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ALLENTSTEIG. Der Allentsteiger Autor Manfred Greisinger beschäftigt sich in seinem neuen Buch eingehend mit „Nichts“. Warum das „Nichts“ gerade heutzutage sehr vielversprechend sein könnte – Tips hat nachgefragt.

Neuerscheinung: „Novize des Nichts“ von Manfred Greisinger (Edition Stoareich).
Neuerscheinung: „Novize des Nichts“ von Manfred Greisinger (Edition Stoareich).

Tips:Warum sollten wir keine Angst vor dem „Nichts“ haben?

Greisinger: Für die meisten Menschen ist das „Nichts“ absolut tabu. Sie tun alles, sind rund um die Uhr beschäftigt, am Handy und in Facebook, um nur ja nicht hierher zu geraten. Die absolute Horrorvorstellung von uns Menschen ist, ein „Nichts“ zu sein. In der allesdurchdringenden „Ökonomie des Lebens“ hat ein „Nichts“ rein gar nichts zuwege gebracht: Kein Haus, keine schmucke Eigentumswohnung, keine Familie, keine Kinder, keine Karriere, kein einflussreicher Job, keine Macht, kein VIP-Status. Ein „Nichts“ hat es im Leben scheinbar zu nichts gebracht – und ist frei! Keine Angst vor nichts mehr zu haben, ist also unendlich befreiend und wir entsteigen allen Abhängigkeiten!

Tips:Warum würde uns ein bisschen mehr vom „Nichts“ Ihrer Ansicht nach ganz gut tun?

Greisinger: Weil wir „alles haben“ – und umso mehr Sehnsucht nach Sinn verspüren. Eine Million Österreicher schlucken tagtäglich Psychopharmaka, das neueste I-Phone, der polierte Schlitten und der Plasmafernseher können uns scheinbar nicht glücklich machen! Wagen wir´s, unsere so wichtigen Rollen abzulegen?

Tips:Wie schafft man sich im Alltag ein wenig „Nichts“?

Greisinger: Es darf auch mal „Nichts“ sein! Nicht schon wieder Radio hören, lesen, telefonieren, Mails checken, sondern auch Mut zur Unterbrechung, zur Pause, zur Freizeit, zum Feierabend – wo „Nichts“ passieren darf. Frei von Verpflichtungen und Hast kann man Entdeckungen machen, gestalten, sinnieren, die Seele baumeln lassen, sich selbst verwirklichen.

Tips:Das „Nichts“ – für viele wiederum traurige Realität…

Greisinger: Die Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 sowie die aktuelle Flüchtlingskrise lehren das Thema „Nichts“: Viele „kapitalgarantierte“ Veranlagungen haben sich in Nichts aufgelöst, 400.000 Arbeitslose – und noch mehr dahinterstehende Schicksale. Und 100.000 Flüchtlinge stellen heuer einen Asylantrag in Österreich. Nachdem ihre Lebenspläne zerschossen wurden, kommen sie aus dem Nichts mit nichts ins Nichts und hoffen auf eine neue Lebenschance.


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