Perspektive Kino lud zu Filmabend und Diskussion über das Schulwesen
AMSTETTEN. Der Amstettner Rathaussaal war voll, als im Rahmen von Perspektive Kino Spezial der Film „Favoriten“ von Ruth Beckermann gezeigt wurde. Dieser wurde bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin mit dem Friedenspreis ausgezeichnet und bei der Viennale mit dem Spezialpreis der Jury gewürdigt. Eine der Protagonistinnen war für eine Diskussion zu Gast.

Drei Jahre lang hat ein Kamerateam die Kinder und die Lehrerin Ilkay Idiskut der Volksschule Bernhardsthalgasse in Wien-Favoriten begleitet. Fassungslos verfolgt man am Ende die Szene, als die Lehrerin, die in den Mutterschutz geht, bekennen muss, dass es für die letzten drei Schulmonate keinen Ersatzlehrer geben wird. Sie selbst war sichtbar mitgenommen angesichts dieses Mangels an Ressourcen und Möglichkeiten.
Filmdiskussion mit Ilkay Idiskut
Bei der anschließenden Filmdiskussion war Ilkay Idiskut persönlich zu Gast und mit ihr diskutierten die Pädagoginnen Gabriele Brandstetter der Volksschule Preinsbacherstrasse in Amstetten und die islamische Religionslehrerin und Mediatorin Medine Kisa, die in Volksschulen, in Gymnasien und in höher bildenden Schulen im Mostviertel unterrichtet. Moderiert wurde die Diskussion von Helga Steinacher, Kulturvermittlerin und Obfrau des Filmvereins.
Idiskut erzählte, dass sich seit dem Film einiges zum Positiven verändert hat, so auch die vermehrte Einstellung von Schulsozialarbeiterinnen und psychologische Unterstützung für die Kinder. Chancengleichheit sei auch keine sozialromantische Vorstellung, sondern Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, verdienen eine Chance, denn sie strengen sich enorm an, sie lernen hart und für sie und ihre Eltern bedeutet Schule ein Ort, der Möglichkeiten schafft, um es im Leben einmal besser zu haben.
Nicht „nur“ Lehrerin
Auch Gabriele Brandstetter erzählte, dass man weit mehr ist als „nur“ Lehrerin, da die Kinder mit vielen persönlichen Themen zu ihnen kämen. Darauf kann keine Ausbildung wirklich vorbereiten und hier ist man oftmals auf sich selbst gestellt.
Es täte so gut, wenn man mehr Personal zur Verfügung hätte, um die Kinder auch in ihren sozialen und emotionalen Kompetenzen zu unterstützen.
Medine Kisa erläuterte sehr eindrucksvoll, dass viele Narrative der Kinder, die sie mit der Religion in Verbindung bringen, nichts mit dem Islam zu tun haben. Hier spiele Aufklärung eine sehr große Rolle und auch in die Elternbildung zu investieren, wäre sinnvoll.
Publikum zeigte großes Interesse
Das Interesse seitens Publikum war sehr groß, es wurden zahlreiche Fragen gestellt und auch noch im Anschluss an die Filmdiskussion brachen die Gespräche nicht ab.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Amstettner Kulturverein G´scheckat durchgeführt, der durch seine Angebote seit vielen Jahren Menschen mit Migrationshintergrund mit der einheimischen Bevölkerung zusammenbringt und somit einen wichtigen Beitrag zur Integration leistet.
„Wir freuen uns, wenn viele Amstettnerinnen und Amstettner zu unseren Veranstaltungen kommen, denn wo Leute zusammenkommen, kann man sich kennenlernen und wenn man sich kennt, dann können auch Vorurteile überwunden werden“, bringt es die stellvertretende Obfrau Sevda Batmaz auf den Punkt.
Austausch über gesellschaftlich brisante Themen
„Gesellschaftlich brisante Themen in die Diskussion mit der Bevölkerung zu bringen, niveauvoll sich darüber auszutauschen und gemeinsam über wichtige Fragen nachzudenken, ist eine wesentliche Aufgabe von Kulturvereinen, die gerade in Amstetten eine große Tradition haben“, meinte auch Helga Steinacher, Obfrau von Perspektive Kino.
„Es wäre schön, wenn der Rathaussaal, der dafür ein wesentlicher Ort ist, auch einmal auf die Agenda der Stadtpolitik käme, damit er wieder voll funktionsfähig für diese wichtigen städtischen Kulturformate zur Verfügung stünde. Das wäre eine lohnende Aufgabe für die kommende Stadtregierung“, ergänzte Steinacher.


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