Kinderärztin: Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren „nebenwirkungsarm und wirksam“

Hits: 1289
Michaela Aichinger Michaela Aichinger, Tips Redaktion, 30.11.2021 12:03 Uhr

MOSTVIERTEL. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat sich jüngst für eine Impfung von Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren ausgesprochen. Zeitgleich kam auch die positive Entscheidung des Nationales Impfgremiums (NIG). Tips bat Dr. Silvia Reisner-Reininger, Amstettner Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, zum Gespräch.

Tips: Wie wichtig ist es Ihrer Ansicht nach für die Bekämpfung der Corona-Pandemie, nun auch Kinder unter zwölf Jahren zu impfen?

Dr. Reisner-Reininger: Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, Kinder von fünf bis zwölf Jahren zu impfen, da zur Bekämpfung der Pandemie eine hohe Impfquote notwendig ist, um einen Gemeinschaftsschutz (Herdenimmunität) zu erreichen. Dazu bedarf es so viel wie möglich Einzelimpfungen in allen Altersgruppen durchzuführen, für die der Impfstoff derzeit zugelassen und empfohlen wird. Wir sehen derzeit, dass die Inzidenz bei den 5- bis 14-Jährigen sehr hoch ist und genau deshalb sollten wir gerade diese Altersgruppe möglichst schnell durch die Impfung schützen. Nur so können wir die Infektionszahlen senken.

Tips: Werden auch Sie in Ihrer Ordination Kindern die Corona-Schutzimpfung verabreichen? Gibt es schon viele Anfragen von Eltern?

Dr. Reisner-Reininger: Ich werde selbstverständlich auch weiterhin Kindern Corona-Schutzimpfungen in meiner Ordination verabreichen. Sowohl in meiner Kassenpraxis für Allgemeinmedizin, als auch in meiner Wahlarztpraxis für Kinder- und Jugendheilkunde. Ich habe bereits off-label Kinder geimpft und bin sehr froh, dass die Entscheidung der EMA und des NIG meine Entscheidung bestätigt hat. All jene Eltern und auch deren Kinder waren froh, endlich auch durch die Impfung in einem hohen Maß vor einem schweren Verlauf geschützt zu sein. Und JA, wir haben sehr viele Anfragen von Eltern, die ihr Kind gerne bei uns impfen lassen möchten, aber leider haben wir derzeit nicht genügend Impfstoff im niedergelassenen Bereich zur Verfügung.

Tips: Für die Impfung von Kindern unter zwölf Jahren ist aber in erster Linie der niedergelassene Bereich vorgesehen. Warum ist das so?

Dr. Reisner-Reininger: Vorgesehen ja, so wäre es auch wünschenswert, aber derzeit – wie bereits erwähnt – nicht so leicht durchführbar aufgrund der Impfstoffvergabe für die in der Ordination angemeldeten Patienten. Ab Anfang 2022 wird jeder Arzt die benötigte Menge an Impfstoff direkt bei der Bundesbeschaffungsagentur bestellen können. Dazu muss aber gesagt werden, dass jetzt jede Möglichkeit einer raschen Durchimpfungsquote genützt werden muss. So unterstützen derzeit auch Fachärzte von Kinderabteilungen und niedergelassene Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde die Kinderimpfstraßen und klären dort auf. Warum im niedergelassenen Bereich die Kinderimpfung gewünscht wird, ist leicht zu erklären. Wir Haus- und Kinderärzte kennen unsere Schützlinge und deren Eltern oft schon vom ersten Lebenstag an. Wir sind es, denen sie vertrauen, wir sind es, die sie begleiten und behandelt haben bei Erkrankungen, die die Mutter-Kind-Pass Untersuchungen durchgeführt und ihnen Kinderschutzimpfungen verabreicht haben. Wir kennen unsere kleinen und größeren Patienten und sie kennen uns!

Tips: Welcher Impfstoff wird bei Kindern verimpft und in welcher Dosierung? Werden wie bei Erwachsenen mehrere Impfdosen nötig sein?

Dr. Reisner-Reininger: Die Kinder erhalten den Impfstoff „Comirnaty“ von Biontech/Pfizer. Die vorgesehene Impfdosis ist derzeit ein Drittel der Erwachsenendosis, also 0,1ml, und das entspricht 10µg. Sobald die Kinderformulierung geliefert wird, bekommen sie 0,2ml, in denen aber auch nur 10µg des Impfstoffes enthalten sind. Auch Kinder erhalten zwei Dosen im Abstand von etwa drei Wochen (19 bis 42 Tage). Eine dritte „Booster“-Dosis wird nach Vorlage der Daten in einem entsprechenden Zeitraum durchgeführt werden müssen und meiner Meinung auch notwendig sein. Bei vielen anderen Impfungen sind auch drei Teilimpfungen für die Grundimmunisierung notwendig, wie etwa bei der 6-fach-Impfung, der Zeckenimpfung oder der Pneumokokkenimpfung.

Tips: Viele Eltern stehen der Corona-Impfung ihrer Kinder skeptisch gegenüber – welche Argumente für die Impfung geben Sie ihnen mit auf den Weg?

Dr. Reisner-Reininger: Ich verstehe die Skepsis mancher Eltern sehr wohl und deshalb versuchen wir Ärzte, so gut wie möglich aufzuklären und zu beraten, nach dem was die derzeitige Datenlage zeigt. Ich beschäftige mich seit Ende meines Studiums wirklich genau mit Impfungen und wenn man Nutzen und Risiko gegeneinander abwiegt, wird man sehen, wie wichtig Schutzimpfungen sind. Das gilt auch für die Corona-Impfung. In den letzten Jahrzehnten haben wir viele Zulassungen von Impfstoffen herbeigesehnt, die vielen Kindern das Leben gerettet haben. Nun haben wir auch Impfstoffe gegen dieses Virus und sollten sie einsetzen. Tun wir das nicht und warten – wie ich immer wieder höre: „Na, ich warte noch ...“ – kann dieses Warten noch mehr Menschenleben kosten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein geimpftes Kind schwer erkrankt oder andere Familienmitglieder ansteckt, ist um ein Vielfaches geringer als bei nicht geimpften Kindern. Wir sehen es an den Inzidenzen der 5- bis 14-Jährigen, die derzeit so hoch sind, wie in keiner anderen Altersgruppe und genau diese Altersgruppe sollten wir so rasch wie möglich impfen. Zum Schutz des Individuums, aber auch zum Schutz der Gesellschaft. Wären sich Experten und Forschungsteams nicht sicher, dass die Impfung nebenwirkungsarm und wirksam ist, hätte sie weder in den USA eine Zulassung erhalten, noch hätte die Europäische Arzneimittelbehörde und schon gar nicht unser nationales Impfgremium grünes Licht für die Kinderimpfung gegeben.

Meine drei erwachsenen Söhne sind geimpft. Ich habe auch meine Patenkinder geimpft, zwei davon off-label, weil sie noch nicht zwölf Jahre alt waren oder sind. Der Jüngste, der im Jänner sechs Jahre alt wird, erhält in Kürze seine erste Impfung. Glauben Sie mir: Ich hätte das nicht gemacht oder würde es nicht machen, wenn ich nicht wirklich davon überzeugt wäre, dass es richtig ist.

Tips: Man hört, dass bei Jugendlichen nach einer Corona-Impfung die Wahrscheinlichkeit einer Herzmuskelentzündung steigt. Stimmt dies? Worauf muss man hier achten?

Dr. Reisner-Reininger: Es wurden bereits Millionen Impfdosen an 12- bis 15-Jährige verabreicht. Sehr selten kam es zeitnah zur Impfung zu Fällen von leichten Herzmuskelentzündungen, die aber milde klinische Verläufe zeigten und eine gute Prognose hatten. Was wir aber wissen, ist, dass die Covid-19-Erkrankung bei Ungeimpften zu schweren Verläufen einer Herzmuskelentzündung führen kann. Nach der Impfung wird derzeit für drei Tage körperliche Schonung empfohlen und kein Leistungssport für etwa eine Woche.

Tips: Manche Eltern meinen auch, dass an Corona erkrankte Kinder ohnehin nur einen leichten Verlauf haben. Warum also impfen? Was entgegnen Sie solchen Aussagen?

Dr. Reisner-Reininger: Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche wesentlich seltener schwer an Covid-19 erkranken, aber es kommen eben auch in dieser Altersgruppe schwere Verläufe vor. Und diese schweren Verläufe können durch eine Impfung verhindert werden. Jedes einzelne Kind, das nach einer Infektion an Long-Covid leidet oder MIS-C (Multisystemisches Entzündungssyndrom bei Kindern), PIMS (Pädiatrisches Inflammatorisches Multiorgan-Syndrom) bekommt – eine Erkrankung, die etwa zwei bis sechs Wochen nach einer SARS-CoV 2-Infektion auftritt –, oder aus anderen Gründen im Rahmen eines schweren Verlaufs auf einer Kinderintensivstation behandelt werden muss, ist ein Kind zu viel! Es könnte Ihr Kind sein!

Tips: Viele Kinder äußern aus sozialen Gründen den Wunsch, die Impfung zu erhalten. Die Eltern sind oft skeptisch – was raten Sie hier?

Dr. Reisner-Reininger: Ich sehe immer wieder, dass sich Kinder die Impfung wirklich wünschen; sie wollen selber nicht erkranken und auch niemanden anstecken, wieder ohne Angst Freunde und Verwandte treffen und zu einem normalen Alltag zurückkehren. Daher empfehle ich Eltern, dass sie den Wunsch der Kinder respektieren und sie impfen lassen.

Tips: Wie stehen Sie zu den geöffneten Schulen während des Lockdowns?

Dr. Reisner-Reininger: Einen harten Lockdown verkünden und gleichzeitig stolz sein, dass die Schulen generell offen bleiben, passt für mich nicht ganz zusammen. Gerade in der Altersgruppe der Grundschüler gibt es viele Infektionen, wie die Inzidenzen zeigen. Es sollten jetzt meiner Meinung nach die Schulen nur für Kinder offen sein, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind, obwohl ich weiß, dass Homeoffice und Distance-Learning für Kinder, vor allem aber auch für Eltern eine große Herausforderung ist. Aber: Je weniger direkte Kontakte, desto schneller werden die Zahlen sinken und je mehr geimpft werden, desto rascher werden wir dem Ziel näherkommen, dass die Pandemie endlich vorbei sein wird.

Kommentar verfassen



SPÖ lädt Bürger zum Stammtisch im Stadtbrauhof

AMSTETTEN. Nachdem die digitalen Stammtische der SPÖ laut eigenen Angaben im Vorjahr gut angenommen worden sind, verlegt die Partei diese Art der Zusammenkunft aus der „virtuellen Welt“ nun in die ...

Rotes Kreuz Amstetten sucht freiwillige Mitarbeiter

AMSTETTEN. Das Rote Kreuz Amstetten sucht freiwillige Mitarbeiter für verschiedenste Aufgabenbereiche.

Familie Seba sichert Nahversorgung

ARDAGGER. Mit dem neu eröffneten ADEG Seba ist die Lebensmittelnahversorgung in Ardagger gesichert.

Amstetten erhält neuen Landeskindergarten

AMSTETTEN. Auf dem Gelände des ehemaligen Kindergartens in Eggersdorf soll ein neuer Landeskindergarten errichtet werden. Rund 2,5 Millionen Euro wurden dafür budgetiert.

Caritas sucht dringend Freiwillige für „carla“ Amstetten

AMSTETTEN. Der Caritas-Laden „carla“ am Hauptplatz Amstetten sucht dringend Freiwillige zur Mitarbeit.

Mostviertler Seelsorger Franz Sieder veröffentlichte zwei neue Bücher

AMSTETTEN. Streitbar, unbestechlich, immer auf der Seite der Armen und unterwegs für Frieden und Gerechtigkeit – Franz Sieder, langjähriger Betriebsseelsorger im Mostviertel, hat zwei neue Bücher ...

Wohnhaus in St. Peter in der Au bei Brand völlig zerstört

ST. PETER IN DER AU. Ein Wohnhaus in St. Peter in der Au ist bei einem Brand in der Nacht auf Sonntag völlig zerstört worden.  

Sigrid Horn mit „I bleib do“ in der Pölz-Halle Amstetten

AMSTETTEN. Sigrid Horn hat mit „Baun“, der Hymne gegen Umweltzerstörung und für mehr Achtsamkeit, den Protestsongcontest 2019 gewonnen. Ihr aktuelles Album „i bleib do“ hat sie im Februar 2020 ...