen. Jeder hat dazu seine Meinung, darum erinnere ich, warum St. Thoma, die Gaststätte und die Kirche hier bestehen.
Kirche gerettet
Wir denken und danken den beiden Initiatoren der Rettung dieser Kirche, Klaus Zerbs aus Linz und Johann Bertlwieser, einen Vertriebenen dieser ehemaligen Pfarre und ihren vielen Helfern und Spendern der finanziellen Erfordernisse. Die Rettung dieser Kirche setzte nach dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ ein: Johann Bertlwieser gründete in seinem Vertriebenendomizil einen Verein zur Rettung der Kirche. Er war es auch, der Jahr für Jahr mit Helfern an der Rettung der Kirche arbeitete. Im Jahr 1996 konnte bereits die Glockenweihe stattfinden und 1997 weihte Bischof Liska aus Budweis die Kirche ein. Leider erfreute sich Bertlwieser nicht mehr lang seines Werkes, denn 1998 starb er im Alter von sechzig Jahren. Im Schatten der Kirche St. Thoma fand er als erster und einziger die letzte Ruhestätte. Nun ruht er kaum vier Kilometer entfernt von seinem einstigen Heimatdorf Reiterschlag.
Erinnerung bleibt
Die St. Thoma-Kirche ist das einzige kulturhistorisch wertvolle Bauwerk neben der Ruine Wittinghausen. Die Kirche ist auch das einzige religiöse Symbol innerhalb der großen Pfarre Deutsch Reichenau, das in der vorangegangenen kommunistischen Zeit nicht zerstört wurde. Ungefähr 200 Kapellen sowie die Pfarrkirche wurden dem Erdboden gleichgemacht. Das alles zusammen mit der Vertreibung ist nicht vergessen und lebt in den Älteren fort. Das ist auch der Grund, dass sich immer wieder viele Vertriebenen und Einheimische hier treffen.
Gute Zusammenarbeit
St. Thoma gehörte bis zur Vertreibung zur Gemeinde Deutsch Reichenau. Nun wurde sie nach Heuraffl eingemeindet, weil dort die Gemeindeverwaltung seit Kriegsende besteht. In Heuraffl war ab Kriegsende Jan Stoiber Bürgermeister. Ihm folgte eine Frau nach und das Einvernehmen mit ihr ist immer gut gewesen.
Verfasser: Fritz Winkler


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