Als Forschungsreisende alter Handwerkskunst auf der Spur
BLINDENMARKT. Die Blindenmarkterin Bernadette Hehenberger unternimmt Forschungsreisen, um alte traditionelle Handwerkskunst zu erkunden.

BLINDENMARKT. Bernadette Hehenberger ist eine Schuhdesignerin, die gern die hergebrachten Spuren dieses Berufes verlässt und stets auf der Suche nach neuen Erfahrungen ist. Neue Erfahrungen können auch alte Handwerkstraditionen sein. Vor allem ist Hehenberger auf der Suche nach möglichst ressourcenschonenden Methoden der Schuherzeugung. So verwendet sie gern Lederreste, die wo anders übrig bleiben. Für eine Reihe ihrer handgefertigten Schuhe konnte sie Leder verarbeiten, das sie von Edeltraud Tischberger bekam. Tischberger ist eine Lederhosenschneiderin, die sich zur Ruhe gesetzt hat.
Lappland
Besonders in anderen Kulturen erforscht Hehenberger die Handwerkstraditionen. Im Jahr 2014 lebte sie eine längere Zeit bei den Samen in Lappland. Ihre Gastgeberin war die Dorfälteste Laila Spik, die Hehenberger bei einem „Großmüttertreffen“ kennen gelernt hatte. Sie lernte dort, wie die Samen Rentierleder in alter Handwerksarbeit verwenden und bearbeiten. Handschuhe, Transportbeutel oder Nähtaschen sind die traditionellen Werkstücke aus Rentier-Leder. Auch andere Kulturtechniken der Samen, wie das Verwenden von Kräutern, Kochkünste oder die Herstellung von Brot aus Baumrinde lernte Hehenberger in Lappland kennen. Und natürlich konnte sie viele Geschichten aus dem Leben ihrer Gastgeberin und deren Nachbarn erfahren.
Wales
Eine weitere Forschungsreise führte Bernadette Hehenberger im Jahr 2016 nach Wales, wo sie bei Trefor Owen die Tradition der walisischen Holzschuherzeugung lernte. Diese Schuhe sind unerlässlich für den walisischen Holzschuhtanz und daher ist nicht nur der Tragekomfort wichtig, sondern auch der Klang der Schuhe, wenn die Sohlen bei Sprüngen aneinander geschlagen werden. Trefor Owen fertigt diese Schuhe weitestgehend in Handarbeit: Aus Rohlingen bringt er mit Hilfe eines „Stock-Knifes“ die Schuhe in die richtige Form. Diese Arbeit erfordert eine ungünstige Körperhaltung und bescherte Owen Wirbelsäulenschäden. Während des Aufenthalts Hehenbergers bei Trefor Owen kam Prince Charles auf Besuch. Er finanziert einen Lehrling des Holzschuhmachers.
Mit Prince Charles, dem die Erhaltung alter Handwerkstraditionen ebenfalls ein Anliegen ist, konnte Hehenberger ein längeres Gespräch führen.
Tagebuch
All ihre Erfahrungen trägt Hehenberger in aufwändig und liebevoll geführte Tagebücher ein. In diese kommen Skizzen und Zeichnungen, Fotos, gepresste Pflanzen und vieles mehr. Diese Tagebücher sind bereits eigene Kunstwerke für sich. Derzeit bereitet sich Hehenberger auf ihre nächste Forschungsreise vor, die sie nach Mexiko führen wird.Von ihren Erfahrungen berichtet Hehenberger in Workshops oder Vorträgen an Schulen. Da sie sich intensiv mit den Menschen beschäftigt, von denen sie die Handwerkstechniken lernt, kann sie weit mehr als nur Techniken vermitteln. Ein großer Fundus an selbst erlebten Geschichten bettet die Kursinhalte in größere Zusammenhänge ein.Am 21. und 22. Jänner kommt Bernadette Hehenberger für einen Workshop beim Verein spür.sinn nach Waidhofen/Ybbs. Alle Informationen dazu gibt es unter Tel. 0664/4189043 oder www.abenteuer-spuersinn.at.


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