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Neue Fachrichtung Fischereiwirtschaft an der Berufsschule Altmünster

Thomas Leitner, 17.12.2018 12:38

ALTMÜNSTER. „Der Weg des Weihnachtskarpfens: Vom neuen Berufsschulzweig Fischerei in Altmünster bis zur oberösterreichischen Fischküche“.

Agrar-Landesrat Max-Hiegelsberger mit Landesschulinspektor Johann Plakolm, Direktorin Barbara Mayr samt Schülern und Lehrkräften des ABZ Salzkammergut. Foto: Land Oberösterreich

Neben der bereits seit 1976 bestehenden Fachrichtung Landwirtschaft und der 1988 hinzugekommenen Forstwirtschaft wird zukünftig auch der theoretische Teil der Berufsausbildung Fischereiwirtschaft an der Landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschule (LBFS) Altmünster (ABZ Salzkammergut) gelehrt. Dies wurde am 03. Dezember 2018 von der oberösterreichischen Landesregierung beschlossen. „Der Standort Altmünster ist ideal für die Fischereiausbildung. Die enge Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wasserwirtschaft in Scharfling, Mondsee ist damit gesichert. Der traditionell hohe Stellenwert der Fischerei im Salzkammergut wird damit entsprechend gewürdigt“, freut sich Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger über die Etablierung des neuen Ausbildungsangebots in Altmünster.

Duale Ausbildung für Fischerei-Profis

Die Ausbildung in der Fischereiwirtschaft erfolgt im dualen Berufsschul-System. Neben der beruflichen Praxis ist die Absolvierung von drei Kursblöcken zu je acht Wochen in der Berufsschule in Altmünster erforderlich, um die Berufsausbildung abzuschließen. Dadurch werden die bisher von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich für ganz Österreich organisierten Berufsschulersatzkurse abgelöst. Im Herbst 2018 haben erstmals alle Fischerei-Lehrlinge Österreichs ihre Theorie-Einheiten am neuen Standort gemeinsam absolviert. Mit rund 25 Auszubildenden alle zwei Jahre wird gerechnet.

Fischerei in Oberösterreich

Oberösterreich weist insgesamt 39 Fischereireviere auf, die nach Gewässersystemen und ihren Zubringern gegliedert sind. Etwa 4.380 Fischereirechte berechtigen in diesen Revieren zur Nutzung, die Betreuung erfolgt durch rund 3.700 Bewirtschafter. Die große Beliebtheit der Fischerei lässt sich auch an der stattlichen Anzahl von mehr als 90.000 Fischerkartenbesitzerinnen und -besitzer erkennen. Hinzu kommen noch rund 1.494 Fischereischutzorgane, die mit der Aufsicht über die Fischwässer betraut sind. Für Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger zeigen diese Zahlen klar die große Bedeutung der Hobby-Fischerei in Oberösterreich auf: „Die Fischerei bietet direkten Kontakt zur Natur und die Möglichkeit, die Hektik des Alltages hinter sich zu lassen. Der Aufenthalt an den sauberen und oft naturbelassenen Gewässern in Oberösterreich bietet einen wertvollen Ausgleich zum stressigen und fordernden Alltag. Das macht die Fischerei für viele Menschen so attraktiv“. 

Aquakultur und Fischzucht in Oberösterreich

Vor allem die rund 85 Fischzuchtanlagen in Oberösterreich sorgen für heimischen Fisch auf den Tellern. In Oberösterreich werden jedes Jahr rund 700 Tonnen an Speise- und Besatzfischen produziert. Den Hauptanteil machen mit 660 Tonnen die forellenartigen Fische (Salmoniden) wie Forelle und Bachsaibling aus. An karpfenartigen Fischen (Cypriniden) werden in Oberösterreich rund 40 Tonnen produziert. „Bei Fisch ist Österreich nach wie vor stark importabhängig. Von den acht Kilogramm Fisch, die pro Kopf verspeist werden, stammen nur knapp sechs Prozent aus heimischer Erzeugung. Aber auch beim Fisch bevorzugen unsere Konsumentinnen und Konsumenten klar österreichische Qualität. Neben der großen Nachfrage besteht in Oberösterreich bereits ein gutes Know-How in der Fischproduktion - so wächst beinahe jeder dritte forellenartige Fisch Österreichs in unserem Bundesland auf. Rund 4,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet die Branche in Oberösterreich“, macht Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger auf die Marktchancen auch für kleinere Produzenten aufmerksam: „Neben den rund 85 größeren Fischereibetrieben in Oberösterreich werden noch viele zusätzliche Kleinteichanlagen betrieben. Gerade für bäuerliche Betriebe bietet die Fischzucht ein weiteres Standbein.“

Erfolgreiche Förderung der Fischproduktion

Das Programm EMFF (Europäischer Meeres- und Fischereifonds) 2014-2020 fördert mit europäischen und nationalen Mitteln Investitionen bei Fischereibetrieben. Hauptziele des Programms sind Wachstum, Beschäftigung, Innovation und Qualitätsproduktion, sowie generell die Steigerung der Aquakulturproduktion. In Oberösterreich werden Förderungen hauptsächlich in den drei folgenden Förderschwerpunkten vergeben:  Binnenfischerei, produktive Investitionen in der Aquakultur und die Verarbeitung von Fischerei- und Aquakultur Erzeugnissen.

Im Zeitraum von 2014 bis zum 31.10.2018 wurden in Oberösterreich insgesamt 32 Projekte bewilligt und umgesetzt bzw. befinden sich gerade in Umsetzung. Die gesamten Kosten dieser Projekte belaufen sich auf rund 5,5 Millionen Euro. Investitionsschwerpunkte sind vor allem der Ausbau und die Verbesserung der Produktion, die Modernisierung der Abläufe am Betrieb und der Einstieg in die Direktvermarktung. „Aus dem EMFF-Programm konnten in den letzten Jahren Fördermittel in Höhe von 2,66 Millionen Euro für oberösterreichische Betriebe bewilligt werden. Die Betriebe sind innovativ und investieren in den wachsenden und zukunftsträchtigen Sektor Fischzucht. Durch das große Engagement der Betriebe kann die Versorgung mit heimischem Fisch ständig ausgebaut werden“, freut sich Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger über die positive Entwicklung der Fischzucht-Betriebe.

Gezielte Förderung der bäuerlichen Fischproduktion

Neben den Förderungen im Rahmen des EMFF unterstützt das Land Oberösterreich die bäuerliche Fischproduktion auch gezielt mit Landesmitteln. Die Errichtung und Sanierung von Fischteichanlagen wird mit 30 Prozent der Kosten gefördert und bei Schutzeinrichtungen zur Abwehr fischfressender Tiere rundum Teichanlagen werden sogar 50 Prozent der Kosten ersetzt. Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger möchte auf diese Weise möglichst viele Teichbesitzer motivieren, wieder in die Fischproduktion einzusteigen: „Oftmals sind auf bäuerlichen Betrieben noch alte Teichanlagen vorhanden, die wieder revitalisiert werden können. Dafür sind entsprechende Investitionen notwendig. Aufgrund der stark gestiegenen Bestände von Fischotter und Kormoran ist eine wirtschaftlich erfolgreiche Fischproduktion nur mit entsprechenden Schutzmaßnahmen möglich. Der Fördersatz von 50 Prozent für derartige Schutzmaßnahmen ist ein starkes Zeichen an die bäuerlichen Betriebe. Sie werden mit dieser Herausforderung nicht allein gelassen und es besteht großes öffentliches Interesse am Ausbau der bäuerlichen Fischproduktion“.


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