Tips-Interview: „Sollten stärker aus der Krise gehen, als wir reingegangen sind!“

Hits: 190
Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 05.04.2020 09:04 Uhr

ST. VALENTIN. Der gebürtige Valentiner Frank Behounek lebt seit zehn Jahren mit seiner Familie in Shenzhen (China). Im Tips-Interview gibt er Einblicke in seinen Alltag in Zeiten der Corona-Krise.

Tips: Herr Behounek, wie ist die aktuelle Lage in Shenzhen?

Frank Behounek: Es hat schon seit 18. Februar keine Neuinfizierungen in Shenzhen gegeben, nur importierte Fälle, die aber rasch identifiziert wurden – bis heute sind das 26 Fälle [Anm. d. Red.: Stand 26. 3.]. Das ist die aktuelle Herausforderung, mit der China umgehen muss. Derzeit landen internationale Flüge auf vorbereiteten Flughäfen, damit importierte Fälle früh identifiziert werden. Es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, ob die aktuellen und künftigen importierten Fälle beziehungsweise das Auflockern von einigen Maßnahmen wieder einen Anstieg verursachen.

Tips: Sind in Shenzhen Restaurants derzeit noch geschlossen?

Behounek: Generell sehen wir, dass es langsam entspannter wird. Einige Restaurants und Cafés machen wieder auf, manche Bars dürfen seit letzter Woche von 17 Uhr bis 2 Uhr offen haben. Man sieht auch wieder generell mehr Leute auf den Straßen. Temperatur-Checks in Supermärkten, U-Bahn-Stationen und Bussen sind in Shenzhen trotzdem noch präsent. In anderen Regionen kann es anders aussehen.

Tips: Wie sieht Ihr Alltag aus?

Behounek: Der Alltag von mir und meiner Familie ist im Prinzip unter der Woche so wie ein gewöhnlicher Arbeitstag strukturiert, nur dass wir keine Außenaktivitäten vornehmen, wie spazieren gehen, Freunde besuchen oder einen Kaffee trinken zu gehen. Wir machen etwas bewusster Bewegung und zusätzlich nehmen wir uns am Abend Zeit zum Trainieren. Obwohl wir schon mehr als einmal die Woche einkaufen gehen, verbringen wir am Wochenende unsere Zeit weiterhin in unserer Wohnung. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass sich das binnen der nächsten drei Wochen ändern wird.

Tips: Sie verfolgen ja auch die Lage in Österreich. Was sagen Sie zu den bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung?

Behounek: So eine Situation ist für Europa völlig neu. Andere Länder in Asien und Afrika haben mit Epidemien mehr Erfahrung. Ich denke, dass die österreichische Regierung mit der unbekannten Situation sehr gut und vorbildlich umgeht. Ganz wichtig in so einer Situation sind der Zusammenhalt der Bevölkerung und gut überlegte Entscheidungen der Regierung. Was man so hört, ist die Bevölkerung super geschlossen und macht diese Strapazen mit. Ein Punkt, der sehr wichtig ist, und der auch in Österreich intensiviert wird, sind die Tests an Personen. Je mehr man testet, desto besser versteht man die Wege und die Ausbreitung des Virus.

Tips: Was sind Ihre wichtigsten Tipps für den Umgang mit der derzeitigen Situation?

Behounek: Ganz wichtig ist das Zuhausebleiben. Da schützt man sich selbst und Mitmenschen vor einer Ansteckung, was auch das Gesundheitssystem entlastet. Weiters sollte man sich eine Routine zulegen, etwas Sport betreiben, produktiv bleiben und die Zeit nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Diese Dinge bewahren vor dem Lagerkoller. Wenn man nicht alleine wohnt, ist es wichtig, sich gegenseitig Freiraum zu geben, damit man sich nicht gegenseitig auf den Nerv geht. Also, am besten offen und ehrlich dem Partner und der Familie gegenüber sein und das Ego einmal links liegen lassen. Auch in der kleinsten Wohnung gibt es einen seltener genutzten Raum wie das Badezimmer, der sich als Rückzugsort eignet.

Tips: Wie ist Ihre Meinung zu den kursierenden Fake News?

Behounek: Sollten Nachrichten mehr Stress als Informationen bieten, dann lieber nicht darauf eingehen. Das hilft einem gerade in dieser Situation nicht weiter. Man glaubt nicht, wie sehr das Gemüt negativ beeinflusst wird, was sich wiederum auf das soziale Miteinander auswirkt. Und noch ein Tipp: es ist wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren, denn es wird besser werden! Wir alle sollten aus der Krise stärker rausgehen, als wir reingegangen sind!

Artikel weiterempfehlen:

Kommentar verfassen



Stadtgemeinde Amstetten setzt neue Wirtschaftsimpulse

AMSTETTEN. Wirtschaftsthemen standen im Zentrum der ersten Pressekonferenz von Christian Haberhauer (ÖVP) als Bürgermeister Amstettens.

Gastronomie im Mostviertel: „Unsere Wirte sind höchst motiviert“

MOSTVIERTEL. Seit Mitte Mai haben auch die Moststraße Wirte wieder geöffnet und freuen sich auf ihre Gäste. ÖVP-Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer, Obfrau des Tourismusverbandes ...

GDA-Abfallwirtschaft: „Bewältigen Krise gut“

BEZIRK. Anton Kasser, Obmann des Gemeinde Dienstleistungsverbandes Region Amstetten (GDA) ist mit der Zusammenarbeit der Gemeinden und des Landes in Sachen Entsorgungswirtschaft zufrieden.

Covid19: Zwischenbilanz des Roten Kreuzes Niederösterreich

NÖ. Ob Rettungsdienst, Hauskrankenpflege oder andere Angebote – das Rote Kreuz hält den Regelbetrieb seit Beginn der Corona-Krise aufrecht – parallel dazu sind die Mitarbeiter bereits ...

Corona im Kongo: Salesianerpater bittet Mostviertler um Hilfe

MOSTVIERTEL. Seit knapp 40 Jahren ist der im Mostviertel bekannte Salesianerpater Johann Kiesling im Kongo (Afrika) für mittellose Menschen im Einsatz. Das Coronavirus stellt auch dort derzeit ...

Mostviertler Ausflugstipp: Das Stift Seitenstetten öffnet am Pfingstwochenende seine Pforten

MOSTVIERTEL. Gute Nachrichten aus Seitenstetten: das bekannte Stift öffnet am Pfingstwochenende von Freitag, dem 29. Mai bis Montag, dem 1. Juni von 10 bis 12 und von 13 bis 15 Uhr Tür und Tor ...

Neuanlage von naturnahen Wiesen

AMSTETTEN. Im gesamten Stadtgebiet von Amstetten werden gerade neue arten- und blütenreiche Wiesen angelegt.

Abstimmungsgespräch mit ÖBB über Quartier A

Amstettens Bürgermeister Christian Haberhauer führte ein Abstimmungsgespräch über das Quartier A mit dem Vorstandsvorsitzendem der ÖBB Holding Andreas Matthä.