Arbeiterkammer Amstetten zieht Halbjahresbilanz: Über 2 Millionen Euro für Mitglieder erreicht
BEZIRK AMSTETTEN. Über 12.000 Menschen haben im vergangenen Halbjahr 2023 bei der Arbeiterkammer Amstetten Rat gesucht. Herbert Grurl, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Amstetten, präsentierte diese und weitere Zahlen der Halbjahresbilanz.

Für die Mitarbeiter der Arbeiterkammer-Bezirksstelle Amstetten stand das erste Halbjahr 2023 ganz im Zeichen der Belastungen durch die enormen Teuerungen. „Mehr als 12.000 Menschen haben im ersten Halbjahr 2023 mit uns Kontakt aufgenommen“, berichtet Bezirksstellenleiter Grurl.
„Dabei ging es manchmal lediglich um rasche Auskünfte“, so Grurl. In 4.372 Fällen benötigten die Menschen hingegen weiterführende Beratung und die Unterstützung der Experten in konkreten Problemfällen. „Gerade die aktuellen Teuerungen machen einmal mehr deutlich, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind“, zieht Grurl Bilanz.
Insgesamt hat die Bezirksstelle Amstetten im ersten Halbjahr rund zwei Millionen Euro für die Arbeitnehmer der Region gesichert. Grurl: „Lag der Schwerpunkt der Beratungsthemen zu Jahresbeginn noch bei Fragen rund um Home-Office, so kippte dieser im zweiten Quartal in Richtung Entlassung. Auch Schwerarbeitsfragen und Klagen im Sozialrecht sind stark angestiegen.“ Anfragen und Kontakte seien – wie auch eingebrachte Beträge – auf hohem Niveau geblieben.
Unberechtigte Entlassung
Grurl berichtete bei der Präsentation der Bilanz auch über einen Fall aus der Region: „Ein Dienstnehmer aus dem Bezirk wollte 2022 zum Quartalsende sein rund neunjähriges Dienstverhältnis beenden. In seinem Auflösungsschreiben war die Formulierung ‚einvernehmlich‘ enthalten – konkret gab es aber keine Vereinbarung dazu und es wäre somit eine normale Kündigung durch den Dienstnehmer gewesen. Unerwartet erhielt der Dienstnehmer dann die Abmeldung durch Entlassung. Der Dienstgeber hat ein privates Handygespräch zwischen dem Dienstnehmer und dessen Gattin mitgehört, worin – unter anderem – auch scherzhaft gesagt wurde, falls die Mutter Corona habe, solle man mit ihr mal durch die Firma gehen. Der Mostviertler wollte zwar dort nicht mehr arbeiten, jedoch waren trotz Überstundenpauschale noch sehr viele Überstunden und auch Urlaub offen. Die Arbeiterkammer Amstetten intervenierte gegen die unberechtigte vorzeitige Entlassung und bei Gericht konnten seine Ansprüche in der Höhe von rund 23.000 Euro durchgesetzt werden.“
Über 38 Millionen Euro für Arbeitnehmer in Niederösterreich
Niederösterreichweit haben 82.000 Arbeitnehmer die Hilfe der Arbeiterkammer gesucht. „Wir haben 38,1 Millionen Euro für die Betroffenen erreicht“, so Kammerrat Helmut Novak. Auffällig seien gehäufte Probleme mit ungerechtfertigten Entlassungen gewesen.
Lösungen der Dienstverträge seien allgemein wieder problematischer geworden. Einvernehmliche Lösungen würden von Dienstgebern verstärkt angeboten, um Kündigungsfristen zu umgehen. Auch Abrechnungen seien nicht richtig, da Urlaub, Sonderzahlungen und Überstunden falsch oder nicht abgerechnet worden seien. Auch Probleme mit fehlenden oder falsch befüllten Arbeits- und Entgeltbestätigungen, die zur Auszahlung von Krankengeld benötigt werden, häufen sich laut Novak, wodurch Betroffene lange auf die Auszahlung ihres Krankengeldes warten müssten.
„Bei den Insolvenzen von Kika/Leiner und Forstinger konnten wir den Beschäftigten rasch helfen“, so Novak.
Saalumbau in der Bezirksstelle Amstetten
Neues gibt es in der Bezirksstelle Amstetten in puncto Arbeiterkammersaal. Grurl: Der Saal wird von Mitte Oktober bis Ende November 2023 umgebaut. Zuvor findet im Oktober noch eine Info-Veranstaltung mit Notaren zum Thema Erbrecht und Vorsorgevollmachten statt. In Wieselburg geht am 8. Oktober das Familienfest der Arbeiterkammer Niederösterreich über die Bühne!“


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