Das große Warten auf eine Palliativ-Station im Krankenhaus Amstetten

Norbert St. Mottas Norbert St. Mottas, Tips Redaktion, 11.02.2019 16:10 Uhr

AMSTETTEN. Seit dem Jahr 2003 setzt sich die Ärztin Ester Steininger als Obfrau des Hospizfördervereins Amstetten für die Errichtung einer Palliativ-Station im Krankenhaus Amstetten ein. Tips Redakteur Norbert Mottas bat Ester Steininger zum Interview.

Tips: Wodurch zeichnet sich eine Palliativstation aus?

Steininger: Eine Palliativstation hat andere Ziele als eine Normalstation, weil es da um die Begleitung in einer schweren Krankheit geht. Daher ist ein ganzheitlicher Ansatz von vorgesehen. Es werden auch die Angehörigen mit eingebunden. Der Personalschlüssel ist in einer Palliativstation besser als in einer Normalstation. Die Mitarbeiter haben eine Palliativausbildung wodurch ein professioneller Ansatz möglich ist. Es geht auch um eine Einbindung von Sozialarbeit, Psychologie und Seelsorge. Dadurch kann eine Palliativstation eine bessere Betreuung für lebensbedrohlich Erkrankte und ihre Angehörigen leisten als das in einer Normalstation möglich ist.

Tips: Wie steht es um die Palliativbetreuung in Normalstationen?

Steininger: In einer Normalstation geschieht in diesem Bereich schon sehr viel. So wie im Landeklinikum Amstetten, wo das Palliativteam die Patienten mitbetreut. Das ist schon sehr gut. Aber es gibt noch immer keine eigene Betten.

Tips: Was geschieht mit Patienten, die eine Palliativbetreuung brauchen?

Steininger: Wenn wirklich eine Aufnahme in eine Palliativstation notwendig ist, dann müssen Patienten der Region immer noch nach Scheibbs, Linz oder St. Pölten ausweichen. Dort gibt es Palliativstationen und dort kommen wirklich regelmäßig Patienten aus unserer Region hin. Wir wünschen uns Betten in Amstetten und jetzt ist es so, dass im Dezember vom Land der regionale Strukturplan von Niederösterreich beschlossen wurde. Darin ist der Aufbau einer Palliativversorgung mit sechs Betten in Amstetten vorgesehen – bis 2025.

Tips: Das dauert aber noch!

Steininger: Ja. Wir waren ja schon einmal so weit. Im Jahr 2005 waren wir auch schon mit sechs Betten im Strukturplan drin. Das wurde dann aber bei den Redimensionierungsgesprächen wieder raus genommen. Ich nehme aber an, dass es jetzt drinnen bleibt und dass wirklich eine Palliativstation kommen wird. Bei der letzten Landtagswahl sind sowohl die ÖVP als auch die SPÖ mit Palliativbetten für Amstetten angetreten. Und die Zeit ist jetzt wirklich reif. Wir würden uns wünschen, dass es nicht erst 2025 geschieht, sondern früher.

Tips: Ist in der Politik die Wichtigkeit von Palliativstationen noch nicht angekommen?

Steininger: Grundsätzlich schon. Es gibt in Niederösterreich gar keine schlechte Struktur. Wenn man die Palliativsituation österreichweit anschaut, dann steht Niederösterreich sehr gut da. Nur Amstetten ist immer heraus gefallen. Das niederösterreichische Konzept mit Palliativteams, mobilen Hospizteams, an Heime angeschlossene Hospiz und Palliativbetten im Krankenhaus ist nicht schlecht. Ich glaube auch, dass österreichweit der Palliativgedanken angekommen ist. Aber wir in der Region sind noch nicht so weit.

Tips: Woran liegt das?

Steininger: Wenn im Krankenhaus mehr Motivation da gewesen wäre, hätten wir auch schon eine Palliativstation wie in Scheibbs. In Scheibbs waren die Krankenhausleitung und die Pflegedienstleitung sehr dahinter. Das war eine Pionierleistung.

Tips: Heißt das, dass das Krankenhaus dagegen ist?

Steininger: Nein, auf keinen Fall. Es würde nicht mehr Betten geben sondern eine Bettenverschiebung. Das enthält Konfliktpotential, denn es hieße: bestehende Abteilungen müssen Betten hergeben.

Tips: Müsste sich da viel ändern?

Steininger: Vom Personal glaube ich nicht, dass es ein Problem gibt, da wir bereits ein Palliativteam haben. Es gibt genug Schwestern mit Palliativzusatzausbildung. Von ärztlicher Seite weiß ich auch, dass es da Interesse gibt. Allerdings bedeutet es schon eine Umstrukturierung im Haus – auch personell und vom Platzangebot. Es braucht im Haus schon einiges an Vorbereitung. Soweit ich weiß, läuft dort bis jetzt allerdings gar nichts.

Tips: Wie werden Sie jetzt weiter vorgehen?

Steininger: Ich glaube, dass in der Politik schon der Wille da ist. Es geht nur darum, das zu beschleunigen. Wir wollen uns weiterhin melden und dran bleiben. 2019 ist unrealistisch aber im Jahr 2020 sollte es schon möglich sein, dass die Palliativstation entsteht. Wirklich glauben werde ich es allerdings erst, wenn ich drinnen stehe.

 

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